Aus der Schule geplaudert

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Dez 172008
 

Neue PISA-Daten

Aus der Schule

(noa) Es gibt neue PISA-Ergebnisse, und diese haben nicht nur die Kultusbürokratie, sondern auch Teile der Presse zu neuen Methoden der Statistik-Fälscherei geflügelt

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Hurra?

Die Einzige, die angesichts der jüngsten Pisa-Studie „Erfolge“ für Niedersachsen sieht, ist Frau Heister-Neumann. Niedersachsen belegt nur noch Platz 13 (also den viertletzten Rang) in den Naturwissenschaften und im Leseverständnis, in Mathematik sogar nur Platz 14. (WZ, 18.11.08) Wie man da erklären kann, „seit der ersten Pisa-Studie im Jahr 2000 habe sich das Leistungsniveau deutlich gesteigert“ (WZ, 19.11.08), weiß wohl nur unsere Kultusministerin. Oder? Nein, die anderen Minister wissen es auch. Die schaffen es auch, jede Horrormeldung so zu verpacken, dass alles prima ist: Hieß es nicht ebenfalls am 18.11. in der WZ, dass die Ministerien für den Niedersachsen-Monitor „Formulierungen der Lage angepasst“ haben? Aus „Frauenarbeitslosigkeit nimmt weniger stark ab“ sollte werden „Auch Frauenarbeitslosigkeit nimmt ab; aus „durchschnittlichen und unspektakulären“ Arbeitsmarktwerten wollte das Wirtschaftsministerium „zunehmend positive“ machen – da kann man auch aus einem Bildungsdesaster eine Erfolgsstory machen.
In diesem Fall funktioniert das Statistikfälschen so: Man berichtet einfach nur über Deutschland und lässt die Ergebnisse der anderen Staaten weg. Und man spricht nur über die Rangfolge, ohne die erzielten Punktwerte zu nennen. Der SPIEGEL hat genauere Informationen veröffentlicht, und bei der Lektüre wird einem angst und bange.

Oje oje!

Die Spanne vom besten zum schlechtesten Ergebnis beträgt 146 Punkte: Korea 556 – Mexiko 410. Deutschland liegt bei 495 Punkten. Niedersachsen liegt mit 484 Punkten unter dem deutschen Durchschnitt; noch schlechter sind nur Mecklenburg-Vorpommern (480), Hamburg (476) und Bremen (474).
Sachsen, das in dieser neuen PISA-Studie innerhalb Deutschlands auf Platz 1 gelandet ist, liegt mit 512 Punkten immer noch beachtlich weit vom Spitzenreiter Korea entfernt. Da auf den ersten Plätzen die Abstände zwischen den Ländern ziemlich groß sind, liegen vor Sachsen nur sechs Staaten (außer Korea sind das Finnland, Kanada, Neuseeland, Irland und Australien); trotzdem ist es ein bisschen frech, hier von einem „Vorrücken in die Weltspitze“ zu sprechen.
Tatsächlich liegt Deutschland mit seinen 495 Punkten knapp über dem OECD-Durchschnitt (492) – und immer noch trifft die härteste Kritik am deutschen Schulwesen zu: Wir lassen die Kinder aus der Unterschicht und die Kinder aus eingewanderten Familien zurück; diese Kinder sind es, die den deutschen Schnitt so sehr nach unten drücken. Und so wird Sachsens relativer Erfolg im SPIEGEL und anderen Publikationen auch damit begründet, dass es weniger Kinder ausländischer Herkunft hat.

Wo er Recht hat…

Werner Biehl, grüner Ratsherr, Lehrer an der IGS und Kenner des finnischen Schulsystems, fordert in seinem Leserbrief (WZ, 12.12.08): „Wach endlich auf, Niedersachsen“ und schreibt Klartext: „Arbeiterkinder, Hartz IV-Kinder, Kinder von alleinerziehenden Frauen und Männern, Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund, Kindern von Aussiedlern (hab’ ich welche vergessen?) müssen ohne große Unterstützung der Gesellschaft hart daran arbeiten, überhaupt Abschlüsse zu bekommen.“ Er kritisiert die Schuldzuweisungen für das schlechte Abschneiden Deutschlands im internationalen Vergleich der Schulleistungen an alle außer den politischen Verantwortlichen und gibt zu denken: „Die skandinavischen Länder, allen voran Finnland, zeigen doch, wie es besser geht.“ – Hier müssen wir Biehl z. T. korrigieren: Zwar ist Finnland tatsächlich in Europa das erfolgreichste PISA-Land (Platz 2 mit 547 Punkten), und auch Schweden (507) liegt vor Deutschland, doch Dänemark und Norwegen haben noch schlechter abgeschnitten. – Bezogen auf Finnland, wo Kindertagesstätten nur acht bis zehn Kinder in der Gruppe und zwei bis drei KindergartenlehrerInnen mit Hochschulabschluss haben, wo alle Kinder 10 Jahre lang gemeinsam beschult werden, wo die Klassen kleiner sind usw. usf., hat Biehl jedoch unbedingt Recht. Schade, dass überall, wo er vom finnischen Bildungswesen zu sprechen anhebt, die Befürworter unseres gegliederten Schulsystems aufstöhnen und ihm nicht mehr zuhören! Die Abschaffung der Selektion nach Klasse 4, wie sie in Niedersachsen in der vorigen Legislaturperiode des Landtages eingeführt wurde, ist dringend notwendig. Auch das klingt im SPIEGEL an: Dort wird über Sachsen erklärt, dass es „mehr Chancengleichheit“ und „nur zwei Schularten“ hat.

Traurige Bilanz

Niedersachsen hat dagegen vier Schularten und besteht auf Beibehaltung der Hauptschule, an der sich hauptsächlich die in Werner Biehls Aufzählung genannten Kinder tummeln. Niedersachsen macht „Turbo-Abi“ und überstrapaziert die GymnasiastInnen mit z.T. Acht-Stunden-Tagen bei 15 Minuten Mittagspause. Niedersachsen behindert trotz entsprechender Änderung des Schulgesetzes die Einrichtung neuer Gesamtschulen. Niedersachsen betreibt wie Berlin „Hire and Fire“ mit Lehrkräften: LehrerInnen werden für die Zeiträume zwischen den Ferien angestellt und müssen sich während der Ferien arbeitslos melden. Niedersachsen überschreitet seine gesetzlich festgelegten Klassenfrequenzen – 33 SchülerInnen in einer Gymnasialklasse sind mittlerweile mancherorts „normal“. Niedersachsen schafft immer noch nicht die flächendeckende 100%ige Unterrichtsversorgung in allen Schulen.
Im November haben niedersächsische Schulerinnen und Schüler in mehreren Städten demonstriert. „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Bildung klaut“ war die Parole, und mit dieser Parole haben in Hannover die demonstrierenden SchülerInnen dem niedersächsischen Landtag die Hölle heiß gemacht.

Neuer Stadtelternrat

Der Stadtelternrat Wilhelmshaven hat sich am 11. November neu konstituiert. Bernd Rahlf, der jahrelang dem StER vorgestanden hatte, durfte nicht wiedergewählt werden, weil seine beiden Töchter, die er als Elternvertreter durch ihr ganzes bisheriges Schulleben begleitet hat, volljährig geworden sind.
Bernd Rahlf hat die Arbeit des Stadtelternrates geprägt. Vermutlich hat diese Arbeit auch ihn geprägt. Wir finden, er hat seine Arbeit gut gemacht, und wir wünschen ihm ein sinnvolles neues „Hobby“.
Die Neuen im Vorstand des StER sind Frank Hansmann (Vorsitzender) von der GS Elisabethschule, der sein Gremium auch im Schulausschuss des Rates vertritt, und Dr. Eva Maria Haarmann (stellvertretende Vorsitzende) von der GS Hafenschule, die ebenfalls im Schulausschuss sitzt. Außerdem wurden Grit Wegmann (Gymnasium am Mühlenweg) zur Kassenführerin, Gaby Wendel-Rothe (IGS) zur Weiterbildungsbeauftragten und Frank Benter (GS Mühlenwegschule) zum Schriftführer gewählt.
Der neue Vorstand formulierte einige der Schwerpunkte für seine Informations- und Sacharbeit. Der bisherige erfolgreiche Weg der Elternarbeit soll auf jeden Fall fortgesetzt werden. Als wichtigsten Punkt nennt der Vorstand nach wie vor die finanzielle Ausstattung für die Schulen in Wilhelmshaven und macht dabei deutlich, dass man endlich davon wegkommen muss, Gelder, die im Bereich Bildung eingesetzt werden, als Ausgaben zu bezeichnen. Diese sind vielmehr Zukunftsinvestitionen, und dieses Verständnis gehört endlich auch in die Köpfe der Verantwortlichen in Stadt und Land. Die Arbeit an den Schulen darf nicht durch eine knappe Finanzlage und ein daraus resultierendes Spardiktat beschränkt werden.
Als weitere Schwerpunkte werden die Beteiligung an den Planungen für die weiterführenden Schulen der Stadt Wilhelmshaven, die Förderung von SchülerInnen aus sozial benachteiligten Gesellschaftskreisen, eine Schulstandortverbesserung (Einrichtung und Ausstattung) und die Schaffung weiterer Ganztagsschulen angesehen.
Der Stadtelternrat wird dabei den eingeschlagenen und sehr erfolgreichen Weg, durch öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen ein breites Publikum zu erreichen, weiter fortsetzen.
Die Werbung für eine aktive Elternarbeit ist ein „interner“ Schwerpunkt der Arbeit des StER Wilhelmshaven. Ehrenamtliche Arbeit für ihre Kinder soll von möglichst vielen Erziehungsberechtigten als besonders lohnenswert angesehen werden, auch wenn die Bereitschaft, sich zu engagieren, in der Gesellschaft abnimmt. Hier sollen die besonderen Berührungspunkte im Tagesmittelpunkt „Schule“ deutlich gemacht und Interesse geweckt werden.
Die Vertreter des Stadtelternrates werden weiterhin engagiert im Schulausschuss der Stadt sowie im Landeselternrat und in der Landes- und Kommunalpolitik dafür sorgen, dass Zukunftsthemen nicht nur diskutiert, sondern auch angepackt werden.
Der Stadtelternrat bedankt sich bei allen Eltern, die sich an den Schulen für die Kinder engagieren, bei den Politikern, die die Elternarbeit unterstützen, der städtischen Verwaltung für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit und bei der Presse für ihr Interesse an der Arbeit des Stadtelternrates Wilhelmshaven.

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