Hafenmodell

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Jun 042008
 

Sehr schön, aber ...

Das traurige Schicksal einer guten Idee

(iz/noa) Seit Jahren bauen vier gestandene Männer an einem Modell herum, haben es fertiggestellt, wieder umgebaut und noch einmal wieder umgebaut. Alle, die es sehen, finden es schön. Dennoch scheint niemand es zu wollen, obwohl (fast) jeder es umsonst bekommen könnte.


Hist AKDie vier gestandenen Männer nennen sich heute ehemaliger Historischer Arbeitskreis des DGB, und dass dieses „ehemaliger“ dabeisteht, hat auch etwas damit zu tun, dass niemand ihr Werk zu wollen scheint. Das Modell ist ein 3 mal 6 Meter großes Hafenbecken nebst einer kleinen Werft. Hergestellt wurden die beiden Stücke für das Küstenmuseum. Begonnen wurde die Arbeit zu einer Zeit, als das Küstenmuseum noch im Keller des City-Hauses (jetzt Ratrium) ein trauriges Schattendasein fristete; gearbeitet wurde, als es einige Zeit gar kein Küstenmuseum gab, sondern seine Exponate in Kisten verpackt darauf warteten, dass es irgendeinen besseren Platz für sie gäbe.
Damals gründete sich der „Förderverein Neues Küstenmuseum“, dessen Mitglieder auch Vorstellungen über ein Museumskonzept entwickelten. Ein Museum mit pädagogischem Anspruch sollte es werden, in dem „das Verständnis für Geschichte möglichst früh geweckt (wird) und in Begegnung mit Heimatgeschichte“ anfängt. Das Hafenbecken nebst Werft ermöglicht es, Kinder spielerisch an die Geschichte Wilhelmshavens heranzuführen.
„Die Werft verfügt über ein Schwimmdock, ein Trockendock mit ausfahrbarem Tor und einer mechanischen Wasserpumpe (mit der das Trockendock ‚von Hand’ geleert werden kann), eine Slipanlage sowie Anleger und Piers. Dazu gehören zwei Dockkrane und ein großer Containerkran, der auf der Seitenauflage des Hafenbassins bedient wird. Dock- und Sieltore, die Helling, Wasserpumpe und Kräne sind alle manuell zu bewegen. Die Kinder und andere Besucher können – im Zeitraffer – Ebbe und Flut erleben: Mittels zweier elektrischer Pumpen werden maximal 4.200 l Wasser in das Becken gepumpt und über ein Rohrsystem wieder in die darunter liegenden drei Vorratsbehälter zurückgeführt.“ So beschreiben die Erbauer selber das Exponat. Dabei darf nicht unerwähnt bleiben, dass die „Kinderwerft“ zentraler Teil des pädagogischen Gesamtkonzeptes „Mensch-Natur-Technik-Region“ ist, das wir im Mai 2002 (Ausgabe 179) ausführlich vorgestellt haben.
Warum das Stück nicht schon längst im Küstenmuseum steht, ist eine lange Geschichte voller Frust und Ärger, die hier jetzt nicht in epischer Breite erzählt werden soll. Im Ergebnis fühlt sich der Arbeitskreis, so vermittelt uns dessen Sprecher Hartmut Büsing, von vielen ehemaligen Unterstützern im Stich gelassen. Es gab schriftliche Vereinbarungen, an die sich die Betreiber des Küstenmuseums später nicht mehr gebunden fühlten. Auch der DGB konnte das juristisch nicht durchsetzen. Manfred Klöpper, damals Gewerkschaftssekretär in Wilhelmshaven, ist bis heute begeistert und überzeugt von dem Projekt und dem Gesamtkonzept. „Wir wollten immer ein Werft- und Marinemuseum, als Ort, wo Geschichte diskutiert werden kann.“ Das Marinemuseum am Südstrand ist ein reines Offiziers- und Militärmuseum. Vermutlich fürchtet die Lobby des Marinemuseums ernsthafte Konkurrenz, wenn im Küstenmuseum der andere, fehlende Teil der Werft- und Marinegeschichte aufgegriffen wird. Anders lässt sich kaum erklären, warum sich die Spitzen von Rat und Verwaltung vom Arbeitskreis abgewandt haben. „Früher bezeichnete OB Menzel Hartmut Büsing als ‚historisches Gewissen der Stadt’ „, erinnert sich Klöpper. Heute erhält Büsing seine Post an den OB ungeöffnet zurück.
Zwischenzeitlich hat der Arbeitskreis sein Modell auch anderen Museen angeboten, auch außerhalb Wilhelmshavens. Mehrere Verantwortliche in Folge zeigten großes Interesse – deshalb die erwähnten Umbauten – und haben es am Ende doch nicht genommen. In ihrer Darstellung des Projekts rechnen die vier Männer dem Leser sogar schon den Schrottwert vor.
Nun scheint es endlich doch etwas zu werden. Nach dem Gespräch mit Hartmut Büsing sprach der Gegenwind mit Raymon Kiesbye, seit einem Vierteljahr Chef der WTF. Kiesbye findet, dass die Arbeit gut in das Küstenmuseum passt. In dieser Woche tagt der Aufsichtsrat, da will er u.a. dieses Thema besprechen. Gegenwärtig gibt es allerdings im Küstenmuseum ein Platzproblem. Doch nach einer Verlegung des Eingangs (der sowieso ungünstig platziert ist) und der Räumung des Magazins könnte das Hafenmodell samt Werft Aufnahme im Küstenmuseum finden. Was lange währt…

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