The Wall

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Mrz 232010
 

Der Mauerfall

Es war ja so schön gedacht: Zum Schutz der Vögel im Voslapper Groden gegen das angrenzende Container-Bahngleis baut man eine Lärmschutzwand, die möglichst wenig Platz wegnimmt. Nimmt man also zwei Reihen Drahtgeflecht, kleidet es mit einem Vlies aus, füllt Pflanzerde dazwischen und lässt dann Efeu dran hochranken. War eigentlich auch schon fertig, doch dann hat da was mit Statik und Physik nicht hingehauen. Vielleicht hat sich die Erde unter dem Einfluss von Feuchtigkeit und Frost ausgedehnt, ist auf jeden Fall schwerer geworden – und plötzlich fing es gewaltig an zu bröseln.

Foto: Imke Zwoch

Foto: Imke Zwoch

Irgendwas denken sich unsere Deichbauer vermutlich dabei, wenn ihre Erdbauwerke im Querschnitt unten breit und nach oben schmaler werden – sprich dreieckiger und nicht rechteckiger Querschnitt, da verteilt sich der Druck schön von oben nach unten. So ein 8 m hoher Deich ist mit allem drum und dran unten schon mal 100 m breit. Und besteht vor allem aus Sand, der das Wasser nicht aufsaugt wie ein Schwamm, sondern durchsickern lässt. Nur obendrauf ist lehmig-toniger Boden, der Wasser aufnimmt und das Gras gedeihen lässt. Am Deichfuß ist dann auch noch ein Graben, damit überschüssiges Wasser ordentlich ablaufen kann.
Bei der Lärmschutzwand haben sich die elementaren Kräfte nun (März 2010) horizontal entfaltet. Sie sieht (bzw. sah) zwar schlank und elegant aus, hat nicht soviel Landschaft und Geld verschlungen wie ein richtiger Deich oder Damm – aber „form follows function“ und Letztere war offenbar kein Meisterwerk der Ingenieurskunst.
Klingt jetzt vielleicht schadenfroh, ist es aber nicht: Ausgerechnet jetzt zur Brutzeit müssen große Teile der Wand saniert werden – mehr Störung geht nicht. Da sollte man lieber bis zum Herbst mit warten, noch rollen ja keine Züge.
Aus Naturschutzsicht ist die Wand ohnehin fragwürdig, denn außer Schienenlärm drohen dem europäischen Vogelschutzgebiet Voslapper Groden durch den JadeWeserPort weitere Beeinträchtigungen, die keine Mauer abhält, wie rund um die Uhr beleuchtete Krananlagen, bis hin zur späteren Beanspruchung des Schutzgebietes für weitere Gewerbeflächen. Geht tatsächlich auch nicht nur um ein paar Rohrdommeln, sondern Hunderte von Brutpaaren vieler Vogelarten. Die Lärmschutzwand war wohl mehr als Trostpflaster gedacht („schaut, wir tun doch was für die Vögel“), oder auch, um Klischees noch anzuheizen („wegen der blöden Naturschützer müssen wir für ein paar Rohrdommeln so eine teure Wand bauen“). Satirisch wurde das ganze Fiasko in einem putzigen NDR-Beitrag aufgegriffen, in dem eine (ausgestopfte) Rohrdommel als Kasperle an der demolierten Wand entlang hüpft. Wo steckt die Rohrdommel? (http://www1.ndr.de/mediathek/index.html?media=ndsmag4112) (iz)

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