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Jan 281991
 

Frauenliste

Liebe Wilhelmshavener Frauen,

habt Ihr Lust auf Frust? Möchtet Ihr Euch ‚mal wieder so richtig schön ärgern? Dann macht es so wie ich und besucht eine öffentliche Ratssitzung. Die meinige fand am 05.12.90 statt und befaßte sich mit dem städtischen Haushalt 1991.
Von der Empore aus hatte ich einen guten Ausblick auf das Theater – pardon – das Geschehen im Ratssaal. Ich stellte fest, daß die Rollen – Entschuldigung – die Ratsmandate überwiegend von Männern besetzt waren. Auch wenn uns Frauen diese Tatsache nicht neu ist, so ist es doch aufschlußreich, sich das ab und zu real vor Augen zu führen, wird doch der Ausgang des Stückes – also, wirklich! – das Abstimmungsergebnis davon nicht unerheblich beeinflußt.
Doch das eher am Rande. Was mich wirklich fassungslos machte war die Tatsache, dass einige Ratsmitglieder sich in dieser Sitzung plötzlich nicht mehr ihrem eigenen Gewissen, sondern nur noch dem Fraktionsgewissen verpflichtet fühlten. Wie sonst wäre es zu verstehen, daß sie vollmundige, im Vorfeld der Haushaltsberatungen abgegebene Versprechungen gegenüber Dritten dem Parteikalkül opferten oder gar nunmehr gegen ihre eigenen, in vorherigen Ausschüssen gestellten Anträge stimmten?
Da wurde während der Aufführung – Verzeihung! – während der Ratssitzung doch tatsächlich der Vorwurf erhoben, für die BürgerInnen wichtige Anträge die Kindergartenmisere und den Pflegenotstand betreffend, wären lediglich gestellt worden, um den Haushaltsentwurf bewußt nicht genehmigungsfähig zu gestalten. Nun weiß ich aber, daß im letzten Jahr der kühl kalkulierte, auf Genehmigungsfähigkeit durch die Bezirksregierung schielende, Haushalt zunächst von dieser abgelehnt – und erst nach einer weiteren Abspeckungsaktion von 1 Mio DM genehmigt wurde. Also – nichts genaues weiß mann nie!
Aber wie auch immer – die Wilhelmshavener BürgerInnen dürfen trotzdem hoffen; nämlich auf den Nachtragshaushalt. Der brachte uns ja auch in 1990 viel Segen. 1991 wird er dann rechtzeitig vor der Kommunalwahl als Wahlhelfer eingesetzt und vieles von dem, was jetzt als verantwortungslose Aufblähung des Etats dargestellt wurde, wird dann, wie durch ein Wunder, machbar.
Also nur Geduld ihr Eltern, die ihr einen Kindergartenplatz sucht, ihr Pflegekräfte und Patienten, die ihr unter dem Pflegenotstand zu leiden habt, und, und, und. Wie sagte doch mein Vater immer so bestimmt am Eßtisch?: „Maggi gibt es erst bei der zweiten Portion!“
Also, liebe Wilhelmshavenerinnen, geht ruhig mal hin und schaut Euch das an. Schließlich seid Ihr in diesem Jahr das Besetzungsbüro ….

Jutta Bach


Sagt NEIN!

Sagt Nein zu diesem Krieg, der weder gerecht noch heilig ist, sondern selbstgerecht und gewollt.
Es geht doch gar nicht um die Besetzung Kuwaits – ein Vorwand. Es geht auch nicht um die „Palästinenser-Frage“, und auch nur zum Teil um das Öl.
Für mich war noch nie so deutlich, daß es in allererster Linie um wirtschaftliche Interessen geht. Um wirtschaftliche Interessen der Produzenten von Rüstungsgütern – und zwar weltweit.
Die Amerikaner, Kuwaiter, Israelis, Iraker und Europäer – geschickt eingesetzte Figuren in einer lange vorbereiteten Inszenierung: und noch spielen alle mit.
Da wird der Irak über Jahre mit hochtechnisierten Rüstungsgütern beliefert, die in Bunkern des allerhöchsten westlichen Sicherheitsstandards gelagert werden – atombombensicher. Und dann wird versucht, diese mit konventionellen Waffen zu zerstören. Täglich in den ersten Kriegstagen über 2000 Fliegereinsätze – das können keine gezielten „chirurgischen Einsätze“ gegen militärische Ziele mehr sein, das sieht nach einem großflächigen „Abladen“ vorhandener Bomben und Raketen aus. Der Irak als Schrottplatz für Rüstungsgüter!? Schließlich muß, nach der Annäherung zwischen Ost und West, nach neuen Absatzmärkten gesucht werden. Weiterhin produzieren kann nur, wer auch einen Abnehmer hat. Also: räumt die Lager, schafft Platz für die „neuen Kollektionen“. Rüstungsgüter sind ein ideales Handelsgut, denn welches Produkt sonst ist hochtechnisiert, teuer und garantiert nach Gebrauch verbraucht!? Der Profit ist gesichert.
Zu dumm nur, daß auf dieser Erde noch Menschen leben! Aber die Pressezensur kann helfen, die wahren Opfer noch für ein Weilchen unbenannt und unbeziffert zu lassen.
Gut, daß es auf dieser Erde noch Menschen gibt, die zu dieser schlimmsten Form der Menschenverachtung Nein sagen können!

Meike Sudholz


Büro der FRAUENLISTE, RHEINSTRAßE 168
Sprechstunden: dienstags von 10.00-12.00 Uhr und mittwochs von 16.00-18.00 Uhr. Eine Sprechstunde mit der Ratsfrau findet am 2. Dienstag im Monat von 16.00-18.00 Uhr statt.
An jedem 1.Mittwoch laden wir um 20.00 Uhr zum klönen in gemütlicher Atmosphäre ein.

V.i.S.d.P.: Monika Schwarz, 2940 WHV

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