ist der Protest der Wilhelmshavener LehrerInnen gegen die angekündigte Arbeitszeitverlängerung. Die geplanten Maßnahmen reichen von Briefen an Kultusminister und/oder Ministerpräsident über Elternbriefe bis hin zur Einstellung sämtlicher außerunterrichtlicher Tätigkeiten. Einigen Kollegien ist es gelungen, die Eltern ihrer SchülerInnen für die Unterstützung des Protests zu gewinnen; so sammeln z.B. Eltern der Schule Salzastraße Unterschriften gegen die Arbeitszeitverlängerung und für die Einstellung junger Lehrkräfte.(noa)
Wolfgang Borcherts großes Gedicht gegen Krieg und Militarismus paßt nicht zum Volkstrauertag. Diese Meinung vertraten jedenfalls mehrere Mitglieder des Marinebundes im Anschluß an eine Veranstaltung zum Volkstrauertag im Stadttheater. Für diese Herren ist der Volkstrauertag noch immer der Heldengedenktag längst vergangener Zeiten. (hk)
Gläsernes Abflußrohr
Greenpeace zieht Abwasserproben bei ICI
(ft) Oft hatte Greenpeace bei der ICI-Wilhelmshaven um Überlassung von Proben der Abwässer gebeten, die von der Firma in die Jade gepumpt werden. Doch weder Proben noch Ergebnisse wurden von der ICI preisgegeben. Ende Oktober holte sich Greenpeace selbst den Stoff, der aus den Rohren kommt.
Auf besorgte Bürger reagiert die Firma ICI nur mit einer Flut von Strafanzeigen. In den letzten Wochen konnten die Greenpeace-AktivistInnen, die am 9. und 10.11.1992 die Werkstore der ICI blockierten, nur vor Gericht ihre Beweggründe für die Blockade des PVC-Produzenten darlegen. Ein Vertreter der ICI war bei diesen Gerichtsverfahren nicht anwesend. Die menschenverachtende Aussage des ICI-Geschäftsführers Schütze, daß man zwar weiß, „daß PVC gefährlich ist, aber Menschen sterben auch in Betten – deshalb schafft man doch keine Betten ab“, war für einige Wilhelmshavener BürgerInnen Auslöser, sich spontan an der Blockadeaktion von Greenpeace zu beteiligen. Der Preis dafür war ein Strafbefehl über 30 Tagessätze a 30.- DM – wahlweise 30 Tage Knast. Im Namen des Volkes wurde Recht gesprochen. Im Namen des Volkes?
Der nächste Gerichtstermin gegen Greenpeace-Aktivisten findet am 13. Dezember 1993 um 14.00 Uhr im Amtsgericht Wilhelmshaven (Marktstraße) statt.
Einsichten eines Pausenclowns
Retrospektive des Wilhelmshavener Stadtkünstlers mit bitterem Nachgeschmack
(iz) Eine Stadt, die chronisch pleite ist und im allgemeinen gern am Kulturetat spart, leistet sich einen Stadtkünstler. Aus den 1.000 Mark, die sie sich das monatlich kosten läßt, sollte sie logischerweise ein Gewinnmaximum im Bereich Kultur, Kommunikation und Image herausschlagen. Umgekehrt soll der Künstler durch das Stipendium Gelegenheit erhalten, sich für einen begrenzten Zeitraum frei und ohne Sorge um den Lebensunterhalt der Kunst zu widmen. In Wilhelmshaven sieht die Praxis wieder mal ganz anders aus.
Zwei Veranstaltungstage lang hörten Linke verschiedener Denkrichtungen einander zu
(red) Zum 75. Jahrestag der Novemberrevolution fand am 5. und 6. November im Pumpwerk und im Gewerkschaftshaus ein „Ratschlag“ zur Frage „Lohnt ein neuer sozialistischer Anlauf?“ der Bürgerinitiative für Sozialismus in Zusammenarbeit mit dem DGB-Kreis Wilhelmshaven und der Bildungsvereinigung Arbeit und Leben statt.
Im Oktober 1993 ist die Galerie M in die Südstadt umgezogen. Nach mittlerweile 15jährigem Bestehen befindet sie sich nun in dem 1888 als Garnisons-Waschanstalt erbauten Gebäude in der Kanalstraße 43, das 1922 als erste Jugendherberge Wilhelmshavens eingeweiht wurde. Seit 1988 hatte der verstorbene Sohn der Galeristin, der Künstler Olaf Marxfeld, in dem Gebäude gelebt und gearbeitet. 160 m2 stehen nun der Galerie zur Verfügung, während ein Raum für das hinterlassene Werk des Künstlers verbleibt. Nach 1jähriger Umbauzeit wurde das alte Gemäuer zwischen Weserstraße und Bontekai im Oktober 1993 seiner neuen Bestimmung übergeben. Derzeit ist dort eine Ausstellung mit Fotografien des Stadtkünstlers Peter Schneider zu sehen.
Galerie M, Kanalstraße 43, Weser-/Einmündung Allerstraße
5 Jahre besteht die Wilhelmshavener Aidshilfe inzwischen und in diesen Tagen bekommt die Einrichtung durch den jüngsten Blutplasmaskandal eine steil ansteigende Bedeutung als Beratungsanlaufstelle für HIV-infizierte Menschen. Mit mehreren Wortbeiträgen, Informationen und Filmen wird am Mittwoch, dem 1. Dez. anläßlich des Welt-AIDS-Tages ab 14.00 Uhr im Kulturzentrum Pumpwerk von kompetenten Fachleuten der Nachmittag gestaltet. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden der Wilhelmshavener Aids-Hilfe, Herrn Dr. Prött, folgt ein Referat des HIV-Facharztes Dr. Natt von der Ambulanzstation des Krankenhauses Sanderbusch. Mit der Gewalt gegen Schwule beschäftigt sich der Wortbeitrag von Jörg Lührmann von der Göttinger Aids-Hilfe. Christoph Schmidt-Peters, von der Niedersächsischen Aids-Hilfe gibt Auskunft über die finanzielle Situation der Einrichtungen. Gabi de Winter, Geschäftsführerin der Aids Hilfe Wilhelmshaven, wird über die Situation nach der Blutplasmaaufdeckung berichten und auf die Möglichkeiten zur Drogenselbsthilfe eingehen.
Ab 20.30 Uhr wird nach dem schwerverdaulichen Nachmittag die Möglichkeit zur musikalischen Entspannung geboten. Die Fun Company haben als Westernhagen Band bereits Furore gemacht. Marius selbst wäre absolut verblüfft, wenn er sie hören würde.
Auch der Sänger bewegt sich wie Westernhagen. Ob „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“, „Johnny Walker“ oder „Sexy“, die Fans singen wie beim Original mit lauten „Marius“ Rufen begeistert mit. Neben dem Cover Repertoire spielt die Gruppe auch eigene Stücke.
… vor langer Zeit, da begab es sich in den letzten Tagen des Jahres zur Winterzeit, daß ein großes Fest begangen wurde, weihnachten genannt! Dieses Fest beruhte auf dem Glauben, daß zu Beginn unserer Zeitzählung ein Knabe namens Jesus geboren worden ist, der den Menschen als der Heiland galt. Er hatte viel Gutes für die Menschen getan und ist für sie am Kreuz gestorben. An Weihnachten nun wollten ·die Menschen seiner gedenken und ebenfalls Gutes tun. Das endete aber leider darin, daß hauptsächlich die Frauen, die leider nicht die gleichen Rechte wie die Männer hatten, Gutes taten, indem sie ihre Familie umsorgten, bekochten, bebackten, verwöhnten und Geschenke brachten, während die Männer sich bedienen und verwöhnen ließen.
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Entwicklungshilfekreis sucht Alu-Presse
(ft) Eigentlich wollte der Entwicklungshilfekreis der Heppenser Kirche nur eine Kleinanzeige im GEGENWIND veröffentlichen: „Alupresse gesucht“. Diese Anzeige erweckte die Neugier der Redaktion, und es entstand daraus ein Artikel, wie man mit alten Zahnpastatuben und Joghurtbecherdeckeln eine Apotheke in Togo finanzieren kann.
PVC-Odysee
PVC-Fan Rütters blieb bis heute eine Antwort schuldig
(iz) Mittlerweile sollte es sich rumgesprochen haben, daß PVC und andere Chlorchemikalien bei der Produktion, im Gebrauch und bei der Entsorgung umwelt- und gesundheitsschädlich und damit auch volkswirtschaftlich bedenklich sind. Es gibt jedoch hiesige Kommunalpolitiker und Medien, die ihr Ohr nur an der Industrie haben. Diese Erfahrung mußte jedenfalls die Schortenser Ratsfrau und stellvertretende Bürgermeisterin Utta Schüder machen.
Wer verläßt wen?
Austrittserklärung aus der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands
(red) Parteiaustritte sind heutzutage nichts Besonderes. Oft verläßt jemand seine Partei, weil er den erhofften Schub für seine berufliche Karriere nicht erhielt oder ihm die Nase des Vorsitzenden nicht paßte.
Ebenso wie Eckard Kelbch und einige andere Genossen habe ich mich nach langer und reiflicher Überlegung entschlossen, mein Parteibuch zurückzugeben. Die Politik der SPD auf Bundesebene kann ich nicht mehr mittragen. Einer Partei, die damit liebäugelt, deutsche Soldaten wieder in alle Welt zu schicken und die mitverantwortlich für die faktische Abschaffung des Asylrechts ist, ist nicht mehr meine Partei.
Hinzu kommt auf kommunaler Ebene die Tatsache, daß mit Stimmen der SPD ein Kaiserdenkmal errichtet werden soll.
Wenn SPD-Politiker einen Kaiser Wilhelm ehren wollen, und nichts anderes als eine Ehrung ist ein Denkmal in meinen Augen, dann treten sie das Andenken derjenigen Genossen mit Füßen, die für ihre politische Überzeugung von eben diesem Kaiser in den Kerker geschickt wurden oder ins Exil gehen mußten.
Eine weitere Entscheidung, die für mich untragbar ist, ist die Anschaffung eines U-Bootes als Touristenattraktion. Anstatt bei knappem Haushalt das Geld für sinnvolle Aufgaben auszugeben, werden hier 50.000 DM verplempert, um Touristen ein Kriegsspielzeug in Originalgröße zu bieten. Ganz zu schweigen von den zu erwartenden Folgekosten für die Instandhaltung.
Thomas Sobel
Mitarbeiter der GEGENWIND-Redaktion
Warten warten warten
Abgelehnte Lehrerinnen bei Schröder
(hh)Das Thema LehrerInnenarbeitslosigkeit taucht in den Statistiken des Arbeitsamtes kaum noch auf. Da kann leicht der Eindruck entstehen, dies als ein Problem der 80er Jahre und als erledigt anzusehen. Dem ist nicht so. Der GEGENWIND berichtet über eine Initiative von Altbewerbern in Wilhelmshaven.
Konspirative Wirtschaftsförderung
Die Aktionen von TIC werden immer peinlicher
(hk) Zu einer drittklassigen Provinzposse entwickelt sich das Engagement des Remscheider „zweieinhalb Personen Betriebes“ (NDR, Hallo Niedersachsen) Technical Consulting, kurz TIC genannt, für Wilhelmshaven und Friesland. Die jüngsten Berichte aus dem Fernen Osten geben der Posse einen beinahe filmreifen Charakter.

