Kohlekraftwerke

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Jun 042008
 

„Maschinen zur Produktion von Wolken“

Jürgen Trittin sprach im Pumpwerk über Kohlekraftwerke

(iz) Am 17. Mai, wenige Tage, bevor der Rat der Stadt die Bauleitplanung für zwei weitere Kohlekraftwerke im Rüstersieler Groden freigeben sollte, waren in Wilhelmshaven zwei hochkarätige Fachleute in Sachen Kohlekraftwerke und alternative Energien zu Gast: Jürgen Trittin, ehemaliger Bundesumweltminister und heutiger Vizefraktionsvorsitzender der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, und Karsten Smid, Klimaexperte von Greenpeace Deutschland

. Auf Einladung der GRÜNEN Wilhelmshaven und der Bürgerinitiative „Zeche Rüstersieler Groden“ sprachen sie im Pumpwerk über die ökologischen und ökonomischen Risiken von Kohlekraftwerken und zeigten zukunftsfähige Alternativen auf. Leider waren unter den etwa 350 Zuschauern keine Vertreter der Ratsfraktionen von SPD, CDU oder FDP – dies wäre eine gute Möglichkeit gewesen, sich noch einmal aus anderer Quelle zu informieren als nur über die Lobby von e.on und Electrabel.Beide Referenten waren übrigens klimafreundlich mit der Nordwestbahn angereist statt mit einem großen Tross gepanzerter PS-starker Limousinen. Trittin zeigte sich gut informiert über die Situation vor Ort, auch das „Gesabbel über Pflanzen, die durch mehr CO2 besonders gut wachsen“ (so behauptete ein Landwirt im Stadtrat) war ihm zu Ohren gekommen. Am Beispiel der massiven Anstrengungen, die Deiche an der Nordseeküste zu erhöhen, schlug er den Bogen zwischen globalen Auswirkungen und lokaler Betroffenheit. Auch Bürgerkriege wie in afrikanischen Ländern sind für ihn Ergebnis des wachsenden Konfliktes um nutzbare Landflächen. „Unterlassener Klimaschutz ist unbezahlbar und vernichtet volkswirtschaftliche Vermögen.“
Weiter bemängelte er die immer noch rückständige Energieeffizienz auch neuer Kohlemeiler: „50 Prozent der Energie gehen als Abwärme in die Jade – solche Kraftwerke sind Maschinen zur Produktion von Wolken“. Auch mit dem Märchen von der Stromlücke, die (laut Kraftwerkslobby) nach Abschaltung der Atomkraftwerke und ohne neue Kohlekraftwerke angeblich droht, räumte Trittin gründlich auf. 2012 sollen laut Klimazielen 12,5% der Energie aus regenerativen Quellen kommen – in diesem Jahr sind es aber schon 15%. 200.000 Arbeitsplätze wurden in diesem Sektor bereits geschaffen.
Eon Kraftwerk WHVVerwundert ist Trittin, weshalb Politik und Energiewirtschaft sich aufgrund angeblicher Abhängigkeit von Lieferungen aus Russland gegen die verstärkte Nutzung von Gas wehren: „Auch Uran und Kohle werden aus Russland bezogen.“ Gleichzeitig erinnerte er an die unmenschlichen Bedingungen, unter denen unsere Importkohle in den Herkunftsländern wie China gewonnen wird.
Trittin ermunterte die WilhelmshavenerInnen zur weiteren kritischen Auseinandersetzung mit dem Thema Kohlekraftwerke. Die „fadenscheinigen Argumente gegen den Bürgerentscheid“ waren ihm bekannt – er erinnerte an den Bürgerentscheid im saarländischen Enzdorf, einem alten Bergbaugebiet. 70% der BürgerInnen beteiligten sich, 2/3 entschieden sich gegen ein neues Kohlekraftwerk, das damit vom Tisch war.
„Wenn es Deutschland wirklich mit dem Klimaschutz ernst ist und die Bundesregierung ihre selbst gesetzten Klimaschutzziele erreichen will, darf kein neues Kohlekraftwerk ans Netz gehen. Durch den Emissionshandel werden der Stromerzeugung 2020 nur noch 280 Mio. Tonnen C02-Emissionen zugebilligt. Für neue fossile Kraftwerke stehen dann nur 21 Mio. t zur Verfügung, um 57 TWh Strom zu erzeugen. Dies bedeutet, dass für jede Kilowattstunde maximal 386 g CO2 anfallen dürfen. Dies ist aber mit Kohlekraftwerken nicht zu erreichen.“
In einigen Jahren ist es vorbei mit kostenlosen Emissionszertifikaten, mit dem „billigen“ Kohlestrom und damit auch den lukrativen Unternehmensgewinnen: „Die Bürgerinitiative schützt letztlich auch das Vermögen von e.on und Electrabel“. Laut Karsten Smid könnte sogar die Stadt später wegen Klimafolgeschäden juristisch belangt werden.

 

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