Prekäre Beschäftigung

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Apr 232008
 

Informationsbüros für „prekär Beschäftigte“

Prekäre Beschäftigung – ein Handlungsfeld für Gewerkschaften

(hk/dgb) Die DGB-Region Oldenburg-Wilhelmshaven richtete Ende 2007 drei Informationsbüros für prekär Beschäftigte ein. An den Standorten Cloppenburg, Delmenhorst und Wilhelmshaven können sich Betroffene über ihre Rechte informieren. Ein Team von Haupt- und Ehrenamtlichen steht Gewerkschaftsmitgliedern und -nichtmitgliedern mit Rat und Tat zur Seite.


Das Spektrum reicht von einfachen Fragen zum Umgang mit Minijobs bis zu arbeitsrechtlichen Auskünften. Das Zusammenspiel von ehrenamtlicher Begleitung und Information mit kompetenter und professioneller Rechtsberatung für Gewerkschaftsmitglieder durch die DGB Rechtsschutz GmbH ist das Besondere an diesem Projekt. Bei Ratsuchenden sowie bei der Öffentlichkeit stößt dieses Projekt auf breite Zustimmung. „Endlich wird etwas getan“, ist der häufigste Kommentar, den die Aktiven bei ihren Aktionen in den Innenstädten hören.

Wie entstand die Idee, Informationsbüros für prekär Beschäftigte einzurichten?

Auf einer DGB-Regionaltagung 2005 wurde der Startschuss gegeben. DGB und Gewerkschaften beschäftigten sich intensiv mit der Entwicklung prekärer Beschäftigungsverhältnisse. Schnell wurde die Brisanz des Themas deutlich – eine Entwicklung, auf die die Gewerkschaften dringend Einfluss nehmen müssen. Es wurde beschlossen, regionale Daten zu erheben, um eine bessere Grundlage für politisches Handeln zu schaffen. Aber damit war das Thema noch lange nicht vom Tisch. Auf einer DGB-Regionsvorstandssitzung im April 2007 wurde die Einrichtung von drei Informationsbüros beschlossen. Allen Beteiligten war bewusst, dass diese Anlaufstellen allein nicht ausreichen. Nur wenn man auf betrieblicher wie auch auf politischer Ebene zusätzlich aktiv wird, können Erfolge erzielt werden.
Eine Fülle von zusätzlichen Aktivitäten stehen noch auf der Agenda des Projekts, von der Kampagneplanung gemeinsam mit den Gewerkschaften für einzelne Betriebsbereiche bzw. Branchen (z. B. zu Themen wie Leiharbeit etc.) bis hin zur Schaffung von Selbstorganisationsmöglichkeiten für prekär Beschäftigte.
Ziel dabei ist die Reduzierung prekärer Beschäftigung durch Umwandlung in sichere Arbeitsverhältnisse. Dazu ist es notwendig, dass stärker als bisher Kolleginnen und Kollegen aus diesen prekären Beschäftigungsverhältnissen angesprochen werden und sie für die aktive Gewerkschaftsarbeit gewonnen werden können.

dgb team

Das Team besteht aus haupt- und ehrenamtlichen Gewerkschaftern: Kurt Michaelis (IG BAU), Jürgen Oltmanns, (Erwerbslosenausschuss / ver.di), Heinz Reinecke (ver.di), Frank Krieger (DGB-Rechtsschutz GmbH), Susanne Schulze und Ralf Keuck (IG Metall), Dorothee Jürgensen (DGB)

Wir wollen sozial abgesicherte Arbeitsverhältnisse sowie einen Lohn, von dem wir anständig und eigenständig leben können. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit muss in unserer Gesellschaft das vorrangige Ziel sein.
Wir fragten Mitarbeiter des Projektteams “prekäre Beschäftigung“ nach ihrer Motivation zur Mitarbeit.

Heinz Reinecke, ver.di: Prekär Beschäftigte werden ausgebeutet. Das widerspricht meinem Sozial- und Rechtsempfinden. Das Sozialversicherungssystem wird durch „prekäre Beschäftigung“ untergraben, und irgendwann sind für die verbliebenen Beitragszahler die Beiträge nicht mehr bezahlbar. Das wäre das Ende der Sozialversicherung. Unternehmen, die mit prekär Beschäftigten arbeiten, schaffen sich auf Kosten der Arbeitnehmer Wettbewerbsvorteile, die andere Unternehmen dazu bringen, ebenfalls prekäre Beschäftigungsverhältnisse zu schaffen, d.h. Vollzeitbeschäftigung wird gegen prekäre Beschäftigung ausgetauscht. Das Ganze ist ein Teufelskreis zu Lasten der Arbeitnehmer.
Auch prekär Beschäftigte haben Rechte und nicht nur Pflichten. Diese Rechte sind den wenigsten bekannt. Darum ist es sehr wichtig, dass der DGB es sich zur Aufgabe gemacht hat, die prekär Beschäftigten über ihre Rechte aufzuklären. Vielleicht ist es dann möglich, mittelfristig diese Beschäftigungsart abzubauen.
Susanne Schulze, IG Metall: Als ich wegen der Mitarbeit im Team angesprochen wurde, fand ich es interessant, mal so ein Projekt zu begleiten. Ich möchte mein Wissen gerne anderen vermitteln und mir auch neues Wissen dadurch aneignen.
Wir können durch so ein Info-Büro Menschen in prekären Beschäftigungsverhältnissen die Möglichkeit geben, ihre Probleme auszusprechen. Durch unsere Aktionen in der Öffentlichkeit wollen wir auf die Arbeits- und Lebenssituationen prekärer Beschäftigter aufmerksam machen, um so die Bedingungen zu ändern. Durch die Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften können wir auf mögliche Probleme in den Betrieben aufmerksam machen.

Ralf Keuck, IG Metall: Ich arbeite im Team mit, weil ich selbst betroffen war. Ich habe jahrelang für sehr wenig Gehalt gearbeitet und fühlte mich der Willkür meines Arbeitgebers ausgesetzt. Mir war nicht klar, welche Rechte und Möglichkeiten ich überhaupt habe.
Durch die Individualisierung und Aufdifferenzierung der Gesellschaft und die damit verbundene Entsolidarisierung steht die/der Einzelne ihrer/seiner Situation immer hilfloser gegenüber. Die dramatische Situation am Arbeitsmarkt einerseits und die immer spezifischere Lebenssituation anderseits zwingen immer mehr Menschen, sich auf prekäre Arbeitsverhältnisse einzulassen. Auch die Gewerkschaften haben diese Problematik lange nicht adäquat bearbeitet. Deshalb ist es notwendig, sowohl die Fragen nach Rechten und Möglichkeiten herauszufinden und zu verbessern, als auch den Betroffenen diese aufzuzeigen und sie bei der Durchsetzung ihrer Interessen zu unterstützen.

Informationsbüro für prekär Beschäftigte
Gewerkschaftshaus, Weserstraße 51, 26382 Wilhelmshaven
Tel. 04421-180112
Öffnungszeiten:
jeden Dienstag von 10.00 – 12.00 Uhr + von 14.00 – 19.00 Uhr
sowie nach telefonischer Vereinbarung.
Dieses Informationsangebot erfolgt kostenfrei und richtet sich auch an Nicht-Gewerkschaftsmitglieder. Für Mitglieder einer DGB-Gewerkschaft bieten wir zusätzlich eine Rechtsberatung durch die DGB-Rechtsschutz GmbH an.

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