Küstemuseum

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Apr 302002
 

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Historischer Arbeitskreis präsentiert neues Kernstück des Küstenmuseums

(iz) Weitgehend unbeeindruckt von der boshaften Kritik missgünstiger Beobachter und auch durch die WPG-Querelen nicht gebremst, bastelt der Historische Arbeitskreis des DGB seit über einem Jahr an der Umsetzung seines Konzepts für das neue Küstenmuseum in der Jahnhalle. Ende März stellten die Fleißarbeiter ein wesentliches Exponat der Öffentlichkeit vor. Ohne Zustimmung der hauptamtlich Verantwortlichen können sie es jedoch nicht in der Jahnhalle präsentieren.

Das Konzept des Arbeitskreises ist ein integratives, das Zeitabschnitte, Raum und Mensch nicht isoliert voneinander darstellt. Die sieben „Schaltkreise“ (so Hartmut Büsing vom Arbeitskreis) für das Museum machen das recht anschaulich: Im Mittelpunkt stehen die Menschen: „Um also überleben zu können, brauchten sie Kleidung, eine Behausung, Waffen, schwimmfähige Transportmittel, neben der Sprache ein weiteres Kommunikationsmittel, einen Schutz gegen das Wasser, und eine Volksvertretung, in der alle das Volk betreffende Dinge beraten und wichtige Entscheidungen getroffen werden konnten.“ (Auszug aus dem Konzept).

küstenmuseumWas besonders beeindruckend und zukunftsweisend ist: „Der Einstieg allerdings – so unsere Vorstellung – müsste ein Kinderprojekt sein … Unsere Motivation ist folgende: Kinder sind bei einem Museumsbesuch stets benachteiligt. Sie müssen leise sein, dürfen nichts anfassen, für sie ist das Ausgestellte eher unverständlich. Keiner erklärt ihnen – in verständlicher Weise – Zusammenhänge und Bedeutung der Exponate und Dokumente. Wir möchten Geschichte ‚kindergerecht‘ darstellen. Nicht ausschließlich, aber auch für Kinder verständlich und nachvollziehbar.“
Und so soll das Kernstück der Ausstellung ein Bassin sein, in und an dem Kinder “spielend“ die Geschichte unserer Stadt nachvollziehen können. Dort können sie mit Modellbooten innerhalb des nachgestellten Hafenbeckens fahren, ein Dock betätigen, Sieltore öffnen und schließen, Schleusenvorgänge in der Schleusenkammer simulieren, selbst Boote basteln – „kurzum ihrer Phantasie und Kreativität freien Lauf lassen.“ Die Phase der papiernen Konzepte hat der Arbeitskreis bereits weit überschritten. Anhand eines von Maschinenbauingenieur Rudolf Hoier und Metallbauer E. E. Neumann liebevoll und detailgetreu konstruierten Modells lässt sich die flexible Funktion des Bassins nachvollziehen. Vier Elemente aus Aluminium mit einer Gesamtfläche von 18 m2 ruhen auf Böcken mit verstellbaren Füßen (passend zur Kindergröße). Der kindersichere 30-cm-Wasserpegel kann über einen darunter liegenden Behälter abgelassen werden – zur Reinigung und um Ebbe und Flut zu simulieren. Durch den Sektionsbau lässt sich alles darstellen, was mit Wasser zu tun hat – z. B. die Gezeiten, die Funktion von Schleusen oder die Entwässerungsproblematik.
Für den Bau des Originalbassins (in ehrenamtlicher Eigenleistung) setzte der Arbeitskreis Materialkosten von ca. 3.000 Euro und eine Bauzeit von einem Monat an.

Wer gibt den Startschuss?

Nachdem der Historische Arbeitskreis im Februar 2001 sein Konzept der Presse vorgestellt hatte, erhielt er von Ratsfraktion und Kreisverband der Grünen (stellvertretend für die Führungsspitze in Rat und Verwaltung?) harte Kritik (s. GEGENWIND Nr. 166, „Jeder gegen Jeden“).
Aus der Presseerklärung bzw. -berichten: „Scheinheiligkeit in großem Maße“ … Ein Museum moderner Konzeption könne nicht nur „die Belange und Bedürfnisse einiger Wilhelmshavener Gewerkschaftsführer widerspiegeln“. Zur Zeit würde „emsig und mit aller Kraft an einer akzeptablen Zwischenlösung gearbeitet“. Die Forderung des DGB „ein lebendiges, neues Küstenmuseum – sofort“ sei nicht haltbar. Die Konstruktion eines modernen Museums brauche einfach mehr Zeit.
Wie lange noch? Seitdem ist über ein Jahr ins Land gegangen, emsig war die WPG allein darin, sich selbst zu disqualifizieren. Gegangen ist frustriert nach nur 6 Wochen Dienstzeit auch die hochkarätige Museumsleiterin Beate Bollmann (s. GEGENWIND Nr. 178, „Vergrault“). Sie hatte zu allen am Museum interessierten Gruppierungen Kontakt aufgenommen und war vom DGB-Konzept, das ihren eigenen Vorstellungen vom „Museum zum Anfassen“ entsprach, so angetan, dass sie es gern aufgriff.
Es drängt sich der Gedanke auf, dass Frau Bollmanns positive Verbindungen zu dem von maßgeblichen Stellen in Rat und Verwaltung ungeliebten DGB-Arbeitskreis dazu führten, dass ihr von jenen Stellen dicke Steine in den Weg geworfen wurden, die zu ihrer Flucht führten. Diese Assoziation wurde von den Gewerkschaftern nicht bestätigt, aber auch nicht dementiert.

Zeichen und Wunder

So stand jetzt zu befürchten, dass der Arbeitskreis seine Konzepte und Modelle für die Schublade produziert hat, denn ohne offizielle Zustimmung kann er sein Bassin und weitere Exponate schwerlich in der Jahnhalle aufstellen. Doch zwischenzeitlich hat Hartmut Büsing von der Interims-Geschäftsführerin der WPG, Verena Powollik, grünes Licht erhalten. Das ist insofern etwas überraschend, als in öffentlichen Darstellungen namentlich Frau Powollik bzw. deren Verhalten zu einem großen Teil Bollmanns Weggang verursacht haben soll. Derlei Spekulationen mal beiseite gestellt: Mit dieser Entscheidung zu Gunsten des Historischen Arbeitskreises hat Frau Powollik Mut gezeigt und – wie heißt es in Wilhelmshaven? – Zeichen gesetzt. Und der Arbeitskreis hat losgelegt, in einer geeigneten Halle das Bassin für erlebte Kultur und Geschichte zu bauen.

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