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Mai 011982
 

Rat-los

Verwaltungsmanagement

Oberbürgermeister Hans Janßen „will niemanden anklagen, aber die Suche nach den Ursachen wird man wohl durchführen müssen.“ Es darf bezweifelt werden, daß dies geschieht. Gilt doch im städtischen Filz das Prinzip: „Zeigst Du auf die Leichen in meinem Keller, so zeig ich auf die Leichen in Deinem Keller.“ Und wer will sich schon selbst ans Messer liefern?

Worum geht es? Während bei den Auseinandersetzungen um den Nachtragshaushalt 1982 die Ratsmitglieder verbissen um jede Mark kämpften, während durch die Essensgelderhöhung an der IGS Chancengleichheit abgebaut wird, gehen durch merkwürdige, ja unglaubliche Kostensteigerungen Millionenbeträge über den Tisch. Das Freibad Nord kostete 1979 noch „billige“ 2,9 Millionen Mark. Die Kosten der kürzlich eingeweihten Veranstaltungshalle im Sportforum jedoch stiegen von 5,5 (Planung 1978) auf ganze 11,8 Millionen DM. Das mit 3,6 Mil. Mark geplante Freibad im Sportforum soll am Ende gar fast dreimal so viel kosten.
Dem städtischen Hochbauamt schienen die Kosten für die Veranstaltungshalle bereits 1978 merkwürdig niedrig angesetzt. Man taxierte auf mindestens 10 Millionen (WZ v. 4.11.78). Doch die private „Planungsgruppe Hildesheim“ (PGH) tönte, man könne „um mehrere Mio. Mark unter dieser Summe“ liegen. Immerhin ging man schließlich auf 7,5 Millionen . Doch das erschien dem Stadtkämmerer Dr. Norbert Boese immer noch zu hoch.
Inzwischen hatte sich die von höchster Verwaltungsspitze protegierte Planungsgruppe Hildesheim aufgelöst, der Auftragnehmer Klaus Herbert sich wegen finanzieller „Unregelmäßigkeiten“ ins Ausland abgesetzt. Die Gesellschaft bildete sich um und bat erneut um den Auftrag der Stadt. Im Januar 1980 erhielten sie zu den alten Bedingungen den Auftrag zum zweiten Mal – dank der energischen Bemühungen von Eickmeier und Boese. Für die Auftragsvergabe soll allein die „Erfahrung“ im Sporthallenbau ausschlaggebend gewesen sein.
Ein schwerer Irrtum, wie sich angesichts der zahlreichen technischen Fehler beim Hallenbau jetzt herausstellte. Von einigen Sitzreihen kann man die Tore nicht sehen, der Boden mußte nachträglich kostspielig höher gelegt werden usw.
Doch für die Planungsfehler kann man die neugebildete Planungsgruppe nicht mehr haftbar machen, da die Entwürfe von der alten stammten. Es stellt sich die Frage, ob die Verantwortung für die Kostensteigerungen nicht in der Verwaltungsspitze selbst zu suchen ist.
70.000 DM kostete die Planung der Halle. Mit 48.000 hatte sie bewusst niedrig der Stadtkämmerer angesetzt. Damit konnte er im Rahmen des geltenden Rechts verwaltungsintern (!) den Auftrag an die protegierte“ Planungsgruppe Hildesheim“ vergeben. Ab 50.000 DM hätte der Bauausschuß ein Wörtchen mitzureden gehabt! So aber brauchte „Kostenverminderer“ Boese die parlamentarischen Gremien nicht erst zu fragen.

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