Grodendamm

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Jul 011982
 

Die alte Leier

Immer wieder Grodendamm

Der Wilhelmshavener Finanzchef Dr. Norbert Boese tritt immer mehr aus seiner bisherigen Rolle der „grauen Eminenz“ heraus. Boese fängt immer offener an, auf eigene Faust Politik zu machen. In der Grodendammfrage auch am müder werdenden Oberstadtdirektor vorbei.

Banter SeeEnde April flatterte den überraschten Ratsmitgliedern ein Papier in den Briefkasten. Darin forderte Finanzdezernent Boese – allen neueren Diskussionen zum Trotz – die alsbaldige Öffnung des Grodendammes. Mit detaillierten Vorschlägen für eine mittelfristige Finanzierung und völlig neuen Kostenrechnungen.
Mit altbekannten Argumenten macht sich Boese zum Sprecher der Industrieinteressen: Krupp habe wegen des Grodendammes schon Verluste von 50 Millionen Mark hinnehmen und „bei nüchterner Betrachtung“ schon längst schließen müssen. 16 Millionen Mark habe Krupp Richtung Banter See investiert, eine Neuorientierung auf den Kanalhafen sei ausgeschlossen. Unverblümt droht Sozialdemokrat Boese schließlich im Namen von Krupp mit der Vernichtung hiesiger Arbeitsplätze. Und das alles, wo ehemalige Grodendammgegner schon längst wieder über den Ausbau des Kanalhafens nachdenken.
Auf der Grundlage des Bebauungsplanes von 1978 (den die SPD-Fraktion durch den Bruch eines Parteitagsbeschlusses zustande brachte) ging die Stadt von 31,6 Millionen Mark Kosten aus, wovon die Hälfte das Land zahlen sollte . Doch das weigert sich beharrlich. Krupp bietet eine Lösung für 17,6 Millionen Mark an.
Nun bietet Kostenbezwinger Boese neben der Peitsche Arbeitsplatzvernichtung das Zuckerbrot „geringere Kosten“ an. Das Bauprogramm 1978 soll nun etwa zu den Kruppschen Kosten laufen. Boese rechnet mit 49 Millionen Kosten, von denen die Hälfte das Land tragen soll und ein weiterer Teil vom Hafeninvestitionsprogramm bestritten wird.
In dieses Bild paßt auch; daß der Jade-Yacht-Club, der seinen Platz am Grodendamm gegenüber der Banter Ruine hat, mit 130.000.-DM als Entschädigung abgefunden wird. Er soll gegen seinen Wunsch auf das gegenüberliegende Ufer wechseln. Gerüchte sprechen von einer Vorbereitungsmaßnahme für die Grodendammöffnung.
Um die Heerscharen der Banter-See-Gegner zu sammeln, vereinten Krupp und Boese Ende April mögliche Bündnispartner aus den Fraktionen in einer auserlesenen Informationsrunde – ohne die sogenannten „Linken“ also. Tenor der Sitzung: Eine Entscheidung ist bis Herbst 82 notwendig. Die Sitzung fand übrigens ohne den Banter-See-Freund Dr. Eickmeier statt. woku

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