Dünenspielgarten

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Nov 272002
 

In den Sand gesetzt?

Der Dünenspielgarten soll geschlossen werden

(iz) Im Mai 2000 berichteten wir begeistert über die Eröffnung des Dünenspielgartens am Banter See. Zu Recht: Das einzige Projekt der „EXPO am Meer“ hat sich zu einer Erfolgsstory der Umweltpädagogik vor Ort entwickelt. Mit Erschrecken reagierten jetzt nicht nur Eltern auf die Meldung, dass die Einrichtung zum Jahresende geschlossen werden soll. 

Dank des beispielhaften organisatorischen und handwerklichen Engagements haupt- und ehrenamtlicher Kräfte hatte die Einrichtung im Frühjahr 2000 den Betrieb aufgenommen. Nicht zuletzt hatten großzügige Sponsoren ihren Teil zum Gelingen beigetragen, allen voran August Desenz, der allein 100.000 DM beisteuerte. Nicht nur er muss jetzt das Gefühl haben, seinen Beitrag im wahrsten Sinne des Wortes in den Sand gesetzt zu haben, sollte der Dünenspielgarten wirklich geschlossen werden. Selbst Auswärtige haben u. a. in Leserbriefen ihr Entsetzen über die drohende Schließung geäußert.
Die Umstände sind höchst mysteriös. Zum einen darf seitens der Arbeitsplatzinitiative für Frauen (API) als Betreiberin keine Stellungnahme abgegeben werden, obwohl das Thema auf Vorstandssitzungen bereits diskutiert und über die WZ in die Öffentlichkeit getragen wurde. Die entsprechenden Informationen kamen vermutlich aus den Reihen der engagierten wie empörten Eltern, die (auch uns gegenüber) keiner Schweigepflicht unterliegen.
Zum anderen ist jetzt seitens der Verwaltung von Altlasten (Bodenverseuchungen) die Rede, um die Schließung zu begründen. Sollte das damals noch nicht bekannt gewesen bzw. ausreichend untersucht worden sein, ehe es grünes Licht für das Projekt gab? In jedem Bebauungsplan findet sich ein Hinweis auf Altlasten. Vorausgesetzt, die Bodenbelastung ist kein Scheinargument, müssten umgehend und umfassend Untersuchungen durchgeführt werden. Und zwar auch auf den umliegenden Flächen, z. B. im Freibad Klein Wangerooge, wo sich seit Jahrzehnten während der Badesaison Abertausende von Kindern und Erwachsenen aufhalten.
Es ist nichts Neues, dass am Grunde des Banter Sees so manche Hinterlassenschaft des Kriegs vor sich hingluckert. Der Sand am Südufer stammt aus Zeiten, als noch Bausand aus dem See gewonnen und am Ufer zwischengelagert wurde.
Altlasten am Banter See standen, vor dem Hintergrund der Problematik Dünenspielgarten, auch auf der Tagesordnung des Umweltausschusses am 6. November. Da der mit den Untersuchungen befasste Umweltamtsleiter Gerold Janssen erkrankt war, vertagte Umweltdezernent Jens Graul den Punkt auf die Dezembersitzung: „Es besteht kein unmittelbarer sachlicher Druck.“ Es geht aber auch darum, ob die Stadt die Pachtverträge für das Gelände verlängert oder nicht. Ursprünglich war der Betrieb der Einrichtung auf zunächst 5 Jahre festgelegt worden.
Die undurchsichtigen Hintergründe geben Anlass zu Spekulationen, in wessen Interesse die Schließung liegen könnte. Ist es etwa die Lobby der Hundebesitzer und FKK-Anhänger, die sich seit 2000 aus ihrem Revier ausgeschlossen fühlten und – vermutlich, aber nicht nachweisbar – regelmäßig den Zaun zerstören, der die Sicherheit der Kinder garantieren soll, sowie ihre Wut an Einrichtungsgegenständen und Vegetation im Garten auslassen? Oder sollen gar die Camper dorthin umgesiedelt werden, wenn der Platz am Geniusstrand im Zuge des JadeWeserPorts geschlossen wird – was planungsrechtlich eigentlich keinen Sinn ergibt?

Erfolgsbilanz

Der Dünenspielgarten war in diesem Jahr von Mai bis Ende Oktober täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. War ursprünglich geplant, dass Urlauber ihre Kinder dort während des Sightseeings in guten Händen lassen, sind es mittlerweile vor allem Kindergartengruppen und Grundschulklassen, auch Miniclubs oder Gruppen aus dem Mütterzentrum, die regelmäßig an diesem außerschulischen Lernort spielerisch die Natur begreifen lernen. Fast alle Grundschulen der Stadt waren schon dort, aber auch solche aus dem Umland bis zum Landkreis Wittmund. Ganz wichtig ist die Einrichtung aus pädagogischer wie sozialer Sicht für Ferienkinder. Kinder von Alleinerziehenden bzw. sozial Schwachen, die ihrem Nachwuchs keine aufwändigen Reisen bieten können, dürfen dort tagsüber die ganzen Ferien verbringen.
Wenn sich die Entwicklung auch im Bereich der Einnahmen so fortsetzt, könnte sich die Einrichtung bald im Wesentlichen selbst tragen. In diesem Jahr zählte der Dünenspielgarten 2500 kleine und große zahlende Gäste, davon im Sommerferienprogramm fast 300 Ferienkinder, die schon frühmorgens ab 7 Uhr kommen dürfen. Für Kinder weniger betuchter Eltern ist die Betreuung verbilligt bzw. wird vom Jugendamt übernommen.
Der Transport mit Schulbussen klappt hervorragend, wobei manche Unternehmen verbilligte bis kostenlose Fahrten anbieten. Dieses Jahr gab es einen Shuttleservice vom und zum Point. Und wenn es gar nicht anders geht, organisieren Eltern und Erzieherinnen Mitfahrgelegenheiten.
Dass der Dünenspielgarten vom Konzept über die Einrichtung bis zum täglichen Betrieb soziale Bande bei den Großen schweißt, ist nur ein netter Nebeneffekt. Im Mittelpunkt stehen schließlich die Kurzen, und da haben Eltern Erstaunliches erlebt. Manch wüster Raufbold wurde dort sozialisiert. Viele Kinder wollen um 17 Uhr noch gar nicht nach Hause und quengeln um „Nachspielzeit“. Geht es dann doch nach Hause, entdeckt manches Kind völlig neu, dass es dort auch einen Hof oder andere Möglichkeiten gibt, draußen herumzutollen, und vergisst völlig, dass drinnen ein Fernseher steht.

Kommentar:

Wirklich überraschend ist es zwar nicht, dass hyperaktive bzw. unausgeglichene Kinder sich schnell besser fühlen, wenn sie, raus der Bude, weg von Fernseher und Computer, draußen ihrem natürlichen Bewegungsdrang an frischer Luft nachkommen können. Man muss den Verantwortlichen aber offensichtlich immer mal wieder Beispiele dafür nennen, dass es Alternativen dazu gibt, schon die Kleinsten zum Psychologen zu schleppen und sie mit Psychopharmaka ruhig zu stellen.
Angebote wie der Dünenspielgarten gewinnen an Bedeutung , wenn natürliche Spielplätze wie Wiesen und Brachflächen zunehmend neuen Parkplätzen, Einkaufszentren etc. zum Opfer fallen. Die wenigsten Familien haben ein Eigenheim mit Garten, es muss aus sozialen Gründen auch kinderfreundliches öffentliches Grün geben, wo sie ihre motorischen und sinnlichen Fähigkeiten kennen lernen und trainieren können.
Falls also der Dünenspielgarten tatsächlich wegen nachgewiesener (und nicht vorgeschobener) Bodenbelastung geschlossen werden sollte, darf das nicht alternativlos passieren. Viele Möglichkeiten gibt es zwar nicht mehr im Stadtgebiet. Wie wäre es mit einem Waldkindergarten am Ostende des Stadtparks? Mit dem Image (an dem unserer Politik stets viel gelegen ist) einer bundesweit einmaligen Einrichtung, wie es der Dünenspielgarten ist, wäre es dann zwar vorbei, aber das Image einer kinderfreundlichen Stadt sollte nicht weniger Bedeutung haben.

Imke Zwoch

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