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Nov 302005
 

 

Leserbriefe:

Zum Artikel „Hofknicks“ im Gegenwind 212
Stolz?
Weder steckt ein ungeheures „Minderwertigkeitsgefühl“ der Stadt hinter den nationalistischen Bemühungen, den Kaiser und das „II. Reich“ positiv darzustellen, noch ist der historische Arbeitskreis „kritisch“, noch sollte eine Stadt „stolz“ darauf sein, Ausgangspunkt für die deutsche Demokratie geworden zu sein. Selbstverständlich ist auch Wilhelmshaven eine Stadt mit Geschichte und Vergangenheit, nur was für einer! Einen Kriegstreiber wiederzubeleben, zeugt ja gerade von einer Sorte „Selbstbewusstsein“, die es in sich hat. Das ist ja alles andere als ein „Minderwertigkeitsgefühl“.
Der historische Arbeitskreis bemüht sich zwar akribisch, die Arbeiterseite der Stadtgründung zu erforschen, tut dies allerdings leider auch überwiegend aus patriotischen Gründen: Er will im Wesentlichen Anerkennung für die „Leistungen“ (einen Kriegshafen zu bauen!!) und der damit verbundenen Leiden und Lebensbedingungen der damaligen Werftarbeiter erreichen. Diese Stadt hätte aus einem rein humanen Standpunkt aus gar nicht gegründet werden dürfen, es gäbe dann heute eben „nur“ ein paar Dörfer hier und alles wäre immer noch nicht in Ordnung.
Die Gründung der Demokratie als etwas darzustellen, worauf eine Stadt „stolz“ sein kann, ist selber bloß patriotische Identitätsstiftung. Wenn man die Herrschaftsform „Demokratie“ mal genauer unter die Lupe nimmt, kommen ja eigentlich nicht so menschenfreundliche Dinge dabei heraus: Ein „Millionen-Heer“ an Arbeitslosen und direkt auf die Verarmung zusteuernde bzw. schon verarmte Menschen, unzählige Tote durch die faschistische Methode der Ausländerabschiebung, insbesondere an den Grenzen von „Drittstaaten“, bedingt durch die von Deutschland diktierte „Drittstaatenregelung“, Millionen von Toten und Geschädigten durch die von dieser „Demokratie“ als Anwalt dieser Wirtschaftsordnung, die sich so nett „Marktwirtschaft“ nennt, geförderte Produktion von Autos und Straßen, Drogen wie Alkohol und Tabak, Überfettung der Menschen und der damit verbundenen Gesundheitsschäden, Stress, Konkurrenz und Mobbing in Schule und im Job und vieles, vieles mehr. Die Ärzteschaft weiß ein Lied davon zu singen. Nicht zu vergessen die unzähligen Toten, die auch „demokratische“ Staatenlenker von Schröder bis Bush in anderen Ländern durch Krieg und wirtschaftliche Knebelung verursachen.
Das heißt, dass die Ursachen von Menschenschädigungen o.g. Sorte gerade aus der Demokratie und ihrer umsorgten „Marktwirtschaft“ heraus entstehen. Da soll man „stolz“ drauf sein?

Harald Bohlken, Eschenweg 5, 26419 Heidmühle, 04461/892164


Zur Diskussion um die Kommunalwahl 2006
WALLI, WASG, PDS, BASU – wo geht der Weg hin?
Seit Oktober 2001 sitze ich im Rat der Stadt Wilhelmshaven und versuche die Entscheidungen zumindest positiv zu beeinflussen. Das ist mir auch durchaus in manchen Fällen gelungen. Natürlich bin ich mit dem Erreichten nicht ganz zufrieden und stelle mir häufig die Frage, ob ich noch mehr hätte erreichen können.
Ich habe meine Ratsarbeit als Mitglied der WALLI gemacht, bis eine Zusammenarbeit mit den „handelnden“ Personen in dieser Gruppe für mich nicht mehr vertretbar war.
Natürlich habe ich mich, auch schon zu WALLI-Zeiten, immer nach Personen oder Gruppen umgesehen, mit denen eine effektive Zusammenarbeit für die Zukunft sinnvoll sein könnte.
Eines war für mich von vornherein klar: Für die nächste Kommunalwahl (10.September 2006) reicht es nicht aus, einziger Kandidat einer Gruppe für die Kommunalwahl zu sein.
Ohne jedoch auf Personen bauen zu können, die bei dem anzustrebenden Wahlergebnis tatsächlich in die Rats-Bütt gehen wollen, musste ich einen anderen Weg wählen.
Ich habe das versucht, indem ich – in erster Linie auf die Bundestagswahl bezogen – der WASG beigetreten bin. Übrigens unter massivem Protest der WALLI-Mitglieder.Hier hätten sich natürlich auch Möglichkeiten für die kommunale Ebene ergeben können und vielleicht auch sollen.
Aber auch dieser Weg führte nicht zum Erfolg. Zum Einen fanden sich am WASG-Tisch häufig mehr WALLI-Mitglieder als bei den eigenen WALLI-Treffen. Zum Anderen musste ich auch hier erkennen, dass die WASG-Gruppe nicht in der Lage sein wird, das umfangreiche Arbeitspensum und die Themenvielfalt unter den zeitlich engen Vorgaben für eine wirkungsvolle kommunale Politik zu leisten.
Natürlich gab es weitere Faktoren, diese Zusammenarbeit dann doch nicht weiter zu verfolgen. Auch hierzu möchte ich, wie schon nach meinem Austritt aus der WALLI, keine unnötigen, überflüssigen und für den Leser irrelevanten Erklärungen abgeben. Jeder möge sich sein eigenes Bild über die vorhandenen Gruppierungen machen.
Für mich stand eines seit längerer Zeit fest: Mit angezogener Handbremse werde ich nicht arbeiten können und wollen. Auch werde ich mich in Zukunft nicht nach dem „Langsamsten“ ausrichten, sondern weiter versuchen, das Maximale zu erreichen.
Heute zeigt sich, dass es genügend Wilhelmshavener gibt, die meine Vorstellungen von kommunalpolitischer Arbeit mittragen und mitgestalten wollen und können.
Mit den 11 Gründungsmitgliedern der BASU – Freie Liste für Wilhelmshaven Bildung/Arbeit/Soziales/Umwelt – hat sich schon jetzt ein schlagfertiger Arbeitskreis zusammengefunden, der sich stetig erweitert.
Allein die Tatsache, dass die Mitstreiter nicht in eine politische Zwangsjacke gesteckt werden, macht offene Diskussionen möglich und erweitert den Handlungsspielraum jedes Einzelnen.
Schon jetzt zeichnet sich ab, dass es über diesen Weg möglich ist, die politischen Verhältnisse in Wilhelmshaven massiv und nachhaltig zum Positiven zu verändern. Oberstes Ziel wird dabei die Sacharbeit sein – Fraktionszwang wird es bei der BASU nicht geben.
Nach den vielen positiven Gesprächen der letzten Tage bin ich persönlich gespannt, wer als nächstes auf den Zug BASU aufspringen möchte und natürlich auch aufspringen darf.
Wilhelmshaven kann sich die jetzigen politischen Verhältnisse auf keinen Fall länger leisten und braucht eine echte Alternative zur heutigen planlosen SPD- Misswirtschafts-Schul-Sozial-Bildungs-Jugend-Finanz-Politik.
Ob sich die politischen Mehrheitsverhältnisse schon vor dem 10. September verändern werden, wird abzuwarten sein. Unzufriedene Ratsvertreter gibt es genug. Ob das Rückgrat ausreicht, bleibt abzuwarten.

Joachim Tjaden, Ratsherr der Stadt Wilhelmshaven – (noch) parteilos

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