Marion Dönhoff-Schule

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Mrz 232010
 

Hartnäckigkeit belohnt

Die Agnes-Miegel-Schule wird endlich umbenannt

(hk) Seit knapp 10 Jahren weisen Wilhelmshavener BürgerInnen, auf die Unmöglichkeit hin, einer Schule den Namen Agnes Miegels zu geben. Doch es bewegte sich da kaum etwas. Nun kam recht plötzlich und unerwartet die Meldung, dass die Schule in Marion- Dönhoff-Schule umbenannt werden soll.

Im Oktober 2001 veröffentlichte der Gegenwind eine Hommage Miegels an Adolf Hitler. Der Artikel schloss mit den Worten „Es gibt weitere Veröffentlichungen von Agnes Miegel, die eine Ehrung ihres Namens völlig ausschließen. Sie blieb bis zu ihrem Tode eine treue Gefolgsfrau des Nationalsozialismus.“ In den folgenden Jahren war es in erster Linie der linke Ratsherr Johann Janssen, der die Unmöglichkeit des Schulnamens ins Bewusstsein der Öffentlichkeit brachte. Janssens Initiativen im Rat wurden mit fadenscheinigen Begründungen abgeschmettert. Im Januar 2008 gab es dann eine Sendung des Nordwest-Radios aus dem Pumpwerk. Auch hier glänzte sowohl die Stadt Wilhelmshaven als auch der Leiter der Agnes-Miegel-Schule durch Abwesenheit. Durch eifrige Recherche gelangten immer neue und immer üblere Veröffentlichungen Miegels an die Öffentlichkeit. Doch in der Agnes-Miegel-Schule schaltete man auf stur. Es kam bundesweit zu Umbenennungen von Agnes-Miegel-Schulen und –Straßen, so dass letztlich nur noch Wilhelmshaven übrig blieb. Inzwischen war auch die Presse bundesweit darauf aufmerksam geworden, dass sich hier in Wilhelmshaven an der „Namensfront“ (junge Welt, 19.03.09) nichts tut. Zum 50-jährigen Bestehen der Schule machte sich der Schulleiter Heinz Bültena so seine Gedanken über die Namensgeberin – da wurde zwar zugegeben, dass Miegel in einigen Veröffentlichungen „zum Teil explizit, wenigstens aber tendenziell, Hitler und das NS-Regime überhöht.“

Doch noch immer war nicht zu spüren, dass da wirklich eine Distanzierung von Agnes Miegel stattfand. Und so gelang es, dass Wilhelmshaven der letzte Standort einer Agnes-Miegel-Schule wurde. Im Juni 2009 konnte man in Wilhelmshaven spüren, dass der Wind immer stärker für eine Namensänderung blies. Doch es dauerte noch mal ein halbes Jahr, bis sich endlich etwas Wesentliches tat.

Hartnäckigkeit wird belohnt
Auf der Sitzung des Schulausschusses am 4. März 2010 trug Schulleiter Heinz Bültena den Wunsch vor, den Namen der Agnes-Miegel-Schule zu ändern. In der Wilhelmshavener Zeitung heißt es am 5. März: „Bislang, so räumte Bültena ein, habe die Schule den Eindruck erweckt, dass sie an ihrem Namen festhalten wolle, ungeachtet der kritischen Anfragen aus der Öffentlichkeit. Es sei keineswegs so, dass sie nun einfach „den Schalter umgelegt“ habe. Die Zwiespältigkeit bleibe. … Aber der bisherige Name sei belastend in der Wahrnehmung der Schule außerhalb Wilhelmshavens. Auch in der Stadt sei eine Änderung der Stimmung feststellbar gewesen. Und bei Lehrern, Eltern und Schülern sei der Wunsch nach Diskussion gewachsen. … Als neue Namenspatronin wurde die Publizistin Marion Gräfin Dönhoff ausersehen, Ostpreußin auch sie, aber anders als Miegel von untadeligen Ruf über die Parteigrenzen hinweg.“

Die Neue
Marion-Dönhoff-Schule – das klingt zweifelsohne besser als Agnes-Miegel-Schule. Die Gräfin ist über alle Parteigrenzen hinweg als „große Dame“ anerkannt, wobei sich einem auch nach stundenlangem Studium ihrer Bücher, Aufsätze, Kommentare und Artikel nicht unbedingt erschließt, warum das so ist. Ihre Veröffentlichungen sind geprägt von einem liberalen Bürgertum, Kritik findet nur an Auswüchsen statt, dennoch erarbeitet sie sich die Position einer „moralischen Institution“. Marion Dönhoff gehörte zu den wenigen Personen, die in der Zeit des Hitlerfaschismus Widerstand geleistet haben. Schon das allein zeigt schon, dass es sich bei Marion Dönhoff nicht um irgendeine Frau aus Ostpreußen handelt. Ihre Arbeit in der Bundesrepublik war in erster Linie durch ihre „Karriere“ bei der „Zeit“ geprägt, 1946 als freie Mitarbeiterin, 1955 stellvertretende Chefredakteurin, 1968 Chefredakteurin, 1972 als Herausgeberin. 1971 wird ihr der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen. Dieser Preis reiht sich in eine große Anzahl anderer Auszeichnungen ein. Im März 2002 verstirbt Marion Dönhoff im Alter von 92 Jahren. Die Agnes-Miegel-Schule in Marion-Dönhoff-Schule umzubenennen, ist akzeptabel. Man kann ja froh sein, dass sich der Bund der Vertriebenen nicht wie bei der Namensgebung vor 50 Jahren einmischen konnte. Dann hätten wir wohlmöglich eine Erika-Steinbach-Schule bekommen.

Veröffentlichungen von Marion Dönhoff (Auswahl):

  • Namen, die keiner mehr nennt. Ostpreußen – Menschen und Geschichten.
  • Menschen, die wissen, worum es geht. Politische Schicksale 1916–1976.
  • Amerikanische Wechselbäder. Beobachtungen und Kommentare aus vier Jahrzehnten.
  • Weit ist der Weg nach Osten.
  • Preußen. Maß und Maßlosigkeit.
  • Kindheit in Ostpreußen.
  • Versöhnung: Polen und Deutsche. Die schwierige Versöhnung. Betrachtungen aus drei Jahrzehnten.
  • Weil das Land sich ändern muss. Manifest I.
  • Weil das Land Versöhnung braucht. Manifest II.
  • Um der Ehre Willen. Erinnerungen an die Freunde vom 20. Juli
  • Zivilisiert den Kapitalismus. Grenzen der Freiheit.

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