Sündenböcke

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Nov 251991
 

Gestern Synagogen – heute Wohnheime

Gewalt ist das Bindeglied zwischen Nationalsozialismus und Ausländerfeindlichkeit

(hk) Genau wie im 3.Reich die Juden für alles Negative verantwortlich gemacht wurden, dienen heute die Ausländer und Asylanten als Sündenböcke für gesellschaftliche Mißstände. Das war der Tenor einer Ausstellung, die von Studenten der Wilhelmshavener Fachhochschule zusammengestellt wurde und im letzten Monat in der FHS zu sehen war.

gw104_braunAuslöser für die Ausstellung war, so Mitinitiator Hasan Doğanay zum GEGENWIND, die Zunahme des Rechtsradikalismus in Deutschland. Die Überfälle auf Ausländer, auf Asylantenwohnheime, dagegen wollten die Studenten etwas unternehmen.
Natürlich kann man die Zeit des Nationalsozialismus mit der heutigen nicht einfach gleichsetzen. Die Verbindung, so Hasan Doğanay, ist die Gewalt. Die Gewalt damals und die Gewalt heute. Damals wurden die Synagogen verbrannt, die Geschäfte von Juden zerstört, heute brennen Asylantenheime und andere Einrichtungen von Ausländern. Wir haben dunkle Haare und eine dunkle Haut – deswegen werden wir beschimpft, verprügelt und diskriminiert.
Eine weitere Parallele: Genau wie damals interessiert sich auch heute kaum jemand für das, was hier in Deutschland geschieht. So war es auch nicht verwunderlich, dass die Ausstellung nur von wenigen StudentInnen bewußt wahrgenommen wurde. Die gleichzeitig durchgeführten Filmveranstaltungen wurden z.T vor weniger als 10 Leuten durchgeführt. Verstehen kann Hasan Doğanay die Passivität der Menschen zwar nicht, aber er versucht sie zu erklären: „Die Leute sind zu sehr mit sich selbst beschäftigt, mit ihrem Studium, ihrer Arbeit – die haben gar kein Interesse an dem, was in der Gesellschaft vorgeht. Sie verschließen die Augen vor der Gewalt, können oder wollen die Gefahren durch die Zunahme des Rechtsradikalismus nicht sehen.“
Auffällig an der Ausstellung ist, daß die Zeitdokumente (zumeist kopierte Zeitungsartikel) nicht den Schriftzug Wilhelmshavener, sondern Bremer und Oldenburger Zeitungen tragen. Beschämende Ursache: Die Wilhelmshavener Zeitung verlangte pro Kopie 40 (vierzig) DM, im Stadtarchiv waren dummerweise gerade die für die Ausstellung interessanten Zeitungen nicht aufzufinden und in der Stadtbildstelle gab es kaum verwertbares Filmmaterial. Hasan Doğanay: „Also mußten wir nach Bremen und Oldenburg fahren, um Informationen über Wilhelmshaven zu bekommen.“

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