SPD-Austritt 1

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Nov 221993
 

Wer verläßt wen?

Austrittserklärung aus der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands

(red) Parteiaustritte sind heutzutage nichts Besonderes. Oft verläßt jemand seine Partei, weil er den erhofften Schub für seine berufliche Karriere nicht erhielt oder ihm die Nase des Vorsitzenden nicht paßte.

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Eckard Kelbch – Foto: Tunnat

Interessant werden Parteiaustritte meist erst bei Prominenten, oder wenn eine Ratsfrau, ein Ratsherr unter Beibehaltung des Mandats zu einer anderen Partei wechselt (wie jüngst Brigitte Fiedler von der CDU zur SPD). Eckard Kelbchs Austritt aus der SPD scheint uns jedoch auch ohne diese Voraussetzungen bemerkenswert. Wer Eckard Kelbch kennt, kennt einen ehrlichen, engagierten SPD-Genossen, für den die Parteiarbeit nicht Ausdruck von Profilneurose, sondern Zivilcourage bedeutet hat.
Er war nicht der Genosse, der vor immer neuen Ideen sprudelte und alles verändern, verbessern wollte; eher war er konservativ, insofern er die Grundsätze des demokratischen
Sozialismus immer hochgehalten und verteidigt hat. Von den Obergenossen meist verkannt, muß man Menschen wie Eckard Kelbch zu den tragenden Säulen der Partei auf Ortsebene zählen – denn tragende Säulen sind nicht unbedingt die pressehofierten Amtsträger (oder der „Herr der Schirme“), sondern einige wenige, die jederzeit und überall die Ziele der Partei propagieren, sich konsequent für sie einsetzen, sie gegen Anwürfe verteidigen und „Partei vorleben“ – solche wie Eckard Kelbch eben.

Wir zitieren aus seiner Austrittserklärung:

„Wer verläßt wen, die Partei mich oder ich sie?
In welcher Epoche lebe ich denn eigentlich, und mit welchem Rüstzeug für menschliche Grundwerte kann ich demokratisch streiten? Die Vergangenheit rüttelt mich wach, so auch die Leidensgeschichte der SPD. Und dann erfahre ich folgenträchtige Einstellungen und Beschlüsse hiesiger Sozialdemokraten meiner Generation, die … anachronistische, chauvinistische Tendenzen beinhalten! Die inhaltliche geistige Auseinandersetzung bleibt auf der Strecke …gw118_kelbch2
Seit 1966 bis heute bin ich aktiver Genosse gewesen und habe mich für die Grundwerte und -orientierung dieser Partei zum demokratischen Sozialismus eingesetzt. Historische Entwicklungen, ursächlich von der Arbeiterbewegung ausgehend, haben mich in meiner Lebenseinstellung überzeugt, meinen Beitrag für Menschen zu leisten, die in Not sind: geistig, seelisch und körperlich, damit die Ganzheit ihrer Persönlichkeitsstruktur zum Ausdruck kommen kann in einer ausgeprägten demokratischen Solidargesellschaft für den Frieden, für Freiheit und Gerechtigkeit, Gleichheit des Menschen zum Glückdasein in Nähe, Geborgenheit, Wärme, in Liebe zwischenmenschlicher Beziehung …
Mein Lebensweg und -schicksal haben mich in einer Gewissensfrage geprägt: nie wieder Krieg, für den Frieden! …

Mein politisches Verantwortungsbewusstsein und … Engagement für die Ziele der SPD decken sich nicht mit dem Signal reaktionärer Weichen, die in Wilhelmshaven gestellt werden; so z.B.:

  • Einladung der Musikkapelle der Fremdenlegion zum ‚Wochenende an der Jade‘ ,
  • … Verfahrensart und -weise zum Menschen-/Grundrecht des Asyls,
  • Einverständnis zur Aufstellung Wilhelms I. auf städtischem Gelände und Sockel,
  • – Ausstellungsobjekt eines U-Boots im Erholungsgebiet ‚Südstrand’.
  • … Ich habe meine parteipolitische Heimat verloren. Das tut weh! …

Freunde/innen, die mich als Sozialdemokrat lieben und schätzen, bitte ich um Nachsicht, Verständnis und Respekt; … “

 

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