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Jul 232002
 

Stillstand

herrscht immer noch am Ende der Hermannstraße (vgl. „Kein Handlungsbedarf?“ in Ausgabe 180). Mitte Mai schrieb die Eigentümerin des Hauses Nummer 1 an den Fachbereich Immobilien und an das Straßenbauamt der Stadt, um den Fertigbau der Straße anzumahnen.

Diese Briefe blieben unbeantwortet. Stattdessen gab es „stille Post“: Der neue Eigentümer des Bunkers Ölhafendamm berichtete, Herr Wilke sei etwas unglücklich über die Veröffentlichung seines Schreibens mit Namensnennung im Gegenwind, weil er doch nur Anweisungen seiner Vorgesetzten ausgeführt habe. Außerdem konnte der neue Nachbar berichten, dass der unbefestigte Gullydeckel, der beim Entfernen des an das Grundstück Nummer 1 angrenzenden Gartens zu Tage getreten war, von der Hauseigentümerin und auf deren Kosten ersetzt werden müsse. Es handle sich nicht um einen städtischen Abwasserschacht, sondern um einen Schlammfang, von dem unbekannt sei, wer ihn angelegt habe.Die Nachfrage bei der früheren Besitzerin des Grundstückes ergab keinen Aufschluss – sie hatte keinen Schlammfang angelegt, und ob ihre Mutter oder Großmutter das getan hätten, entzog sich ihrer Kenntnis. Das Entwässerungsamt wusste mehr: Zwar nicht, wer den Schacht angelegt hat, jedoch, dass die Person, die ihn entdeckt und bei der Stadt gemeldet hatte und nun nachfragte, für die ordentliche Befestigung zuständig sei!Hier kann man nun einen kleinen feinen Unterschied beobachten, je nachdem, ob man von der Stadt etwas möchte, wozu diese verpflichtet ist oder ob die Stadt etwas von einem möchte, wozu man nicht verpflichtet ist: In diesem Fall gab es Post. Schriftlich wurde bekräftigt, dass die Besitzerin des Grundstückes Nummer 1 auf eigene Kosten einen ordentlichen Gullydeckel „im öffentlichen Bereich“ (wirklich ein Zitat aus dem Schreiben – dem Verfasser ist also bewusst, dass der Schacht auf städtischen Gebiet liegt!) anzubringen habe.In Sachen Herstellung des Straßenbelags jedoch rührt die Stadt keinen Finger. Auf der Sandkuhle am Ende der Hermannstraße hat sich mittlerweile ein kleines Biotop gebildet. Eine Reihe von Gräsern und Blumen, die ein durchschnittlicher Hobbygärtner als „Unkraut“ bezeichnen würde, hat sich im den vergangenen zwei Monaten angesiedelt. Bald wird es dort wieder schön grün sein. Dann wird auch der unbotmäßige Gullydeckel nicht mehr auffallen.Wie viel würde es die Stadt wohl kosten, diese paar Meter Straße zu pflastern? Mehr, als sie durch den Verkauf eines nie gebauten Wendehammers und die Gebühren für die Neuvermessung der Grundstücke in der Ecke eingenommen hat? (noa)

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