Gegenwind 185

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Nov 272002
 

Perversion des Denkens...

JadeWeserPort-Ausstellung soll ins Wattenmeerhaus – Krach ist programmiert


185 titelbildAnschlagsäule

● Für Aufsehen sorgte eine Umfrage von fünf angehenden Erzieherinnen zum Freizeitverhalten Jugendlicher. Wir bohren wir nach.
● Sitzen im Jugendparlament nur faule Säcke? Dieser Eindruck wurde jedenfalls in den letzten Wochen der Öffentlichkeit vermittelt. Wir fragten nach und berichten.
● Wann ist man/frau ein leitender Angestellter? Um diese leidige Frage ging es vor dem Arbeitsgericht. Wir schildern die Auseinandersetzungen um den Betriebsrat bei Sykes.
● Wie ein Buch von John Grisham ist unser Beitrag zur Finanzierung des JadeWeserPorts überschrieben: Die Schuldenmacher!
● Ein Bürger kämpft um die Einhaltung der Gesetze und wird von Tag zu Tag vertröstet: Nicht locker lassen.
● Die Landtagswahl steht vor der Tür. Wir ziehen eine unvollständige Bilanz der letzten Wahlperiode.
● Wie weit wollen Wilhelmshavener Politiker es noch treiben? Der Vorschlag, die Ausstellung zum JadeWeserPort ins Wattenmeerhaus zu holen, beweist erneut, wie wenig Fingerspitzengefühl diese Leute haben.
● Einen Bericht über die Zustände in der Methadonabgabestelle am Schlachthof.
● Warum soll der Dünenspielgarten geschlossen werden? Geht es wirklich um Altlasten? Fakten und Spekulationen.
● Wird in Wilhelmshaven wieder mit der chemischen Keule gegen Unkraut vorgegangen? Oder etwa mit ‚umweltfreundlichen Giften?’ Ein Splitter aus der letzten Umweltausschusssitzung.
● Wilhelmshavens erstes Naturschutzgebiet endlich Realität!
● Meldungen und Nachrichten

Der Gegenwind wünscht allen Leserinnen und Lesern und besonders den Beschäftigten in unseren übers gesamte Stadtgebiet verstreuten Verteilstellen ein frohes Weihnachtsfest und ein erfolgreiches Neues Jahr.
Der nächste Gegenwind erscheint wegen der ganzen Feierei voraussichtlich erst in der ersten Januarwoche.

Die Druckausgabe: Gegenwind 185

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Nov 272002
 

Rote Karte!

Hafenausstellung im Wattenmeerhaus

(hk) Manchmal glaubt man seinen Augen nicht zu trauen: Da meldete doch die Wilhelmshavener Zeitung am 13. November 2002, dass die Ausstellung „Hafen der Zukunft Wilhelmshaven – Transport – Logistik – Seefahrt“ gesichert ist und in den Räumen des Wattenmeerhauses präsentiert werden wird.

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Nov 272002
 

Naturschutzgebiet vom Nikolaus?

„Für den Bereich des ‚Bordumer Busch’ läuft zur Zeit ein Unterschutzstellungsverfahren seitens der Oberen Naturschutzbehörde“, steht im Entwurf zum „Hafenentwicklungsplan – Innenhafen-Konzept“, den das Amt für Stadtplanung und –entwicklung (namentlich Michael Witt) unlängst vorlegte.

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Nov 272002
 

Leere Kassen gibt es in der Reha-Klinik. Möglicherweise werden die MitarbeiterInnen in diesem Jahr kein Weihnachtsgeld erhalten. Sie erwarten deswegen im Moment sehr gespannt ihre Dezember-Gehaltsabrechnungen. (noa)

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Nov 272002
 

Schaut auf diese Stadt!

Wilhelmshaven ist wirklich einmalig, zumindest bundesweit – ganz gleich, aus welchem Blickwinkel man diese Feststellung trifft. Aus Sicht führender Vertreter aus Politik, Verwaltung und Tagespresse ist sie z. B. einmalig toll, wie sie uns täglich neu einzutrichtern versuchen.

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Nov 272002
 

Letzte Fußballnacht am Nikolaustag

Die letzte Fußballnacht der aufgelösten Stadtteilkonferenz für die Südstadt und Bant findet am Freitag, 6. Dezember, ab 22 Uhr in der Sporthalle Süd an der Deichbrücke statt. Freizeitmannschaften und sonstige am runden Leder Interessierte können dem Ball nachjagen. Für fetzige Musik, alkoholfreie Getränke und kleine Snacks ist bis zum letzten Abpfiff um 2 Uhr morgens gesorgt.

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Nov 272002
 

Nicht locker lassen

Im letzten Gegenwind berichteten wir über den langen Atem des ehemaligen Ratsherrn Rolf Frerichs, der über Beschilderung und Kontrollen in der Fußgängerzone nördlich der Nordseepassage die Fußgänger vor Verkehrsrowdies schützen will.

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Nov 272002
 

Radio Jade

hat erneut den Niedersächsischen Hörfunkpreis in der Kategorie “Kinder“ verliehen bekommen. Nach 1998 und 2001 ist es bereits das dritte Mal, dass dieser Preis nach Wilhelmshaven ging.

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Nov 272002
 

Sorry!

Unser Bummel durch die Gökerstraße („Nachgeschaut“ in der Ausgabe 184) enthielt eine Bemerkung, die missverstanden werden kann. Da war die Rede von einem „Fahrradgeschäft, das jetzt verschwunden ist“. Es handelt sich um das Radsportgeschäft „Bike&Sport“, das bis vor kurzem in der Gökerstraße 63 war.

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Nov 272002
 

Herzlichen Glückwunsch!
Angelika Reichelt wurde geehrt – leider nicht von der Stadt Wilhelmshaven

„Reichelt ade!“ – so hieß es im August 1995 in der 129. Gegenwind-Ausgabe. „Reichelt Elektronik verlässt unter Mitnahme von 80 Arbeitsplätzen die Stadt Wilhelmshaven und wird zukünftig vom friesländischen Sande aus die Elektronik-Freaks mit Mikroprozessoren, Schaltern, Widerständen und Kabeln vorsorgen“, so schrieben wir damals.

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Nov 272002
 

Stell dir vor, es gibt eine Umfrage ...

… und die haut einfach nicht hin? 

(iz) Wenn man etwas für Jugendliche tun möchte, ohne an ihren Bedürfnissen vorbei zu organisieren, macht es Sinn, diese Zielgruppe direkt zu befragen. Von daher hatten fünf angehende ErzieherInnen der Berufsfachschule Sozialpädagogik grundsätzlich eine gute Idee, als sie eine entsprechende Umfrage durchführten. SchülerInnen konnten sich zu ihrem Freizeitverhalten äußern und das entsprechende Angebot in der Stadt bewerten. Wie das Ergebnis zu Stande kam und wie man damit umgeht, bedarf allerdings einer kritischen Betrachtung.

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Nov 272002
 

Ganz schön sauer

… waren die Mitglieder des Jugendparlaments über einen WZ-Bericht

(iz) „Rumhängen werden allein die Vorhaben“ betitelte Malte Kirchner seinen Bericht vom 22.10., in dem er nicht ohne Zynismus seinen schlechten Eindruck von einer Sitzung der Jungparlamentarier schilderte. In einem Gespräch mit dem GEGENWIND konnten Vertreter des Jugendparlaments verdeutlichen, dass die aus der Sitzung zitierten Pannen kein repräsentatives Bild ihrer Arbeit liefern.

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Nov 272002
 

„Leitende“ und „leidende“ Angestellte

Bei Sykes in Roffhausen gibt es von beiden Sorten jede Menge

(noa) Der Betriebsrat bei Sykes Classic im TCN in Roffhausen, letztes Jahr Ende Oktober gewählt, sitzt wacklig: Schon bald nach dem Amtsantritt wurde die Wahl angefochten.

Genau genommen fing der Ärger sogar schon am Tag vor der Wahl an. Eine Mitarbeiterin aus dem „Recruitment“ (zuständig für Einstellungen) hatte sich vor dem Wilhelmshavener Arbeitsgericht dagegen gewehrt, dass sie nicht auf der Wählerliste stand. Der Wahlvorstand hatte ihr das Wahlrecht verweigert, da sie leitende Angestellte ist. In der Gerichtsverhandlung ließ sich der Wahlvorstand darauf ein, sie auf die Wählerliste zu setzen, um die Wahl am nächsten Tag nicht zu gefährden. Während der Verhandlung setzte ihr Anwalt nach: Seine Mandantin wolle nicht nur das aktive, sondern auch das passive Wahlrecht ausüben. So weit kam es dann jedoch nicht.
Außer der Klägerin in diesem Eilverfahren waren 19 weitere leitende Angestellte nicht zur Stimmabgabe zugelassen worden. Zwei von ihnen und drei weitere Beschäftigte strengten dann bald nach der Wahl ein weiteres Verfahren an. Die Wahl sei ungültig, so ihre Argumentation, da ihr Ausschluss von der Wahl unrechtmäßig gewesen sei, denn sie seien keine leitenden Angestellten. Außerdem seien die Briefwahlunterlagen von zwei Wählern nicht berücksichtigt worden (diese beiden Stimmen waren dem Wahlvorstand nicht ausgehändigt worden, konnten also nicht gezählt werden). 21 Stimmen waren also aus dem einen oder anderen Grund nicht berücksichtigt worden.
Zur Wahl hatten zwei Listen gestanden: Die Liste „Eine/r von Euch“ bekam genau 20 Stimmen mehr als die Liste „Deine Stimme“. Wären die 21 ausgeschlossenen bzw. nicht gezählten Stimmen alle für „Deine Stimme“ abgegeben worden, wäre die Wahl anders ausgegangen. Nicht viel anders: Es wäre ein Kandidat der einen Liste mehr und einer der anderen Liste weniger in den Betriebsrat gekommen, und das hätte an der Arbeit des Betriebsrates nichts geändert, da die Listen keine unterschiedlichen Gruppierungen vertreten, sondern sich in ihren Zielen einig sind. Aber zur Begründung einer Wahlanfechtung reicht das.
Die 19 nicht zur Wahl zugelassenen Beschäftigten haben im Betrieb herausragende Positionen mit weitreichenden Kompetenzen. Wenn eine/einer von ihnen die Entlassung eines „Call-Center-Agent“ wünscht, dann wird der „Agent“ auch entlassen. Nur unterschreiben darf derjenige die Entlassung nicht. Dem Arbeitsgericht oblag nun die schwierige Aufgabe, zu entscheiden, ob so jemand als leitender Angestellter zu gelten hat oder nicht. Die Kläger (deren Anwaltskosten übrigens von Sykes getragen werden!) führten ins Feld, dass die bewussten 19 MitarbeiterInnen nicht entlassen, nicht einstellen und nicht abmahnen dürfen, also keine leitenden Angestellten im Sinne des Betriebsverfassungsgesetzes sind.
Die Geschäftsführerin in Roffhausen, Corinna Janssen, hat seinerzeit nicht darauf bestanden, wählen zu dürfen; sie sieht sich als leitende Angestellte, aber auch sie unterschreibt so manches nicht, was in anderen Betrieben die leitenden Angestellten unterschreiben dürften, sondern muss das den ihr Vorgesetzten überlassen, die nicht in Roffhausen, sondern in Rotterdam sitzen. Für den Richter am Wilhelmshavener Arbeitsgericht war dies allerdings nicht ausreichend als Begründung für den Ausschluss der 19 vom Wahlrecht. Er erklärte die Wahl im Sommer für ungültig.
Eine Zeit ohne Betriebsrat wollte die Mehrheit der Beschäftigten jedoch nicht. Eine schriftlichen Umfrage, in der sie entscheiden konnten, ob eine Neuwahl stattfinden soll oder ob der Betriebsrat im Amt bleiben und seine Legitimation vor dem Landesarbeitsgericht erstreiten soll, ging zu Gunsten letzterer Möglichkeit aus, und bis zum 20. Januar, dem Termin in Hannover, arbeitet der Betriebsrat weiter.

Und zu arbeiten gibt es genug.

Augenblicklich drohen Entlassungen. Der größte Kunde, Hewlett Packard, hat Sykes einen Auftrag entzogen. Die Qualität war zu schlecht. 140 Stellen sind davon betroffen, etwa 60 weitere in anderen Projekten ebenfalls. Das Projekt Karstadt/Hertie ist schon weg, die Aufträge von Xerox und von Toshiba sind reduziert worden, Microsoft hat zu Ende Februar 2003 gekündigt. Und es ist noch nicht entschieden, ob dieser Abbau im Rahmen der üblichen Fluktuation (die im Bereich der Call-Centers immens hoch ist) oder per „Freisetzungen“ stattfinden wird.
Ein neuer Auftrag von Siemens kompensiert mangels Masse den Einbruch im HP-Projekt jedenfalls bei weitem nicht. Außerdem ist dieser Auftrag auf Verlangen von Siemens mit einem rechtlichen Problem behaftet. Der Auftraggeber wünscht „silent monitoring“: Die Telefonate können ohne Wissen der Call Center Agents mitgehört werden. So etwas ist verboten, wenn die Menschen, die im Call Center anrufen, nicht ausdrücklich zu Beginn des Telefonats darauf hingewiesen werden. Der Betriebsrat sitzt in solchen Fragen in der Klemme: Soll er es genehmigen oder den Auftrag gefährden?
Einem noch viel ausgefeilteren Überwachungssystem namens „Symposium“ hat der Sykes-Betriebsrat für die Pilotphase erst einmal zugestimmt: Mit diesem Programm kann nach Berichten von Beschäftigten anderer Call-Centers genau festgehalten werden, welche Pausen die Beschäftigten wann machen. Ob sie zum Klo gehen, etwas nacharbeiten oder eine richtige Erholungspause machen, wird bemerkt und in Excel-Tabellen festgehalten; haben sie zu viel Zeit mit Nacharbeiten „vertrödelt“, wird ihnen das im wöchentlichen „PEP-Gespräch“ vorgehalten.
Der Druck auf die Beschäftigten im Call-Center ist enorm, und entsprechend groß ist der Krankenstand. Für den Betriebsrat ist an allen Ecken und Enden zu tun. Bis zum Urteil aus Hannover hat er allerdings zusätzlich selber Druck.

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