SVW-Sponsoring

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Jul 232002
 

Schiebungen

Was tut man nicht alles für den Sport!

(hk) Sportbegeistert sind die MitarbeiterInnen des Gegenwind (fast) alle – dennoch war der Sport immer nur ein Randthema für uns. Und so wird es auch wohl bleiben, obwohl es in diesem Artikel um den SVW, das Paradepferd des jadestädtischen Fußballs, geht. Ob es bei der Erfüllung der Wünsche des neuen Sponsors Sprehe auch sportlich zugegangen ist, mögen unsere LeserInnen nach dem Studium der folgenden Zeilen für sich entscheiden.

Die Ausgangslage: Der SVW ist wie gewohnt pleite – Spieler und Trainer haben seit Monaten kein Geld mehr bekommen – mit 400.000 Euro steht der Verein in der Kreide. Insolvenz droht – für den SVW würde das die endgültige Zerschlagung bedeuten – er würde von der Bildfläche verschwinden.
Dass Spiele gut fürs Volk sind wussten schon die Cäsaren des alten Rom. Wilhelmshavens Cäsaren wissen, dass Sport gut fürs Image ist. Natürlich nur dann, wenn er auch erfolgreich ist. Also musste ein Weg gefunden werden, damit der SVW auch in der kommenden Saison ganz oben mitspielen kann und den Namen der Stadt an der Jade in Fußball-Deutschland bekannt macht.

Sport geht heute nur noch mit Sponsoring – und für einige Leute ist dieses Sponsoring der eigentliche Sport.

spreheEin Sponsor war dann auch schon bald gefunden: Der ‚Hühnerbaron’ Albert Sprehe aus dem emsländischen Lorup. Albert Sprehe ist im niedersächsischen Fußball kein Unbekannter – und er ist bekannt für seine harte Sponsorenhand, die schon so manchen Trainer zur Verzweiflung trieb. So zum Beispiel Jürgen Bodendorf vom BV Cloppenburg, der in einem Interview sagte: „Niemals zuvor in meinem Leben musste ich mir derartige Beleidigungen gefallen lassen, wie durch BVC-Sponsor Sprehe in den letzten drei, vier Wochen. Diesem permanenten Druck war ich zuletzt menschlich nicht mehr gewachsen. Beim Blick in den Spiegel muss ich noch immer Jürgen Bodendorf erkennen und nicht eines der Masthähnchen Sprehes.“
Doch bevor Albert Sprehe sich als Sponsor betätigt, will er erst einmal einen sauberen Verein haben – also einen schuldenfreien!

Aber wer soll die Schulden bezahlen?

Dazu muss der gesamte Verein umgekrempelt werden. Bisher agierten 3 Gesellschaften mit den einfallsreichen Namen Alpha Sportmarketing, Beta Grundstücksvermarktung und Gamma Sportstätten-Betrieb zum Wohle (bzw. Wehe) des SV Wilhelmshaven. Diese 3 Gesellschaften übertragen sämtliche Rechtspositionen, Nutzungs- und Vermarktungsrechte bezüglich der Stadionanlage auf die Stadt. Die Stadt zahlt dafür an Gamma einen sofort fälligen Betrag bis zur Höhe von maximal 1.022.583,17 Euro (= 2 Mio DM).
Die Stadt stellt dem SVW die Stadionanlage sowie den VIP-Bereich zur Nutzung und Vermarktung zur Verfügung. Der SVW zahlt dafür eine Miete von 30.000 Euro für das Stadion und 75.000 Euro für den VIP-Bereich.
Im Gegenzug sorgt die Stadt für die Pflege und Unterhaltung der Stadionanlage. Der SVW muss allerdings den Strom für die Flutlichtanlage bezahlen.
Alpha wiederum zahlt zur Abgeltung aller Ansprüche 282.233,11 Euro an den Verein. Hinzu kommen noch bis zu 80.000 Euro – abhängig davon, wie viel die Stadt an Gamma bezahlt.
Im Gegenzug stellt Beta ihre Forderungen gegen den SVW in Höhe von 500.000 DM bis zum 30.06.2005 hinter alle Verbindlichkeiten des Vereins zurück.
Der SVW überlässt dafür den 3 griechischen Buchstaben 8 Werbeflächen im Stadionbereich.
Die Stadt nun wiederum verpflichtet sich, einen Betrag von 50.000 Euro dem SVW zur Verfügung zu stellen. Einfach so!
Diese Darstellung ist unvollständig – doch noch mehr Punkte der Verschiebungen von Geld- und Sachwerten aufzulisten, würde zur vollständigen Verwirrung führen.
Ziel der ganzen Geschichte ist es, „für die nächsten 3 Jahre hochrangigen Leistungsfußball in Wilhelmshaven sicherzustellen.“ (Rahmenvereinbarung zwischen der Stadt Wilhelmshaven und den obigen Akteuren)
Obwohl der Verwaltungsausschuss laut seinem Beschluss vom 3.7.2002 erst noch ein Gutachten über die Höhe der getätigten Investitionen (Angabe in der Vereinbarung 1.022.583,17 Euro) einholen will und auch der nötige Ratsbeschluss noch aussteht, steht der SVW wieder Ball bei Fuß, um in Wilhelmshaven in der nächsten Saison guten Oberliga-Fußball zu bieten. Wer allerdings die Zwischenfinanzierung (da warteten Spieler und Trainer auf ihr ausstehendes Gehalt, die Krankenkassen wurden langsam unruhig) übernommen hat, ist nicht bekannt.

Wer stellt die Mannschaft auf, wer bestimmt im Verein…

Der neue Sponsor stellt den Aufsichtsrat zusammen: Für sich (oder eine von ihm benannte Person) beansprucht Albert Sprehe einen Sitz im Aufsichtsrat, dem, so Sprehes Forderung, auch Rechtsanwalt Harald Naraschewski und Lutz Bauermeister (Allg. Wirtschaftsverband) angehören sollen.
Vereinsvorsitzender soll Dr. Herrnberger, der im letzten Jahr nach 20-jähriger Tätigkeit ausgeschieden war, werden. „Ich habe mich nicht nach dem Job gedrängt, nachdem der Abschied nicht gerade prall war“, äußerte sich Herrnberger gegenüber dem Jeverschen Wochenblatt.
Auch die Bestellung des 2. Vorsitzenden behält sich Sprehe vor.
Das Trainergespann sowie die medizinische Abteilung will er gleich selber stellen. So ist dann auch der bei Sprehe in Lohn und Brot stehende Wolfgang Steinbach zum Nachfolger von Hans-Werner Moors als Trainer bestimmt worden. Auch Team-Manager Peter Schöne stammt aus den Stallungen des Emsländers
Natürlich will Sprehe auch mitbestimmen, wer zukünftig in den Wilhelmshavener Farben aufs Feld läuft – Verpflichtungen laufen nur einvernehmlich mit ihm. Und so ist es nicht verwunderlich, dass Sprehe schon jetzt einige Spieler aus dem Hut zaubern konnte, die auf seiner Lohnliste stehen.
Ob und wie sich aus diesem ganzen Gekungel und Geschiebe eine Einheit formen lässt, werden die Wochen und Monate nach dem Saison-Start am 2. August zeigen. Die Voraussetzungen sind so schlecht nicht, schließlich stehen Trainer Steinbach und Team-Manager Schöne schon seit vielen Jahren fest zu Sprehe und haben seine oftmals unverständlichen Entscheidungen und Einmischungen immer brav gedeckt und gefördert.
Mit Albert Sprehe hat ein Sponsor Wilhelmshavens Fußballtribüne betreten, dem es um mehr geht, als sein Logo auf den Trikots der Spieler flattern zu sehen.
Positiv am Rande: Die Eintrittspreise wurden auf 5 Euro gesenkt!

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