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Feb 201985
 

 

Leserbriefe:

Leserbrief zum Artikel „Zugestimmt“ in Nr. 56, Seite 5
„Falsch ist die Meldung, alle Ratsfraktionen hätten dem Umbau des Bunkers Virchowstraße in ein Katastrophenkrankenhaus zugestimmt. Dies ist zwar beschlossen worden, aber gegen die Stimmen der Ratsmitglieder der LIBERALEN DEMOKRATEN, da nach unserer Ansicht dies die unnötigste Ausgabe ist, die seit dem Kriege in Wilhelmshaven getätigt wurde.
Gefechte um die haushaltstechnische Durchführung des Bauvorhabens sind allerdings müßig, da die Stadt sich gegen unser Votum gegenüber dem Bund verpflichtet hat, das 4,6 Mio.-Projekt durchzuführen.
Eine Verhinderung des Durchläuferpostens im Haushalt (96.000 DM Planungskosten in 1985, der Rest später) wäre vertragswidrig, und der Oberstadtdirektor müsste pflichtgemäß einen solchen Beschluß aufheben. Der Zug ist leider abgefahren, ohne dass bei den anderen Fraktionen eine gründliche Erörterung des Problems stattgefunden hätte.“

Wolfgang M. Latendorf
Fraktionsvorsitzender der Liberalen Demokraten

 

Anmerkung der Redaktion: Der Gegenwind bezieht sich mit der Bemerkung, keine der Rathausfraktionen habe den Posten für das Katastrophenkrankenhaus abgelehnt bzw. dagegen ihre Stimme erhoben, auf die abschließenden Haushaltsberatungen des Stadtrats. An dieser Stelle hätte man – so meinen wir – schon öffentlichkeitswirksam die Position der Friedensbewegung einbringen können. Diese Gelegenheit ist von keiner Fraktion wahrgenommen worden.

 

Leserbrief zu dem Artikel über das Verhältnis der Grünen zur SPD „So nicht und jetzt nicht“ Gegenwind Nr 56
Die Zitate von unserer Mitgliederversammlung in dem Artikel „So nicht und jetzt nicht“ sind richtig wiedergegeben. Die Schlussfolgerungen hinterlassen aber ein etwas schiefes Bild. Besonders unsere Stellung zur „Macht“ und zur SPD kam nicht klar heraus. Dazu einige Bemerkungen: Wir haben weder Angst vor der SPD, noch vor der Macht. Wir wollen nur nicht an der Leimrute kleben bleiben, die die SPD für uns ausgelegt hat, weil wir damit grundsätzliche Positionen aufgeben mußten.
Punktuelle Zusammenarbeit in einzelnen Fragen und mit wechselnden Mehrheiten immer, ein Staatssekretär vielleicht, weil der evtl. den Apparat noch zum Grünen bringen kann. Aber ein grüner Verteidigungsminister? Wo bleibe da unsere Forderung „Raus aus der NATO“? Sie wäre weg vom Fenster, der Minister auch bald und die Grünen wären bei den Wählern unten durch. Und das ist erklärtes Ziel der vorgeschickten „Linken“ z.B. Lafontaine und Schröder. Aber auf diese Leimrute kriechen wir nicht.
Wir sind meist gebrannte und enttäuschte SPD-Kinder. „Wer hat uns verraten, Sozialdemokraten“! sagte schon die APO und wie Recht sie hatte! Blicken wir doch einmal in der Geschichte der SPD zurück (im Zorn!): Im ersten Weltkrieg stimmte sie den Kriegskrediten zu; sie ertrug nicht den bürgerlichen Vorwurf, aus vaterlandslosen Gesellen zu bestehen, sie ertrug nicht Rosa Luxemburg und nicht Karl Liebknecht. Sie ertrug aber gut einen. Noske, der 1919 Massenstreiks in Berlin niederschlug und damit die Dreckarbeit für’s Kapital erledigte. Die SPD-Führung versagte jämmerlich vor der Machtergreifung Hitlers, indem sie ängstlich die gehorteten Gewehre versteckte und sie dem Volk vorenthielt, dem sie nicht traute. Und immer wieder starke Worte in Krisenzeiten, um die Massen an sich zu binden, dann aber kaum nachfolgend starke Taten sondern schwache oder sogar gegenteilige. Helmut Schmidt will 1958 als Juso Vorsitzender keine Atomraketen in Europa. 20 Jahre später erfindet er den NATO-Doppelbeschluß und verschafft uns damit die Pershings und Cruise Missiles. Willy Brandt weist immer wieder auf das Nord-Süd Gefälle in der Welt hin. Auf der anderen Seite wurden nie mehr Waffen aus der BRD in die 3. Welt verkauft, als gerade in den 12 Regierungsjahren der SPD mit Brandt als Kanzler.
Dieses Wissen um die Rolle der SPD bestimmt unseren sog. „harten Kurs“. Auch in der Wilhelmshavener SPD sind die Richtungen Lafontaine, Schmidt oder Brandt mit Personen besetzt. Deshalb dieser kurze Rückblick, danach kann man sich in der Gegenwart vielleicht besser zurechtfinden.

Johann Janssen
Klinkerstr. 47A

 

Da wir von Seiten der Grünen zu dem Artikel „50 nicht und jetzt nicht“ gleich zwei Leserbriefe erhalten haben, veröffentlichen wir den zeitloseren der beiden (einen Tucholsky-Text anstelle eines Leserbriefes) aus Platzgründen erst im nächsten Gegenwind. Wir bitten noch mal darum, Leserbriefe kurz zu halten, da wir sie nur ungern kürzen.

 

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