Gegenwind 116

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Aug 041993
 

Tatort Couch

heißt eine Veranstaltung zum Thema „Sexueller Mißbrauch in Beratung und Therapie“, die die Buchhandlung Jockusch am 20. August 93 um 20 Uhr in der Gökerstr. 37 in Zusammenarbeit u.a. mit der Beratungsstelle für Jugendliche und junge Erwachsene und der Frauenbeauftragten der Stadt Wilhelmshaven Frau Dr. Jutta Niedersen-Marchal durchführt. „Es geht nicht um Liebe und nicht um Sexualität: Mißbrauch in der Psychotherapie ist Ausbeutung. Es geht um Abhängigkeit, um Ausleben von Macht mit den gleichen lebensbedrohlichen Folgen für die Opfer wie bei Inzest oder Vergewaltigung.“ (Aus der Vorankündigung)
„Tatort Couch“ – so heißt auch ein viel beachtetes Buch der Sozialwissenschaftlerin Claudia Heyne, die auf der Veranstaltung aus ihrem Buch lesen und im Gespräch mit den Anwesenden über Ursachen, Fakten und Folgen des sexuellen Mißbrauchs in der Therapie informieren wird. (ub)

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Aug 021993
 

Menschenhandel

Leiharbeiter, Subunternehmer, Sub-Subunternehmer, Schwarzarbeit – Im Baugewerbe ist der Teufel los

Gegenwind Titel 116Inhalt

♦ Eine Veranstaltung der Bürgerinitiative gegen Ausländerfeindlichkeit (BIGAF) entwickelte sich schon im Vorfeld dramatisch.

♦ Der Betreiber eines privaten Asylbewerberheimes wollte mittels eines Gerichtsbeschlusses verhindern. daß die in seinem Heim gemachten Fotos der Öffentlichkeit gezeigt werden.

♦ Warum die Jadefahrrinne ausgebaggert werden muß – nicht, so die Bürgerinitiative Umweltschutz Wilhelmshaven, damit hier wieder Supertanker anlegen.

♦ Wohnungslose sind ein Produkt unserer „Wohlstandsgesellschaft“. Wilhelmshavener Geschäftsleute möchten nicht, dass der Kaufrausch ihrer Kunden durch den Anblick von „Pennern“ gebremst wird. Die City soll zur „Problemfreien Zone“ werden.

♦ Der §218 ist durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zu einem Gesetz gegen die Armen geworden. Ein Situationsbericht

♦ Beratung, Kommunikation, Arbeit – ein lobenswertes Projekt zwischen Eigeninitiative und Geldknappheit

♦ Wir berichten über die Privatisierung von Teilen des Marinearsenals „durch die Hintertür

♦ Sammeln die Haushalte zuviel Kunststoffverpackungen oder produziert die Industrie zuviel davon? Es geht um den Gelben Sack und das „Duale System Deutschland“.


Titelbild: Burkhard Königshoff


 

Die Druckausgabe zum Runterladen: Gegenwind 116

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Aug 021993
 

Über die Ursachen

der Versandung der Jade (siehe auch Artikel „Jadeversandung“) ist in den letzten Tagen viel spekuliert worden. Ein Aspekt ist dabei allerdings zu kurz gekommen: Versandung als Folge der Privatisierung! Bis 1983 war die Baggerei eine öffentliche Aufgabe – wahrgenommen vom Wasser- und Schiffahrtsamt (WSA). Mit der niedersächsischen Wirtschaftsministerin Birgit Breuel kam dann die Privatisierung der Unterhaltsbaggerei. Während für die WSA-Leute das „Funktionieren“ der Jadefahrrinne im Vordergrund stand und auch „strategische Baggerungen“ über die vorgegebenen Solltiefen hinaus, durch die z.B. ein Versanden der Fahrrinne vorausschauend verhindert wurde, durchgeführt wurden, haben die privaten Baggerunternehmen nur ein Interesse: Möglichst oft möglichst viel Sand aus der Fahrrinne zu baggern – denn bezahlt wird nach gebaggerten Kubikmetern.
Während also der Öffentliche Dienst ein Interesse daran hatte, möglichst wenig Sand in die Fahrrinne gelangen zu lassen, damit das Revier in Ordnung ist, haben die Privatunternehmen nur Interesse daran, ihren Auftrag zu erfüllen.
Ein weiterer Aspekt der Privatisierung: Der Staat ist durch die Monopolisierung der Naßbaggerei auf wenige Firmen, erpressbar geworden: Die Firmen können die Preise verlangen, die sie für erzielbar halten – läßt der Staat sich nicht darauf ein, versandet eben die Fahrrinne und die Problemlösungen werden noch teurer als die überhöhten Preise der Privatindustrie. (hk)

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Aug 021993
 

Die Anlieger

asyl-ist-menschenrechtder Bahnzeile meldeten sich zu Wort: Wir wollen kein Asylantenheim in unserer Nähe. Wir sind nicht gegen Ausländer, bei uns in der Zeile wohnen sogar Polen und Türken! Aber auch noch Asylbewerber – das wäre zuviel des Guten. Die Behelfsheime an der Bahnzeile wurden gebaut, um Flüchtlingen, die nach dem 2. Weltkrieg keine Bleibe hatten, ein Dach überm Kopf zu geben. Heute, nachdem die meisten der Behelfsheime zu Bungalows umgebaut wurden, möchte wohl niemand mehr von der eigenen Geschichte  belästigt werden. Da zieht man doch lieber gegen die Fremden zu Felde. (hk)

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Aug 021993
 

gw116_kuhlmann

Während sich Wilhelmshavens Politiker im „Gegenseitig-auf-die-Schulter-klopfen“ üben und die großen Erfolge der Wilhelmshavener Wirtschaftspolitik (JadeKost, Bahnhofszentrum, Reha-Klinik, Hafenumschlag) feiern, geht ihnen so langsam der Boden unter den Füßen verloren: 16,2 % Arbeitslose im Juni, Betriebsschließungen, Konkurse oder drastischer Arbeitsplatzabbau bei Krupp, Wessels, Lotze, Kuhlmann, Panopa, Plaza, Müller & Raschig usw. – Trotz der Großbaustellen Reha-Klinik, Terramare, JadeKost, Helgolandhaus, nahm die Arbeitslosigkeit im Baugewerbe um 33,5 % zu. Zu hoffen ist, daß unsere Politiker aktiv werden, bevor sie völlig den Boden unter den Füßen verlieren. Mit Adam-Sprüchen wie „Es ist wichtig, daß Kuhlmann erhalten bleibt, denn Kuhlmann ist ein Stück Wilhelmshaven“ lassen sich die Probleme nicht lösen. Der Adam-Ausspruch auf der Kuhlmann-Betriebsversammlung Anfang Juli „Wir wollen endlich, daß Wilhelmshaven und die Region aus den negativen wirtschaftlichen Schlagzeilen herauskommen“ ist inzwischen Programm geworden: Es werden nur noch positive Entwicklungen öffentlich dargestellt. (hk) Foto: Hannes Klöpper

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Aug 021993
 

Einen Offenen Brief

an alle Busunternehmen im Weser-Ems-Gebiet hat das Antifa-Plenum Oldenburg versandt. Es geht um die Beförderung von NeofaschistInnen zum „Rudolf-Heß-Gedenkmarsch“ am 14. August. In dem Brief heißt es unter anderem:
„Für sie (die Neofaschisten) ist diese Veranstaltung ein wichtiges Datum zur Mobilisierung ihrer AnhängerInnen und zur Verbreitung ihres menschenverachtenden Gedankengutes. Für die Folgen stehen über 40 Ermordete in den letzten 3 1/2 Jahren, Städtenamen wie Hoyerswerda, Rostock, Mölln und Solingen, sowie unzählige Menschen, die täglich in Angst leben. ( … )
Im letzten Jahr hat leider die Firma Bruns-Reisen, Zetel, die NeofaschistInnen zu dem „Gedenkmarsch“ befördert. Einige Körperschaften, u.a. der AStA der Carl-von-Ossietzky-Universität in Oldenburg, haben daraufhin beschlossen, Bruns-Reisen keine Aufträge mehr zu erteilen. ( … )
Aus allen genannten Gründen möchten wir Sie auffordern, NeofaschistInnen nicht dadurch Hilfestellung zu geben, daß Sie sie befördern.“ (hk)

 

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Aug 021993
 

Unerlaubte Arbeitnehmerüberlassung

Auf Wilhelmshavener Baustellen sahnen Menschenhändler kräftig ab

(ub) Horst Bartels, Inhaber der Jadekost GmbH & Co KG hat Großes vor. Nach eigenen Angaben will er eines der „modernsten Lebensmittelwerke der Welt schaffen“. Auf der Großbaustelle an der Flutstraße schuften derweil illegal ausländische Arbeitnehmer selbst an Sonn- und Feiertagen zu Billiglöhnen. Der GEGENWIND sprach mit Dieter Gehrken, dem örtlichen Geschäftsführer der Industriegewerkschaft Bau-Steine-Erden, über die dubiosen Vorgänge auf der Baustelle der Firma Jadekost und über illegale Leiharbeit in Wilhelmshaven.

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Aug 021993
 

Antikriegstag 1993

nie-wieder-kriegDer Deutsche Gewerkschaftsbund wird am Antikriegstag (l. September) auf dem Wilhelm-Krökel-Platz (Werft-/Marktstraße) eine Kranzniederlegung und Kundgebung durchführen. Um 20.00 Uhr wird im Willi-Bleicher-Zentrum der Antikriegsfilm „Die Brücke“ gezeigt. Im Anschluß an den Film folgt eine Diskussion zu den akuten Kriegen – schwerpunktmäßig wird es um den Krieg im ehemaligen Jugoslawien (Wer führt dort eigentlich Krieg gegen wen und warum?), um die kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten (Warum darf Israel Dörfer und Städte im Libanon ungestraft bombardieren?) und um den UN-Einsatz in Somalia (Welche Interessen versuchen die USA mit Hilfe der UN und mit Hilfe deutscher Soldaten durchzusetzen?) gehen. Weiter wird es auch um die Gewalt in Deutschland (Was tun gegen rechte Gewalttäter, gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit?) gehen. (hk)

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Aug 021993
 

Massive Schwierigkeiten

bat die Wilhelmshavener Firma Wessel Hydraulik. Grund der Schwierigkeiten für das 1958 gegründete Unternehmen ist seine weitgehende Abhängigkeit von der Firma Atlas Weyhausen, für die Wessel Ventile herstellt. Der größte Teil der Wessel-Produktion ist Auftragsarbeit für dieses Unternehmen, das seinerseits durch den Zusammenbruch der Ostmärkte in große Absatzschwierigkeiten geraten ist.
Hinter dem, was in der „WZ“ als „Gesundschrumpfen“ bei Wessel bezeichnet wurde, verbergen sich Massenentlassungen. Von den insgesamt 140 Beschäftigten (ca. 80 im Werk 1 in Wilhelmshaven, die übrigen in Giebolderhausen bei Göttingen) haben 65 (30 hier, 35 im Werk 2) ihren Auflösungsvertrag zum 30. September unterschrieben. Bis dann wird Kurzarbeit gefahren. (noa)

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Aug 021993
 

Ausgegrenzt

Geschäftsleute am Börsenplatz protestieren gegen die „Nacht der Wohnungslosen“

(ub) ‚Der Arbeitskreis „Wohnraum für alle“ hatte im Rahmen der europaweit durchgeführten „Euro Sleep out Aktion“ unter anderem auch zu einem demonstrativen Übernachten auf dem Börsenplatz aufgerufen. Die umliegenden Geschäftsinhaber reagierten mit Entsetzen und richteten einen mit Unterschrift und Firmenstempel versehenen Protestbrief an die Stadtverwaltung.

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Aug 021993
 

Als unbegründet

zurückgewiesen hat die Bezirksregierung Weser-Ems nach weit über einem Jahr letztendlich ein Widerspruchschreiben von fünf EinwenderInnen gegen die der Beta Raffinerie erteilte Emissionsgenehmigung von 1.000 Milligramm Schwefeldioxid pro m3 Rauchgas. Gesetzlich erlaubt sind aber trotzdem höchstens 400 mg/m3. Auf die Unzulässigkeit einer solchen Genehmigungserteilung hatten zwei EinwenderInnen die Bezirksregierung schon Monate vor der Inbetriebnahme der Raffinerie – gestützt auf die detaillierte rechtliche Stellungnahme eines Bremer Anwalts – hingewiesen.
Doch das focht diese Behörde genauso wenig an, wie die Erinnerung an die von mehreren tausend Wilhelmshavener BürgerInnen der Genehmigungsbehörde im Verfahren für den Bau der Mobil Oil Raffinerie abgerungenen Bauauflage, Platz für eine Rauchgasentschwefelungsanlage freizuhalten und diese zu bauen, sobald sie Stand der Technik ist …
Den Klageweg wollen die EinwenderInnen nicht beschreiten, weil sich ihre Hoffnungen, daß das Verwaltungsgericht ihnen einen Rechtsanspruch auf Einhaltung der gesetzlichen Emissionsgrenzwerte einräumen würde, zerschlagen haben. Lediglich die gemessenen Immissionsgrenzwerte in der Nachbarschaft der Raffinerie werden vom Gericht geprüft und diese liegen laut TÜV-Norddeutschland unter den gesetzlichen Höchstwerten.
So halten die Abgewiesenen ihre ca. 7.000,- DM, die ein verlorengegangener Prozeß gekostet hätte, lieber für nützlichere Dinge zurück, als die Prozeßbeteiligten mit Spesen zu mästen bzw. einem die Reichen und Mächtigen begünstigenden Staat die sauer verdienten Groschen in den Rachen zu schaufeln. (jm)

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Aug 021993
 

Sandalarm

Bürgerinitiative Umweltschutz Wilhelmshaven zieht verkehrspolitische Schlußfolgerungen aus der Jadeversandung

(buw) Der markerschütternde Heulton einer einschlägig bekannten Wilhelmshavener Alarmsirene hält seit Tagen die Stadt mit einer Warnnachricht in Atem: Dem Image Wilhelmshavens als einzigem deutschen Tiefwasserhafen droht tödliche Gefahr wg. mangelndem Baggereinsatz gegen Sandeintreibungen ins Jadefahrwasser.

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Aug 021993
 

Sehr geehrte Frau Ministerin,

mit Interesse entnehmen wir verschiedenen Presseorganen, daß Sie sich für ein Nordseeverbot für Tanker über 100.000 t Größe starkmachen.
Diese Forderung steckt – unter Aspekten der Sicherheit und Leichtigkeit des Schiffsverkehrs in für die südliche Nordsee typischen Küstengewässern und Ölhafenzufahrten – grob den Rahmen ab, innerhalb dessen sich auch unsere seit mehr als elf Jahren erhobenen Forderungen bewegen, wie aus den beigefügten Anlagen ersichtlich ist.


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Aug 021993
 

Autos raus …

… forderten die Mitglieder des Jugend- und Kinderprojektes „Greenteam“ der Wilhelmshavener Greenpeace-Gruppe anläßlich des Wochenendes an der Jade und blockierten zeitweise die Deichbrücke am Pumpwerk. Zweck der Blockade war, die AutofahrerInnen darauf aufmerksam zu machen, daß „es schwachsinnig ist, zu einer Veranstaltung wie dem WadJ mit der Blechkarre zu kommen, um sich Meter für Meter vorzuschieben und dann doch keinen Parkplatz zu finden“, so der Sprecher des Greenteams.
Als Verbesserung wurde von den Jugendlichen ein Park&Ride-Service am Sportforum vorgeschlagen. Obwohl die Kinder und Jugendlichen des Greenteams den Straßenverkehr nur minutenweise lahmlegten, waren sie massiven Beschimpfungen, Beleidigungen und Bedrohungen der großen Autofahrer ausgesetzt. Ein Auto fuhr durch das Transparent, welches von zwei Jugendlichen gehalten wurde. Ein Reisebus der Firma Fass stoppte erst Zentimeter vor einer Blockiererin, die sich vor Angst mit einem Hechtsprung rettete.
Im Rahmen dieser Aktion wurde Oberbürgermeister Eberhard Menzel eine Petition gegen Autos in der Stadt überreicht. Eine Antwort steht noch aus.

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Aug 021993
 

Die niedersächsischen Frauenmusiktage

finden dieses Jahr vom 23.-26.9. im Jugendkulturzentrum Cadillac in Oldenburg statt.
Gefördert werden diese 3 1/2 Tage Musik, Instrumental- und Bandunterricht. Session, jede Menge gute Laune, Erfahrungsaustausch und gemeinsames Erarbeiten von Songs, wie auch in den vergangenen beiden Jahren vom niedersächsischen Frauenministerium. Marina Speckmann, Mitarbeiterin der WHVener MusikerInnen-Initiative und LAG Rock, hat das Programm zusammengestellt.
Viele Frauen können sich in der überwiegend männlichen Musikszene nicht ihren Fähigkeiten entsprechend entwickeln. Diese Musiktage bieten den Teilnehmerinnen die Möglichkeit, durch die Arbeit untereinander Schwellenängste abzubauen und neu entdecktes Selbstbewußtsein zu stabilisieren.
Acht verschiedene Instrumentalkurse laufen vormittags parallel: Vocal, Baß, E-Gitarre, Keyboard/Synthesizer, Saxophon, Drums/Percussions und P. A. Technik/Mixen. Nachmittags finden sich aus den Teilnehmerinnen Bands zusammen, die jeweils von 1-2 Dozentinnen betreut werden. Die Erfolge ihrer Arbeit werden sie auf den Abschlußkonzerten am Samstag vorstellen. Das Nachmittagskonzert findet nur für Frauen statt, abends können auch interessierte Männer die Teilnehmerinnen hören und sehen.
Alle Kurse sind für Anfängerinnen und Fortgeschrittene mit geringen Grundkenntnissen.
Der Teilnehmerinnenbeitrag beträgt DM 80,- inklusive aller Workshops, Kinderhort und Abschlußkonzert. Übernachtungsmöglichkeiten sind vorhanden. Verpflegung gibt’s günstig vor Ort.
Anmeldungen und Infos bei Marina Speckmann – Wilhelmshavener MusikerInneninitiative.

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