Imke

Aug 112020
 

Ein Klient der Igelstation Voslapp. Foto: Imke Sindern

Ein Klient der Igelstation Voslapp. Foto: Imke Sindern

Seit 10 Jahren gibt es in Voslapp und in Accum zwei ehrenamtlich tätige Igelstationen. Jedes Jahr werden dort bis zu 800 hilfebedürftige Igel und auch weitere Wildtiere aus der ganzen Region aufgenommen und aufgepäppelt. Am Samstag wurde bekannt, dass die Zukunft der Igelstationen infrage steht, weil der Tierschutzverein Wilhelmshaven und Umgebung die Zusammenarbeit aufgekündigt habe.

Weiterlesen »

Jun 272020
 

Pressemitteilung der Initiatoren des Bürgerbegehrens gegen den Bau einer Stadthalle am Banter See

„Nachdem der Rat der Stadt Wilhelmshaven in seiner Sitzung vom 24.06.2020 beschlossen hat, eine unverbindliche Einwohnerbefragung zum Thema „Stadthalle“ durchzuführen, wollen einige Gegner einer Stadthalle im Banter-See-Park Nägel mit Köpfen machen und den Bürgern die Entscheidung überlassen, an die der Rat dann gebunden ist.

Dazu soll zunächst ein Bürgerbegehren in die Wege geleitet werden, das bei ausreichender Beteiligung letztlich zum Bürgerentscheid nach § 33 des Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetzes (NKomVG) führt.

Das Gelände um den Banter See dient vielen Wilhelmshavenern als Freizeit- und Erholungsgebiet in einem natürlichen Umfeld. Bei einer Bebauung und damit Versiegelung dieser Fläche wird es danach sowohl den Banter-See-Park, als auch alternative, touristische Perspektiven nicht mehr geben.

Die beiden Weltnaturerbe-Leuchttürme, das „Trilaterale Wattenmeerzentrum“ und die „Seeschwalbenkolonie“ brauchen ein ökologisches Umfeld, das mit der Bebauung durch eine Stadthalle unwiederbringlich zerstört wäre.“

Jun 262020
 

Pressemitteilung der Gruppe FDP/FW im Rat der Stadt zur Diskussion um eine neue Stadthalle

„Wenn es schon eine Einwohnerbefragung gibt, die wir aus zahlreichen Gründen nicht für sinnvoll erachten, so eröffnet sie jetzt die Chance, die von den Gutachtern einseitig bewerteten Standorte neu zu betrachten,“ sagte FDP/FW-Gruppensprecher Dr. Michael von Teichman.

„Und wir befürworten den Standort Südzentrale und hoffen, dass viele der Bürger, die sich in den vergangenen Jahren für sie eingesetzt haben, erneut eine große Bürgerinitiative bilden und dafür sorgen, dass hier endlich ein Schandfleck beseitigt wird. Das Gebäude könnte deutlich kleiner als am Banter See vorgesehen erstellt werden und damit kostengünstiger werden. Die verkehrliche Anbindung ist ausgezeichnet, insbesondere auch für den Norden unserer Stadt (Friesendamm, Jachmannbrücke), es gibt zahlreiche Restaurants und Kneipen in der Umgebung, dazu viele Hotels, zu denn weiter kommen könnten. Auch ist hier eine große Zahl kultureller Einrichtungen angesiedelt und der Südstrand lädt nach einer Veranstaltung zum Bummeln ein.“

Gegen den Standort werde das Argument angeführt, es gehöre nicht der Stadt. „Auch die jetzige Stadthalle haben wir für 9 Mio.€ gekauft und werden noch an den Krediten zahlen, wenn die Halle schon gar nicht mehr existiert.“

Hingegen sei der Standort Banter See von den Gutachtern ersichtlich voreingenommen bewertet worden. „Allein die völlig unzureichende Anbindung für die Autofahrer – im Grunde nur über die Emsstraße – wurde nicht zur Kenntnis genommen. Außerdem wollen wir diesen Bereich der Stadt als Naherholungsgebiet und Naturrefugium erhalten wissen.“

Jun 242020
 

Presseinformation des niedersächischen Wirtschaftsministers

„Wirtschaftsminister Dr. Bernd Althusmann hat heute für das Land Niedersachsen gemeinsam mit der Stadt Wilhelmshaven, der Salzgitter AG, Uniper und der Rhenus-Gruppe eine gemeinsame Absichtserklärung über die Erstellung einer Machbarkeitsstudie für die Errichtung einer Eisenerz-Direktreduktionsanlage unter Einsatz von Wasserstoff am Tiefwasserhafen Wilhelmshaven vereinbart. Dazu erklärt Althusmann:

„Dank innovativer Unternehmen im Land und erneuerbarer Energien vor der Haustür bietet Niedersachsen ideale Voraussetzungen für eine starke Wasserstoffwirtschaft entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Durch die kürzlich vom Bund vorgelegte nationale Wasserstoffstrategie sind die Chancen für eine zeitnahe Realisierung wegweisender Vorhaben wie etwa dem „SALCOS“-Projekt der Salzgitter AG zur CO2-reduzierten Stahlerzeugung erheblich gestiegen. Wilhelmshaven ist für die Produktion und industrielle Nutzung von grünem Wasserstoff ein idealer Standort: Neben dem Tiefwasserhafen verfügt die Stadt über eine hervorragende Infrastruktur, eine hohe Windenergie-Leistung, Anschlüsse an das Höchstspannungsnetz sowie einen Zugang zu Pipelines und Speicher-Kavernen. Damit verbunden ist für Wilhelmshaven auch die Chance, seine Position als eine der großen Energiedrehscheiben im Nordwesten Europas weiter auszubauen und den durch den Kohleausstieg bedingten Umstrukturierungsprozess erfolgreich zu gestalten. Die Dekarbonisierung der Stahlherstellung mithilfe von Wasserstoff – bei der Erreichung der Klimaziele wäre das für die deutsche Stahlindustrie ein Meilenstein. Umso mehr freue ich mich, dass Niedersachsen durch die Salzgitter AG und die Stadt Wilhelmshaven maßgeblich an diesem wichtigen Projekt beteiligt ist.“

Die Machbarkeitsstudie soll die mögliche Errichtung einer Direktreduktionsanlage zur klimafreundlichen Herstellung von „Direct Reduced Iron“ (DRI; sogenannter Eisenschwamm) samt dazugehöriger Infrastruktur in Wilhelmshaven bewerten. Das auf diesem Weg nahezu CO-2-frei hergestellte DRI könnte anschließend auf der Schiene zur Weiterverarbeitung an die Standorte der Stahlindustrie transportiert werden. Ende März 2021 sollen die Ergebnisse der Studie vorliegen.“

Jun 232020
 

Am Samstag, den 27.6 findet um 14 Uhr auf dem Valoisplatz in Wilhelmshaven eine Demonstration gegen Rassismus statt. Jede*r ist willkommen, ob jung oder alt – gemeinsam gegen Rassismus! Teilnehmende sollen am Ort der Demo aus gegebenen Anlass einen Mund-Nasen-Schutz tragen und sich an die Abstandsregeln halten. Die Demo wird von einer Gruppe unabhängiger junger Menschen organisiert, die ein Zeichen gegen Rassismus setzen wollen.

Jun 232020
 

Standort Stadthalle am "Banter See Park" ?!?

Laut Bundesumweltministerium werden täglich in Deutschland rund 56 Hektar als Siedlungs- und Verkehrsflächen neu ausgewiesen. Dies entspricht einem Flächenverbrauch von circa 79 Fußballfeldern. Will Wilhelmshaven da weiter mitmachen???

Es sollten in unserer „Grünen Stadt am Meer“ nicht noch mehr Grünflächen asphaltiert werden!

Es wäre schön, wenn dieses großflächige Gelände als Naherholungsgebiet für die Bürger von Wilhelmshaven sowie für Gäste der Stadt als Naherholungs- und Naturschutzgebiet gestaltet werden könnte. Dies muss auch Openair Veranstaltungen nicht ausschließen (vgl. „Park der Gärten“ in Bad Zwischenahn oder den Stadtpark in Hamburg).

Die Stadthalle wäre am alten Standort wesentlich besser aufgehoben, zumal die kleinen Restaurants und Gaststätten am Börsenplatz und umzu davon profitieren und in der Vergangenheit davon profitiert haben. Die Verkehrsanbindung ist gegeben, Parkplätze sind vorhanden. Die aufgeführten (temporären) Gründe, die laut WZ vom 06.06.2020 dagegen sprechen, kann ich nicht nachvollziehen bzw. erscheinen mir an den Haaren herbeigezogen, zumal die Stadthalle seit 1979 an dem Standort beheimatet ist.

Auch der Vorschlag, die Stadthalle auf dem alten WTB-Gelände zu errichten, ist interessant, zumal nicht noch weitere Grünflächen versiegelt werden und die Infrastruktur wie günstige Verkehrsanbindungen gegeben wären.

Ich hoffe, dass diesmal nicht wieder Entscheidungen über die Köpfe von uns Wilhelmshavener Bürgern getroffen werden. Die Damen und Herren Ratsmitglieder sollten beherzigen, dass sie von uns Wilhelmshavener Bürgern gewählt worden sind und nicht von Investoren etc.

Oder ist es das Ziel der Stadt, sich nach außen hin zu profilieren?

Nebenbei  bemerkt ist die Meinung von Gutachtern, die weder hier aufgewachsen sind noch hier leben, die von ihren Auftraggebern bezahlt werden („Beiß niemals die Hand, die dich füttert“) und von daher gar nicht unabhängig sein können, für mich sehr fragwürdig.

Mit freundlichen Grüßen
Petra Göttertz, Südstrand 84, 26382 Wilhelmshaven

Jun 202020
 

Eine Allee aus prächtigen Mehlbeer-Bäumen prägt als Ost-West-Achse den Banter See Park. Wenigstens ein Teil des Baumbestandes müsste der Stadthalle bzw. Parkplätzen weichen. Foto: Gegenwind

(red) Am 24. Juni1 soll der Rat über den Standort für eine neue Stadthalle entscheiden. Führende Stimmen aus Rat und Verwaltung hatten von vorn herein einen Neubau im Banter See Park südlich der Emsstraße im Blick. Ein Gutachterbüro aus München wurde beauftragt, diesen Standort zu bewerten und mit der Option eines Um- bzw. Neubaus am jetzigen Standort Peter-/Grenzstraße zu vergleichen. Ergänzend wurden vier weitere Standorte untersucht. Im Ergebnis favorisieren auch die externen Gutachter die Fläche am Banter See. Aus Hallen-planerischer Sicht ist sie ein großer weißer Fleck, auf dem sich problemlos ein großes ebenerdiges Gebäude (ca. 7.000 m²) zuzüglich der erforderlichen Park- und Verkehrsflächen (ca. 10.000 m²) realisieren ließe. Aus gesamtplanerischer Sicht hat die Sache allerdings einen großen Haken: Den Banter See Park wird es danach nicht mehr geben, alternative touristische Perspektiven wären damit ein für alle Mal verbaut.

Weiterlesen »

Mai 272020
 

Rat verabschiedet Resolution gegen Hass und Rassismus

Fensterbild_Auslaender

Foto: Gegenwind

(iz) In der Mai-Sitzung verabschiedete der Rat der Stadt eine Resolution, die eigentlich jede*r aufrichtige Demokrat*in so unterschreiben müsste: für Menschlichkeit, Toleranz, Demokratie, kulturelle Vielfalt und Solidarität. Uneigentlich gab es jedoch keinen einstimmigen Beschluss: Die vierköpfige AfD-Fraktion stimmte gegen die Resolution, die 3 FDP-Ratsherren enthielten sich der Stimme. Die vorangegangene Diskussion war sozusagen selbstredend.

Weiterlesen »

Mai 052020
 

Spendeninitiative von Abonnenten aus Solidarität mit der Landesbühne – Unterstützung durch das Publikum

Unter einigen Abonnenten der Landesbühne Niedersachsen Nord kam es bereits in den vergangenen Wochen zu der Initiative, auf Ticket-Erstattungen zugunsten des Theaters zu verzichten. Die Landesbühne musste seit Samstag, 14. März, den Vorstellungsbetrieb zur Eindämmung von Coronavirus-Infektionen einstellen. Nach über sieben Wochen ohne Aufführungen gibt es nun vermehrt Anfragen von Zuschauern, auf welche Art sie das Theater unterstützen könnten. „Gerade der Verzicht auf Ticket-Rückerstattungen und der Zusammenhalt, der dahinter steht, freut uns enorm“, so Sandra Neumann, die Leiterin des Service-Centers im Stadttheater Wilhelmshaven. In den vielen Gesprächen, die sie geführt hat, sei eine hohe Solidarität des Publikums mit der Landesbühne zu spüren: „Es gibt zahlreiche Nachfragen, wie die Zuschauerinnen und Zuschauer uns helfen können – neben dem Wunsch, dass es in nicht allzu ferner Zukunft wieder Aufführungen gibt.“

Weiterlesen »

 Posted by at 13:08
Mai 012020
 

Leave no one behind: Wilhelmshavener*innen bekunden weltweite Solidarität

Wilhelmshavener*innen appellieren zum 1. Mai für weltweite Solidarität. Foto: Gegenwind

(iz) „Solidarisch ist man nicht alleine“ lautet das Motto der diesjährigen Veranstaltungen zum 1. Mai. Bundesweit gab es statt Versammlungen online-Kundgebungen, die vor allem Solidarität mit Beschäftigten in „systemrelevanten“ Berufen zum Inhalt hatten. In Wilhelmshaven gab es eine kleine (unter den geltenden Sicherheitsvorschriften durchgeführte) Solidaritätsveranstaltung für Menschen, die wir bei allen eigenen Problemen nicht vergessen sollten.

Weiterlesen »

Mrz 082020
 

“There is no gender, only nature”

Jördis Wölk faszinierte in der Titelrolle. Foto: Landesbühne

(iz) Passend zum Internationalen Frauentag lief an der Landesbühne die Premiere des Klassikers von Friedrich Schiller in einer Inszenierung, die das Publikum nachdenklich stimmt, was sich in den vergangenen 600 Jahren bezüglich des Frauenbildes in der Gesellschaft eigentlich so getan hat.

Weiterlesen »

Feb 262020
 

BUND: „Es geht darum, lokale Chancen und Stärken für nachhaltige Lebens- und Wirtschaftsweisen zu identifizieren und zu nutzen“

(red) Derzeit wird in vielen Kommunen entlang der niedersächsischen Nordseeküste und auf den Inseln über einen freiwilligen Beitritt zur Entwicklungszone des Biosphärenreservates „Niedersächsisches Wattenmeer“ diskutiert. Am 26. Februar 2020 (18 Uhr) findet dazu im Pumpwerk eine Informations- und Gesprächsveranstaltung mit Workshops (Kommunale Arbeitsgemeinschaft) statt. Bürgerinnen und Bürger sowie Vereine und Interessensverbände sind eingeladen, ihre Ideen für die inhaltliche Ausgestaltung einer nachhaltigen Entwicklung einzubringen. Die BUND Kreisgruppe Wilhelmshaven sieht das als große Chance für eine nachhaltige Stadtentwicklung – und bedauert, dass große Wirtschaftsverbände sich schon im Vorfeld ablehnend äußern.

Weiterlesen »

Feb 222020
 

Mahnwache im Pumpwerk für die Opfer des Terroranschlags in Hanau. Foto: Ulf Berner

(iz) Am 19. Februar erschoss ein rechtsextremistisch motivierter Täter in Hanau acht Menschen mit Migrationshintergrund und tötete danach seine Mutter und sich selbst. Zum Gedenken an die Opfer des Terroranschlags fanden sich heute über 400 Menschen im Pumpwerk zu einer Mahnwache zusammen. Eingeladen hatten die  Stadt Wilhelmshaven, der Landkreises Friesland und der Kirchenkreis Friesland-Wilhelmshaven statt. In einer gemeinsam vorgetragenen Rede brachten Wilhelmshavens Oberbürgermeister Carsten Feist und Frieslands Landrat Sven Ambrosy auf den Punkt, was aus diesem Anlass einmal gesagt werden musste.

Sven Ambrosy: Es sind Stunden der Trauer. Ich bin traurig, weil 10 Menschen getötet und viele weitere verletzt wurden. Es waren feige und brutale Morde. Geplant und vollzogen von einem Mann, der unauffällig inmitten einer mittelgroßen Stadt lebte. Dabei ist unerheblich, ob der Täter psychisch krank oder gesund war. Erheblich ist, dass er politisch motiviert gehandelt hat.
Familien haben Angehörige verloren. Menschen, die mitten aus dem Leben gerissen wurden. Menschen, die nun für den Rest ihres Lebens mit der Trauer und den Verletzungen an ihrer Seele leben müssen. Die nicht verstehen werden, warum ihre Schwester, ihr Bruder, ihr Sohn, ihre Mutter und ihr Vater hingerichtet wurden.
Ich bin traurig, denn die Hinterbliebenen und Verletzten werden nie wieder ein normales Leben führen können.
Dem Generalbundesanwalt zufolge haben alle Erschossenen bis auf die Mutter des Täters einen Migrationshintergrund. Die Getöteten waren zwischen 21 und 44 Jahre jung, einige von ihnen mit kurdischer Herkunft und deutscher Staatsbürgerschaft, ferner Menschen aus der Türkei, Rumänien, Bulgarien, Afghanistan und Bosnien-Herzegowina.
Doch welche Rolle spielen Herkunft und Staatsbürgerschaft? Keine! Es waren Menschen, die einem politisch motivierten brutalen Mörder zum Opfer wurden!

Carsten Feist: Als Kassels Regierungspräsident Walter Lübcke im Juni 2019 wegen seiner klaren Haltung gegen den Rassismus ermordet wurde, waren wir sprachlos. Als in Halle an Jom Kippur im Oktober 2019 Schüsse auf die Synagoge fielen, waren wir von Ohnmacht gelähmt und fassungslos.
Als am Mittwoch in Hanau erneut Menschen starben, weil ein menschenhassender Rassist den Völkermord des dritten Reiches weiterführen wollte, fand ich meine Fassung wieder. Ich fand meine Sprache wieder. Ich erwachte aus meiner Ohnmacht. Ich war und ich bin wütend.
Ich bin wütend, dass den Feinden unserer freiheitlich-demokratischen Verfassung bisher keine Einhalt geboten werden konnte.
Ich bin wütend, dass der stumme Aufschrei der vielen Menschen, die sich nach Kassel und Halle solidarisch mit den Opfern zeigten, nicht gefruchtet hat.
Ich bin wütend, dass in Thüringen kein deutliches politisches Zeichen gesetzt wurde, dass zuerst ein Blumenstrauß geworfen werden musste, um die Vernunft wachzurütteln.
Ich bin wütend, dass sich die Bundestagsabgeordnete Renate Künast von einem rechten Netzaktivisten als „Drecksfotze“ bezeichnen lassen muss, der dafür von unseren Gerichten noch nicht einmal verurteilt wird.
Ich bin wütend, dass sich gewählte Ratsmitglieder unserer Stadt von einem Ratsherrn als „dreckiges Volk“ bezeichnen lassen müssen.1
Ich bin wütend, dass die rechte Gewalt so alltäglich geworden ist, dass sie heute in den Medien zum Teil hinter dem Karnevalsauftakt zurückstecken muss.
Wir leben in einem Rechtsstaat, in dem es nicht mehr ausreicht, mit Worten gegen rechts zu sein. Wir müssen den Anfängen wehren, mit der ganzen Härte unseres Gesetzes. Wir müssen aufstehen und tätig werden.
Wer auf Worte wie „Drecksfotze“ und „dreckiges Volk“ nicht reagiert, macht sich mitschuldig. Er toleriert Entgleisungen, Verletzungen und Diffamierungen, Hetze, Rassismus und Diskriminierung. Er duldet damit verbale Gewalt und sieht tatenlos dabei zu, wie aus verbalen Übergriffen blutiger Terror wird.
Ich sage es ganz deutlich: Jetzt muss Schluss sein.
Denn wenn jetzt nicht Schluss ist mit dem Schweigen, mit dem Akzeptieren und stummen Zuschauen, dann erlauben wir, dass sich das dunkelste Kapitel der Geschichte unseres Landes wiederholt. Dass Gewalt, Rassismus und Hetze zurückkehren und sich breit machen.

Sven Ambrosy: Wir dürfen uns nicht daran gewöhnen. Gewöhnen an den Terror, an politische Morde. Wir dürfen nicht abstumpfen, wenn Menschen aus rassistischen Motiven zu Opfern werden.
Auch dürfen wir im Alltag nicht abstumpfen. Denn längst ist Rassismus und Fremdenfeindlichkeit alltäglich geworden. In Gesprächen, am Stammtisch, im Verein, in der Nachbarschaft, in den Medien. Die Alltagssprache hat sich gewandelt, ist durchzogen von Verrohung, Verletzung und Bedrohung.
„Das wird man doch noch sagen dürfen“ – diesen Satz höre ich viel zu oft. Nein – es gibt Dinge, die darf man eben NICHT sagen! Ich darf niemanden beleidigen, herabsetzen, bedrohen. Ich darf keine Nazi-Sprache verwenden.
„Achten wir auf unsere Sprache in der Politik, in den Medien, überall in der Gesellschaft“, hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dazu am Donnerstag in Hanau gesagt.
Wir sind alle täglich gefordert, Rassismus und Antisemitismus in den konkreten Situationen des Alltags aktiv und vehement zu widersprechen. Das mag unbequem sein – aber es ist notwendig!
Menschen mit religiösen Zugehörigkeiten, ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, politisch Andersdenkenden oder sexuell jenseits des Mainstreams orientierten Personen wird immer wieder im Alltag die Menschenwürde abgesprochen. Das ist gefährlich, weil es radikalisierte und aufgehetzte Täter dazu bringt, überhaupt zur Tat zu schreiten. Hier ist eine fatale Enthemmung in Gang geraten, und die Hetzer in den Parlamenten tragen daran eine erhebliche Mitschuld.

Carsten Feist: Unsere Demokratie braucht uns jetzt. Sie braucht aktive Demokratinnen und Demokraten. Sie braucht Menschen, die sich engagieren, die laut und mutig sind, die aufstehen, wenn sogenannte Minderheiten an den Pranger gestellt werden.
Diese Demokratie, in der wir seit über 70 Jahren leben dürfen, ist ein Geschenk. Ein Geschenk, das Pflege, Zuwendung und Aufmerksamkeit benötigt, wenn verbale Brandstifter unter dem Deckmantel der von ihnen verachteten Demokratie den Nährboden anlegen, aus dem nachfolgend Gewalt bis hin zu Terror und Mord entsteht.
AFD-Mann Alexander Gauland verharmloste den Nationalsozialismus durch seine Bezeichnung der NS-Diktatur als “Vogelschiss in der deutschen Geschichte”. Der Dresdner AFD-Bundestagsabgeordnete Jens Maier relativierte die Tat des norwegischen Massenmörders Anders Breivik, indem er sagte, Breivik sei aus „Verzweiflung“ über Kulturfremde zum Massenmörder geworden. Weitere Zitate will ich uns ersparen.
Verbal zündeln und anschließend relativieren, zurückrudern und es schlussendlich doch so meinen, wie es ursprünglich gesagt wurde. Dieses Muster ist kein Zufall. Es ist eine Strategie, die im Bund, in den Ländern und auch in den Kommunen einen sprachkulturellen Wandel verursacht hat. Dieser Wandel gefährdet unsere Demokratie, er ist Gift für unser tägliches Miteinander und er führt dazu, dass politisch motivierte Morde sich häufen.
Wer täglich „barbarische Zustände“ in Deutschland beklagt, Zugewanderte als „Goldstücke“ diffamiert und mit Begriffen wie „Umvolkung“ und „kleiner Halbneger“ hetzt, muss sich auch in die moralische und politische Verantwortung nehmen lassen, wenn tatsächlich jemand zur Waffe greift und Menschen ermordet, nur weil sie in den Augen der Mörder fremd aussehen oder einer ihnen nicht genehmen Glauben leben.

Sven Ambrosy: In Friesland und Wilhelmshaven leben knapp 180.000 Menschen. Menschen, die in Sicherheit und Frieden leben wollen. Menschen, die sich Sorgen machen, die Angst haben, wenn der Terror alltäglich wird und aus den Metropolen wie München und Berlin nun auch Städte wie Halle mit 240.000 Einwohner oder Hanau (96.000 Einwohner) erreicht. Von dort ist es nicht mehr weit in den ländlichen Raum.
Wir stellen uns dem kraftvoll und gemeinsam entgegen. Es ist gut und wichtig, dass am heutigen Abend so viele Menschen unserem Aufruf gefolgt sind. Danke, dass Sie dabei sind – das ist ein kraftvolles Zeichen an all diejenigen, die als Minderheit mit Terror in Worten und Taten ein anderes Deutschland wollen!
Ja – wir als friedvolle und tolerante Demokraten sind die deutliche Mehrheit. Aber es wird spätestens nach Hanau nicht mehr ausreichen, diesen Umstand als beruhigend zu empfinden.
Wir werden lauter werden müssen, wenn Rassisten das Wort ergreifen. Wir werden deutlich werden müssen, um die Hetzer in die Schranken zu weisen. Wir werden die bestehenden Gesetze konsequent nutzen müssen, um den Feinden unserer Demokratie mit den Möglichkeiten unseres Rechtsstaates die Konsequenzen ihrer Entgleisungen spüren zu lassen.
„Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen.“ Diese Worte von Albert Einstein sollten uns eine Mahnung sein, aber uns auch Mut machen. Mut, nicht nachzulassen. Mut, immer wieder einzutreten, wenn Schwache, Fremde und Hilfebedürftige angegriffen und verletzt werden.

Carsten Feist: Gemeinsamkeit gibt Kraft und macht Hoffnung. Gemeinsamkeit kann Trost spenden. Unsere Solidarität und unser Mitgefühl mögen den Menschen in Hanau eine kleine Hilfe sein, um mit ihrer Trauer umzugehen. Diese Hoffnung sollten wir mit in den Abend nehmen. Bei aller Trauer müssen wir hoffnungsvoll bleiben, um kraftvoll zu bleiben.
Nehmen Sie am Ausgang gerne noch eine Schleife mit auf den Weg. Sie ist ein Symbol für unsere Trauer und unser Mitgefühl für die Opfer des Terrors und die Menschen in Hanau. Bringen sie diese Schleife auf ihrem Weg nach Hause an Laternenmasten oder Zäunen an. Als sichtbares Zeichen unserer Trauer, die wir damit in die Mitte unserer Gesellschaft tragen. Vielen Dank.


1 während der Ratssitzung am 19. Februar bezeichnete der AfD-Fraktionsvorsitzende Thorsten Morisse die Anwesenden als „dreckiges Volk“. Daraufhin stellten Oberbürgermeister Carsten Feist und Ratsvorsitzender Stefan Becker Strafantrag und Strafanzeige gegen Morisse.

Feb 192020
 

„Notstand herrscht, wenn in Wilhelmshaven der Deich bricht“

(iz) Ende 2016 verabschiedete die Bundesregierung den Klimaschutzplan. Bis 2050 soll Deutschland weitgehend Treibhausgas-neutral werden und damit seinen Anteil zum globalen Ziel beisteuern, die Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius oder besser auf nicht mehr als 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Welchen Beitrag unsere Region dazu leisten kann, war Thema einer Podiumsdiskussion, zu der die GRÜNEN (Kreisverband Friesland) in den Lokschuppen Jever eingeladen hatten.

Weiterlesen »

Feb 152020
 

Leserbrief zum WZ-Artikel „Briten sind heiß auf hier erzeugten Strom“ vom 12. Febr. 2020:

Mich trifft der Schlag:
Der Bauausschuss des Rates empfiehlt, den Weg freizumachen für den Bau von „Konvertern“ zur Umwandlung von Wechsel- in Gleichstrom und umgekehrt! Das wird die Projektfirma „Neu Connect“, die für eine Stromkabelverbindung zwischen Wilhelmshaven und der Themsemündung wirbt, sicher hochzufrieden zur Kenntnis nehmen…
Klingt ja auch auf den ersten Blick plausibel: In windreichen Zeiten bei uns erzeugten Überschussstrom nach England exportieren und bei Windflaute im Gegenzug (Atom)-Strom von dort importieren.

Ganz abgesehen davon, dass es ein Schnäppchen für die Briten wäre, unser Stromnetz immer dann anzuzapfen, wenn er an der Börse zum Schleuderpreis angeboten wird: Wo sollen dann die von Regierungsseite auf Bundes- und Landesebene propagierten Energien für Umstellungen auf Wasserstoff- bzw. Batterieantriebe herkommen?
Ist es nicht angezeigt, den zeitweilig aus Windkraft erzeugten Überschussstrom für die Überbrückung von Flauten bzw. für den Antrieb von Schienen-, Straßen- und Wasserfahrzeugen zu speichern?
Um das verwirklichen zu können, fehlen uns neben Akku-Stationen auch Elektrolyseanlagen zur Erzeugung von Wasserstoff sowie Speicher für dessen Zwischenlagerung. Wär‘ grüner Wasserstoff schon jetzt verfügbar, könnte man ihn übrigens schon jetzt in das ‘zigtausend km lange Erdgasnetz einspeisen. Das Leitungsnetz verträgt (je nach Materialeigenschaft) eine Zumischung zum Erdgas zwischen 3 und 10%.

Es drängt sich der Eindruck auf, dass man

  • die dringend erforderliche Transformation in eine klimaneutrale Energieversorgung mit angezogener Handbremse betreibt,
  • in Entscheidungsgremien aller Ebenen ganz andere Vorstellungen – zur Erreichung des Zieles „klimaneutral bis 2050“ zu werden – hat, als wir uns das vorstellen,
  • uns durch ständiges Wiederholen einzutrichtern versucht, dass wir (höchst klimaschädliche) LNG-Importe als „Überbrückungstechnologie“ auf dem Weg zur Klimaneutralität benötigen
  • damit verbundenen milliardenschweren Kosten für die Steuerzahler und/oder deren Umlage auf die Gaskunden inkl. Abnahmegarantien für LNG-Importe (mit fiktivem Ablaufdatum in 20/25 Jahren) möglichst unter dem Teppich halten möchte.

Unglaublich!

Jochen Martin, Schulstr. 115, 26384 Wilhelmshaven

go Top