Berufsverbote

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Jul 011982
 

Pfannekuchen

Wie wird man freier Unternehmer?

Wie schüchtern wir ein? Wie schrecken wir ab? Das sind nicht etwa nur Themen unserer Wehrexperten, wenn sie militärisch weiter aufrüsten wollen, das sind offensichtlich Fragen, die sich unser Innenministerium neuerdings stellt, wenn es um das Gegenteil geht: um die Friedensbewegung.

RedeverbotHartmut Ring , Lehrer für Religion, Sozialkunde/Politik und Geschichte, hat sein Studium im Januar 82 mit „sehr gut“ abgeschlossen und wird für den 19.1.82 in eine Planstelle an der IGS-WHV eingewiesen. Er wartet … das grüne Licht zum Start fehlt noch. Am 15.2.82 erhält er dann folgenden Bescheid: „Die Prüfung der Einstellungsvoraussetzungen“ … wird noch „einige Zeit in Anspruch nehmen“. Seine Sec.II Schüler warten … der Unterricht in Religion fällt aus.
Was hat das Ministerium des Inneren an Hartmut Ring auszusetzen? Was macht es ihm zum Vorwurf? Der aktive Gewerkschafter hat sich seit 1973 in seiner Gewerkschaftsarbeit neben der Personal- und Fachschaftsvertretung auf zwei Gebieten engagiert: Einmal gegen Berufsverbote (in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft), zum andern für den Bereich Friedenserziehung (wieder in der GEW und an der Uni Oldenburg). Inzwischen haben zwei Anhörungen stattgefunden, ohne daß die Situation sich geändert hat.
Die Schüler warten noch immer … Hartmut Ring und seine Frau (arbeitslose Lehrerin) verkaufen auf Jahrmärkten französische Pfannekuchen. Freies Unternehmertum!!!
Man fragt sich: Wozu dies ganze Überprüfungsverfahren, so doch das Beamtengesetz voll ausreicht, um disziplinarisch gegen jeden vorzugehen, der sich eines Dienstvergehens schuldig macht?
Nun, es geht offensichtlich nicht um die Loyalität im Beruf, denn Hartmut Rings Tätigkeit in der Schule, der Universität und in der Gewerkschaft hat keinerlei Anlaß zu irgendwelchen Beanstandungen gegeben.
Worum geht es aber dann bei diesen seit 10 Jahren praktizierten Anhörungsverfahren und Berufsverboten? Ist es etwa der Versuch einen aus der Friedensbewegung herauszupicken um ähnlich gesinnte junge Leute abzuschrecken und ihnen zu zeigen: Das alles passiert Dir nicht, vorausgesetzt Du bewegst Dich in den dem Staat angenehmen politischen Bahnen? Ist es der Versuch einzuschüchtern und jungen Leuten zu signalisieren: Finger weg von Initiativen gegen den Abbau demokratischer Rechte, von intensiver Gewerkschaftsarbeit, von für Wahlen zugelassenen Linksparteien, neuerdings auch von der Friedensbewegung? ufk

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