wurde die Gründung eines sozialistischen Arbeitskreises innerhalb der SPD. Die Jusos und einige andere SPD-Mitgliederlnnen reichten einen schriftlichen Antrag zur Genehmigung des Arbeitskreises beim Unterbezirksvorstand der Wilhelmshavener SPD ein. Ziel des Arbeitskreises war es, ein „Sammelbecken der linken Kräfte“ zu schaffen. Der UB-Vorstand lehnte den Antrag mit der Begründung ab, daß es „so etwas ja schon mal gegeben hätte“, und es nicht „gebraucht würde“. Nun gründeten die linken GenossInnen einen Sozialistisch-Demokratischen-ArbeitnehmerInnen-Verein. (ft)
Nichts ist umsonst
Die Wiederbelebung der Frauenliste: Nur auf den ersten Blick ein Flop
(ub/iz) Gut vierzig Frauen und Männer kamen am 29. Mai auf Einladung der Frauenliste in der „Perspektive“ zusammen, um unter dem Motto „Resignation ist keine Lösung“ neue Wege der WählerInnengemeinschaft zu diskutieren und im besten Fall gleich – in Blickrichtung auf die Kommunalwahl- zu beschreiten. Am Ende zeigte sich, daß zwischen den Alternativen „Aufgeben“ und „Wahlkampf fürs Ratsmandat“ noch andere Lösungen möglich und unter Umständen vielversprechender sind.
Wie nicht anders zu erwarten, wurde auch das jüngste Stück von Hartmut Herzog umjubelt und mit „Standing Ovations“ wurde er selber vom Publikum gefeiert. In Gesprächen in der Stadt traute sich kaum jemand, zu sagen, dass es bis auf einige schöne Lieder einfach grausam und peinlich war. Es geht nicht darum, die Leistung der Mitglieder der „Duke’s Mad Company“ zu schmälern – im Gegenteil, was diese Laientruppe auch wieder mit diesem Stück leistete, steht außer Frage. Doch so langsam sollten sich die Laien zu schade für Herzogs plumpe Stücke sein. (hk)
Mit schwerem Geschütz ziehen die Grünen gegen die SPD ins Feld
(hk) Eine Äußerung von OB Menzel im letzten GEGENWIND brachte das Blut der beiden grünen Ratsmitglieder Marianne Fröhling und Gerd Kläne nochmals in Wallung. Der OB unterstellte Gerd Kläne, daß er versucht habe, aus den Anschuldigungen in der Süddeutschen Zeitung gegen ihn (Kontakte mit Leuten aus dem rechtsradikalen Spektrum) politisches Kapital zu schlagen. In einem Gespräch stellten die beiden Grünen ihre Sichtweise dar und orten ein kleines Watergate an der Jade.
Watt wurmt den Wattwurm wirklich?
10 Jahre Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer: Kids, Kunst, Film, Rockmusik und meh/er und keine Resignation trotz „Schwarzer Flecken“
(iz) Leicht entsteht der Eindruck, Wilhelmshaven liegt am Ende der Welt, der Bahnstrecke, der Autobahn und der Entwicklung schlechthin. Zumindest in einem Fall liegt es sehr zentral: unter den Küstengemeinden zwischen Emden und Cuxhaven, vor deren Toren der zweitgrößte deutsche Nationalpark liegt. Nicht von ungefähr ist die Jadestadt Sitz der Nationalparkverwaltung und demnächst auch des Wattenmeerhauses als größtes Umweltbildungszentrum der Küste.
Alle Kräne stehen still
Bahnhofszentrum: Eine Pleite, die keine ist, weil sie keine sein darf
(hk) Seit dem 17.Mai 1996 ruht die Baustelle fiir das Bahnhofszentrum – der Generalunternehmer Kunz (einer der ganz großen in Deutschland) mußte Konkurs anmelden. Schnell breitete sich die Vision einer riesigen Bauruine im Zentrum der Stadt aus. Dem wurde genauso schnell gegengesteuert. Da ja nur das Bauunternehmen Pleite gemacht hat, steht einer Fertigstellung des Komplexes, natürlich termingerecht, nichts im Wege. Der Bauherr steht weiterhin bereit.
Bis zum Jüngsten Gericht
WZ-Verleger Manfred Adrian verlor erneut Prozeß
(hk) Auch in der dritten Runde des Prozesses gegen die Süddeutsche Zeitung hatte der WZ-Verleger Manfred Adrian das Nachsehen. Das Oberlandesgericht Stuttgart sah es nicht als unzulässige Schmähkritik an, daß er in dem Handlögten-/Venske-Artikel als Republikaner-Freund bezeichnet wurde. Adrian will in die nächste Instanz gehen.
Die Nordseepassage: Eine städtebauliche Todsünde
Wilhelmshavens Bürger/innen sehnen sich nach ihrem alten Bahnhof zurück
Inhalt
Der Konkurs der Beta-Raffinerie zeigt, daß das Beta-Fundament auf tönernen Füßen steht. Wie das Raffinerie-Schiff wieder flott gemacht werden soll, darüber sprachen wir mit Hans van Weelden.
Geschäft und Politik sind ein und dasselbe, so lautet die Philosophie eines SPD-Ratsmitgliedes, der seinen Seeräuberhort am Südstrand etwas aufpeppen will. Wir beschreiben wie er seine Philosophie in der Praxis anwendet.
„Jeder einzelne muß genau wissen: Fahnenflucht kostet den Kopf.“ (Dönitz-Erlaß). Das Antifaschistische Bündnis Wilhelmshaven will den Opfern der Nationalsozialistischen Militärjustiz ein Denkmal setzen.
Der Störtebeker-Park an der Freiligrathstraße fristet in Wilhelmshaven ein Schattendasein. Wir berichten über die Zukunft des Parks.
Oberbürgermeister Menzel bringt in einem GEGENWlND-Gespräch seine Enttäuschung darüber zum Ausdruck, daß viele Wilhelmshavenerlnnen den gegen ihn vorgebrachten Vorwürfen Glauben schenken. „Hinterlegte Lügen“ haben wir den Artikel überschrieben.
Zum dritten Mal geht es im GEGENWIND um den Austritt mehrerer Personen aus dem Bündnis 90/Die Grünen. Andreas Kout nimmt ausführlich Stellung zu den von Werner Biehl im letzten GEGENWIND aufgestellten Behauptungen.
Die Druckausgabe: Gegenwind 134
Wilhelmshaven ächzt unter der tonnenschweren Last des verklinkerten Plattenbaus zwischen Ebert- und Bahnhofsstraße, der schon jetzt den Bahnhof und in Kürze wohl auch die gesamte Marktstraße ersetzen soll. Die zumeist älteren ZuschauerInnen bringen ihr Grauen nicht nur hinter vorgehaltener Hand zum Ausdruck: „Unglaublich“, „Ekelhaft“, „Scheußlich“, ja sogar Forderungen, daß die Verantwortlichen dafür eingesperrt gehören – das sind einige der Äußerungen, die wir innerhalb einer Viertelstunde am Bauzaun aufschnappen konnten.
Besucher der Stadt schlagen, „Großer Gott“ stammelnd, die Hände über dem Kopf zusammen. Fachleute mögen gar nicht glauben, dass der auf dem Bauschild genannte Architekt dafür verantwortlich sein soll: „Der hat doch einen so guten Namen!“ So glaubt auch kaum noch jemand daran, daß die Türmchen, Glas- und Stahlverkleidungen dem Bau noch etwas von seinem Bunkercharakter nehmen können. Zu sehr prägen die langen Seitenflügel das gesamte Gebäude.
Während der Bau weiter fortschreitet, packen die alteingesessenen Geschäftleute Wilhelmshavens (Ostendorf, Tiemann, Jahnke, Freese, Falkenberg) ihre Sachen und ziehen sich aufs Altenteil zurück oder wenden sich neuen Zielen zu. Der Marktstraßenbereich entwickelt sich mit ungeheurer Geschwindigkeit zu einer Meile von Billiganbietern des Schuh- und Textilgewerbes, Frittenbuden und anderen namen- und gesichtslosen Geschäften. Wenn die Nordseepassage dann irgendwann einmal ihre Pforten öffnet, werden weitere Geschäfte um des Überlebens willen dorthin übersiedeln. Wahrhaft eine städtebauliche Meisterleistung! (hk)
Das obige Bild ist als Aufkleber im Reisecentrum (so heißen Bahnhöfe heute) erhältlich
Die Tschernobylkatastrophe
ist Thema einer Ausstellung, die derzeit in der GalerieM gezeigt wird und an der sich mehrere Wilhelmshavener Künstler beteiligen. So gut wie ohne Beteiligung der örtlichen Politprominenz (Ausnahme: Bernhard Rech, CDU) eröffnete die Landesumweltministerin Monika Griefahn (SPD) die Ausstellung anlässlich des zehnten Jahrestages der Atomkatastrophe in der ehemaligen Sowjetunion. Die Galeristin Christa Marxfeld äußerte sich gegenüber dem Gegenwind „verwundert und enttäuscht“ , daß sich kein offizieller Vertreter der Stadt an der einzigen (!) Veranstaltung in Wilhelmshaven zur Erinnerung und Mahnung an die Reaktorkatastrophe in der GalerieM in der Kanalstraße eingefunden hatte. Monika Griefahn machte in ihrer Eröffnungsrede die Gefahren der sogenannten friedlichen Nutzung der Kernenergie deutlich und erinnerte an die Opfer des Super-Gaus in Tschernobyl.
Die jetzt anstehenden Castortransporte quer durch Niedersachsen mit Atommüll aus Frankreich erwähnte Griefahn zur Verwunderung vieler Galeriebesucher mit keinem Wort. (ub)
wohl gesonnene Oberbürgermeister Eberhard Menzel ist jetzt bei uns als Werbefachmann aktiv. Sein Erstlingswerk stellte er am 17.4.96 vor großem Publikum und Presse in den heiligen Hallen des Rathauses vor: „Das Blatt, das keiner kennt, das aber alle lesen.“ Bravo, Eberhard, weiter so! Irgendwann wirst Du einen Deiner Werbesprüche auf dem Cover des Gegenwind lesen können! (hk)
– so sagt der Volksmund – kehren gut. Hier soll nicht die Rede sein vom Trainerwechsel in südlichen Gefilden. Bekanntlich hat auch die Führungsriege des Wilhelmshavener Tierheims fast komplett gewechselt. Durch eine jetzt nach der Umstrukturierung der Chefetage erfolgte Kündigung einer Tierpflegerin, die ihren Arbeitsvertrag noch von Frau Iken erhalten hatte, erfuhren wir von den erheblichen personellen Konsequenzen, die die unrühmlichen Vorgänge im Wilhelmshavener Tierheim nach sich zogen. In einem Gespräch mit dem Gegenwind wies die neue 1. Vorsitzende Helga Leerhoff den Vorwurf einer jetzt gekündigten Tierpflegerin, daß ihre Kündigung lediglich im Zusammenhang mit einem „guten Verhältnis zur ehemaligen 1. Vorsitzenden Heidi Iken“ stehe, zurück. Leerhoff gegenüber dem Gegenwind: „Der Verein hat im vergangenen Jahr über 300 000.- DM minus gemacht. … Der alte Vorstand hatte von der Stadt die Aufforderung bekommen, Personal zu reduzieren … Es sind mehrere Mitarbeiter entlassen worden. Das Tierheim braucht keine Putzfrau. Das haben in früheren Zeiten die Tierpflegerinnen hier auch übernommen.“ Nicht verzichten will Leerhoff jedoch auf langjährige MitarbeiterInnen, die unter der Regentschaft von Heidi Iken mehr oder weniger freiwillig das Handtuch geworfen haben. „Gegen Frau Marschner ist von Seiten Mutter und Tochter lken Mobbing betrieben worden. Frau Marschner ist eine hochqualifizierte Kraft … , die hab ich mir wieder rein geholt.“ (Leerhoff) Im übrigen drücken nicht nur personelle Probleme. Denn, so Leerhoff: „Mir steckt die Staatsanwaltschaft und die Polizei im Rücken. Das Finanzamt sitzt uns auf der Pelle.“
Der Neuanfang steht somit wohl noch auf unsicheren Beinen. Helga Leerhoff: „Ich habe seit Antritt meines Amtes einen Juristen zur Seite, der uns vereinsmäßig jetzt begleiten wird. Ich werde ohne Juristen hier nichts machen“.(ub)
möchte der Bürgerverein Bant in seinen Reihen haben. Der langjährige Vorsitzende des türkischen Vereins und Inhaber zahlreicher ehrenamtlicher Tätigkeiten, Kazim Eryasar, stellte am 1. April 1996 einen Aufnahmeantrag in eben diesen Bürgerverein Bant. Denn Bant ist schließlich seit vielen Jahren der Wohn- und Lebensmittelpunkt von Herrn Eryasar und seiner Familie.
Der Antrag wurde vom Bürgerverein auch prompt bearbeitet. Bereits am 5.April bekam er Post vom Verein. Kurz und bündig heißt es darin:
Sehr geehrter Herr Kazim! Ihr Antrag auf Aufnahme vom 1. April 1996 in den Bürgerverein Bant von 1881 e.V. ist abgelehnt worden. Hochachtungsvoll Felix Haubrich, 1.Vorsitzender (Anbei Ihr Aufnahmeformular zurück)
Das ist ja ein feiner Bürgerverein mit einem feinem Vorsitzenden! (hk)
kam der SPD-Ratsherr Walter Heide auf der Ratssitzung am 17.4.96, als er im Namen der SPD-Fraktion den Antrag stellte, daß nur der SPD-Abschlußbericht (zum Ausschuß für besondere Angelegenheiten) als zutreffend beschlossen werden solle. Der von Udo Bergner verfaßte Antrag wurde Walter Heide im Beisein der Ratsmitglieder Menzel, Bergner und Trenne von Parteichef Schmidt übergeben. In einem Brief „An alle Mitglieder der SPD/FDP-Gruppe“ schreibt Walter Heide dazu: „Jeder in der Fraktion weiß, daß ich übernommene Aufgaben auch durchführe, weiterhin halte ich es für einen unhaltbaren Zustand, wenn man gegenüber Anträgen des eigenen Fraktionsvorstandes grundsätzlich misstrauisch sein müßte.“
Nun, der Antrag war gestellt, aber nach der Rede von OB Menzel schwebte ein Geist von kollektiver Betroffenheit durch den Ratssaal, es wurden Rufe laut: „Unverschämtheit“, „Heuchelei“,“Skandal“ (WZ). Tränen flossen. Die Prügel bekam Walter Heide, der den Antrag schließlich, wohl ohne Vorstandsbeschluß, zurückzog.
Der Antrag war sicherlich in seiner Formulierung eher dumm, aber nun muß die SPD damit leben, daß auch das CDU-Papier zum Trögeler-Ausschuß für bare Münze genommen werden muß. (hk)


