Köbis-Reichpietsch-Platz

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Aug 262018
 

Gedenken an den Matrosenaufstand

Der Arbeitskreis "November-Revolution Wilhelmshaven" auf dem Köbis-Reichpietsch-Platz. Foto: Imke Zwoch

Der Arbeitskreis „November-Revolution Wilhelmshaven“ auf dem Köbis-Reichpietsch-Platz. Foto: Imke Zwoch

(iz) Im Rahmen einer Gedenkveranstaltung an den Matrosenaufstand von 1917/18 wurde heute der alte Rathausplatz in der Wilhelmshavener Südstadt (Göker-/ Ecke Rheinstraße) in „Köbis-Reichpietsch-Platz“ umbenannt. Der Anlass: Am 26. August 1917 verhängte das Marine-Gericht Wilhelmshaven die Todesurteile gegen den Heizer Albin Köbis und den Matrosen Max Reichpietsch, die als Anführer des Aufstandes galten, der ein Jahr später zum Kriegsende erneut entflammte und das Ende des Kaiserreichs besiegelte. Beide wurden am 5. September 1917 auf dem Schießplatz in Köln-Wahn hingerichtet. Initiiert wurde diese – vorerst symbolische – Platzbenennung vom Arbeitskreis „November-Revolution Wilhelmshaven“.

Vor einem halben Jahr hatten Mitglieder der Partei Die Linke, der DKP und MLPD als auch parteilose unabhängige Linke den Arbeitskreis gegründet, um in den öffentlichen Diskurs über dieses historische Ereignis einzugreifen. Anlässlich des 100. Jahrestages der Matrosenaufstände haben Ratsparteien, Stadtverwaltung und Historiker das Thema in unterschiedlichen Formaten aufgegriffen: So installierte das Marinemuseum einen Informations-Parcours zu den Schauplätzen des Marineaufstands im Stadtgebiet, bis zum 11. November 2018 ist im Museum die Sonderausstellung „Die See revolutioniert das Land“ zu sehen. Nach Ansicht des Arbeitskreises „November-Revolution Wilhelmshaven“ wird die Geschichte von offizieller Seite jedoch nicht angemessen aufgearbeitet. „Mit den ‚offiziellen‘ Veranstaltungen wird die Novemberrevolution verballhornt, ihre Ziele werden verdreht und ihr wird eine Ehre zuteil, als sei sie als Geburtsstunde unserer heutigen Demokratie zu verstehen“, so Michael Clemens (Die Linke). „Die Wahrheit ist: diese Revolution und ihre Revolutionäre waren weder vom Militär noch von der SPD gewünscht von und wurden mit Waffengewalt rücksichtslos niedergeschlagen.“

Blume_Köbis-ReichpietschAnfang des Jahres hatte Ratsherr Florian Wiese (Die LINKE) den Antrag gestellt, den Platz am Kaiser-Wilhelm-Brunnen in Köbis-Reichpietsch-Platz umzubenennen. Offiziell heißt er bislang „Zum Alten Rathaus“. In den Fachausschüssen und im Rat wurde der Antrag mehrheitlich abgelehnt, da er angeblich keinen historischen Bezug zu den beiden Persönlichkeiten besitzt. Stattdessen wurde der Beschluss gefasst, den Platz des geplanten Denkmals für die Novemberrevolution an der nördlichen Gökerstraße in der Größe von ca. 30m² bis 40m² gegenüber der Gaststätte Casablanca (früher: Elisenlust) in „Köbis- und Reichpietsch-Platz“ umzubennen. Am 10. November 2018 soll dort das Revolutionsdenkmal enthüllt werden.

Foto: Imke Zwoch

Foto: Imke Zwoch

Bei der Gedenkveranstaltung des linken Arbeitskreises legte Conrad von Pentz (MLPD) hingegen dar, dass die entsprechende Umbennenung des alten Rathausplatzes in Köbis-Reichpietsch-Platz durchaus berechtigt wäre: Im dahinter gelegenen Gebäudekomplex befand sich damals das Marineuntersuchungsgefängnis, in dem Köbis und Reichpietsch inhaftiert waren und zum Tode verurteilt wurden. (siehe auch Informationsparcours „Wilhelmshaven und die Revolution 1918/19“, Info zur Stele 2).

Auch im darauf folgenden Revolutionsjahr spielte der Platz an der heutigen Ecke Göker-/Rheinstraße eine zentrale Rolle: Die Großdemonstration am 6.11.1918, die das Ende des Krieges und den Aufbruch in eine neue Zeit besiegelte, ging genau von diesem Platz aus. Tausende gingen auf die Straße aus Solidarität mit den Matrosen, die wenige Tage zuvor verhaftet wurden, weil sie sich geweigert hatten, zu einer letzten Seeschlacht gegen England auszulaufen. Erst vier Tage später, am so genannten Freiheitssonntag, versammelten sich um die 100.000 Menschen an der ehemaligen Grodenschule an der nördlichen Gökerstraße in Höhe der damaligen Elisenlust zur Großkundgebung mit Ausrufung der Sozialistischen Republik Oldenburg-Ostfriesland.

 

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