Zeitarbeit

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Jun 282000
 

„Arbeit mit Zukunft“

Zeitarbeitsfirma randstad sitzt jetzt auch in Wilhelmshaven – Wie funktioniert das Konzept der Zeitarbeit?

(noa) Vor 20 oder 30 Jahren galt es fast als eine Schande, beim „Seelenverkäufer“ arbeiten zu müssen. Ein ordentlicher Arbeitsplatz möglichst lebenslang beim selben Betrieb, Wechsel der Firma nur zum Zweck des Aufstiegs, das waren Werte. In vielen Köpfen ist das immer noch der Fall. In den letzten 20, 30 Jahren gab es aber auch einen gewaltigen Wandel. Es entstanden neue Konzepte von Arbeit, die für die Älteren unter uns stark gewöhnungsbedürftig sind, mit denen wir uns vielleicht gar nicht anfreunden mögen, mit denen die Jüngeren aber aufwachsen.

Kaum noch jemand bekommt auf Anhieb einen unbefristeten Arbeitsplatz; viele Lebensläufe weisen Zeiten der Arbeitslosigkeit auf. Zeitarbeit wird von Wilhelmshavener Firmen schon lange in Anspruch genommen; sie beziehen bei kurzfristigem hohen Arbeitsanfall Arbeitskräfte von „Personaldienstleistungsfirmen“, bisher von solchen, die in Oldenburg oder weiter weg ihren Sitz haben. Seit gut einem Monat gibt es auch in Wilhelmshaven eine Zeitarbeitsfirma: Der Marktführer randstad hat Ende Mai seine 260. Niederlassung in der Marktstraße 58 eröffnet.

Innerhalb der ersten vier Wochen hat randstad 20 MitarbeiterInnen eingestellt, z.T. unbefristet. Kaufleute, Bürokräfte, Lager- und Versandarbeiter, Call-Center-Agents, EDV-Fachkräfte und anders qualifizierte Arbeitskräfte können jederzeit an Firmen, die zwischenzeitlich einen erhöhten Arbeitskräftebedarf haben, ausgeliehen werden. Sie sind ArbeitnehmerInnen der Firma randstad mit Anspruch auf 30 Tage Urlaub im Jahr, bekommen Urlaubs- und Weihnachtsgeld und vermögenswirksame Leistungen und auch dann ihren Lohn/ihr Gehalt (nach einem Haustarif, der mit den Marktlöhnen/-gehältern vergleichbar ist) weiterbezahlt, wenn sie gerade nicht im Einsatz sind. Das ist das Risiko der Zeitarbeitsfirma, und das ist auch so gewollt. Das „Polster“ an Arbeitskräften, die nicht im Einsatz und damit frei verfügbar sind, ist im Tarif, den die ausleihenden Firmen für die überlassenen Arbeitskräfte bezahlen, enthalten. Dafür haben sie die Garantie, auch sehr kurzfristig Ersatz zu bekommen, wenn ein Mitarbeiter ausfällt oder sehr viel zu tun ist.
Wer sich auf Zeitarbeit einlässt, muss sich von der Vorstellung, Tag für Tag zu denselben Zeiten im selben Betrieb dieselbe Tätigkeit zu verrichten, verabschieden. Der hässliche Beigeschmack, den die Begriffe „Flexibilität“ und „Mobilität“, besonders wenn sie von Politikern oder Arbeitgebern genannt werden, in den letzten Jahren bekommen haben, ist hier jedoch nicht dabei, denn die Bezahlung läuft kontinuierlich weiter. Wer sich darauf einlassen will, kann die positiven Seiten der Flexibilität und Mobilität erfahren, kann Erfahrungen sammeln und das eigene Können unter unterschiedlichen Bedingungen erproben und entwickeln, ohne immer wieder einen neuen Job suchen zu müssen.
Wie uns Jutta Hinrichs, die die Wilhelmshavener randstad-Niederlassung leitet, darlegte, werden ihre Dienste jedoch nicht nur von Firmen genutzt, die schnell für kurze Zeit Arbeitskräfte benötigen, aber sie nicht selber suchen und einstellen wollen. Auch wenn ein Betrieb eine Planstelle besetzen will, kann er den „Personaldienstleister“ in Anspruch nehmen. randstad sucht die passende Arbeitskraft aus und erledigt die notwendigen Formalitäten. Der Betrieb kann den Mitarbeiter sofort selber einstellen und zahlt eine Provision für die Vermittlung. Er kann den Mitarbeiter aber auch zunächst „leihweise“ bekommen. Es ist praktisch eine verlängerte Probezeit, kommt dem Betrieb aber auch zugute, wenn sich nach einigen Monaten herausstellt, dass die Auftragslage rückläufig ist und er den Beschäftigten nicht behalten kann. Der Mitarbeiter wird dadurch jedoch nicht arbeitslos; er steht nach wie vor in Lohn und Brot bei randstad und wird einem anderen Betrieb überlassen.
Beim Arbeitsamt sieht man die „Arbeitnehmerüberlassungsfirmen“ positiv. Ohne Zahlen nennen zu können, weist das Arbeitsamt Wilhelmshaven darauf hin, dass Leiharbeitskräfte eine Chance auf einen „traditionellen“ Arbeitsplatz erhalten, die sie nicht bekommen würden, wenn Firmen ihre Engpässe stets mit Überstunden überbrücken würden. Den Löwenanteil bei der Arbeitsvermittlung leistet nach wie vor das Arbeitsamt – allerdings längst nicht so flott wie eine Zeitarbeitsfirma, die ihre festangestellten Leute schicken kann.
„Arbeit mit Zukunft“ ist die Broschüre der Firma randstad betitelt. Wahrscheinlich sind Konzepte wie dieses die Zukunft der Arbeit.

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