Technical Consulting

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Nov 221993
 

Konspirative Wirtschaftsförderung

Die Aktionen von TIC werden immer peinlicher

(hk) Zu einer drittklassigen Provinzposse entwickelt sich das Engagement des Remscheider „zweieinhalb Personen Betriebes“ (NDR, Hallo Niedersachsen) Technical Consulting, kurz TIC genannt, für Wilhelmshaven und Friesland. Die jüngsten Berichte aus dem Fernen Osten geben der Posse einen beinahe filmreifen Charakter.

gw118_ticNachdem die großspurigen Ankündigungen der TIC-Leute, daß die Betriebe im Bergischen Land und im Ruhrgebiet ganz wild darauf sind, sich im Raume Wilhelmshaven/Friesland anzusiedeln, wie eine Seifenblase zerplatzten, zauberten sie Taiwan, Hongkong, die USA und Süddeutschland als Partner dieser Region aus dem Hut.
Die Ablehnung TICs geht quer durch alle Parteien und Gruppen. Doch mit dem friesischen Landrat Bernd Theilen und dem Politrentner Ehrenberg hat TIC zwei prominente und wortgewandte Steigbügelhalter in der Region, die dem lahmenden TIC-Pferd über alle Hürden helfen. Die Auftritte von TIC vor Vertretern aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft Wilhelmshavens und Frieslands entwickelten sich meist zu handfesten Skandalen. Selbst die sich in solchen Sachen sonst eher zurückhaltende Wilhelmshavener Zeitung reagierte ungehalten über den „miserablen TIC-Auftritt“ am 19.10.1993 in Jever. Unter der Überschrift „Laßt den Mumpitz sein“ wetterte WZ-Chefredakteur Jürgen Westerhoff: „Statt Sachverstand und Professionalität erlebten die Auftraggeber Inkompetenz, Arroganz, Oberflächlichkeit und Unzuverlässigkeit.“ Westerhoffs Forderung nach einem Ausstieg aus dem TIC-Engagement brachte ihm dann wohl die Einladung ein, an den geplanten Veranstaltungen in Taiwan und Hongkong teilzunehmen.

Kein Interesse

Doch seine vom Zweckoptimismus der mitreisenden Regionsvertreter geprägten Berichte, die er aus dem Fernen Osten nach Wilhelmshaven kabelte, zeigen nur die Peinlichkeit der TIC-Aktion. In der taiwanesischen Hauptstadt Taipeh waren ganze 20 Vertreter aus Behörden und Firmen gekommen, um sich die Erkenntnis der TIC-Vertreterin Walburga Smolka-Bormann anzuhören, daß man „global denken und lokal handeln“ solle. Ein Videofilm über die Küstenregion beendete das „Symposium“. Am 25. November ging es dann in Hongkong weiter. Den neun Vertretern aus Niedersachsen, unter ihnen Oberstadtdirektor Schreiber und Frieslands Oberkreisdirektor Knippert, saßen diesmal nur 17 Gäste gegenüber. Doch im Gegensatz zur Taipeh-Veranstaltung gab es diesmal sogar eine Diskussion!

Misserfolg war angekündigt

Deutsche Behördenkreise aus Hongkong hatten die Organisatoren bereits vor längerer Zeit auf die Problematik derartiger Präsentationen hingewiesen. Ursache dafür sei unter anderem, so deutsche Vertreter zum mitgereisten Chefredakteur der Wilhelmshavener Zeitung, daß es in der Vergangenheit eine Vielzahl ähnlicher Veranstaltungen gegeben habe, sodaß es bereits eine Art Übersättigung gebe (WZ v. 26.11.93).
In den nächsten Tagen werden wir wahrscheinlich einiges vom Erfolg der Asien-Präsentation zu hören und zu lesen bekommen. Da wird dann von neu geknüpften Kontakten die Rede sein, aus denen durchaus irgendwann einmal Geschäftsbeziehungen entstehen können. Immerhin kennen jetzt schon mindestens 37 Leute in Taiwan und Hongkong unsere Region und kennen vielleicht sogar den Quadratmeterpreis der Gewerbe- und Industrieflächen. Was will man mehr?

Neue Wege gehen

Wilhelmshaven und Friesland müssen neue Wege gehen, und da kann auch der Weg nach Remscheid, Buxtehude, Hongkong oder China ein richtiger sein. Nur wenn ein solch kostenträchtiges Unternehmen derart stümperhaft angepackt wird, wie es die TIC macht, kann man das Geld auch gleich zum Fenster rauswerfen. Die eineinhalb Jahre der Zusammenarbeit dieser Region mit TIC, und insbesondere die Asien-Aktion, sollten auch dem letzten TIC-Fan klargemacht haben, daß es reiner Zufall wäre, wenn durch deren Aktivitäten auch nur ein Arbeitsplatz geschaffen würde.
Doch was tun? Eine professionell arbeitende Wirtschaftsförderungsagentur kann sich unsere Region nicht leisten. Die läßt sich nicht mit 50.000 DM pro Monat abspeisen die Profis in diesem Geschäft kosten ein Vielfaches davon. Jürgen Westerhoff beendete seinen TIC-Kommentar in der WZ mit den Worten: „Die Erfolgsaussichten sind niedrig, die Kosten hoch: Laßt den Mumpitz sein, bleibt im Lande und denkt gemeinsam über das anschließende Vorgehen nach.“ Dem können wir nur noch hinzufügen: Wenn ihr schon meint, nicht ohne eine Agentur auszukommen, dann nehmt eine, die sich mit den Problemen und Stärken dieser Region auskennt. Mit TIC-Werbeschablonen wie Investitionszulagen und billigen Grundstücken, läßt sich die Lage der Region nicht verbessern.

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