Gegenwind 1994
Sep. 271994
 

Anti-Kriegstag

Gedanken zur neuen Rolle der Wilhelmshavener Friedensbewegung

(jm) Zehn Jahre ist es etwa her, da brachte die Wilhelmshavener Friedensbewegung noch locker tausend Leute auf die Beine. Dieses Jahr zog es am 1. September rund fünfzig Aufrechte zum Krökelplatz, um sich dort zum Anti-Kriegstag zu vereinen.

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Sep. 271994
 

Die diesjährigen 5. Maritimen Filmtage Wilhelmshaven

bieten ein Wettbewerbsprogramm, das so viele Filme zeigt wie in keinem der vorangegangenen 4 Festivals. Mit der Auswahl von 61 der 400 eingereichten Beiträge junger Filmemacher aus aller Welt ist aber nicht nur die Menge des Filmangebots gestiegen, sondern hat auch die Vielfalt der Inhalte und der unterschiedlichen Gestaltungsformen der Filme deutlich an Gewicht hinzugewonnen.

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Sep. 271994
 

Nicht leicht gemacht ...

… wird es den privaten Altenpflegeheimen

Gegenwind-Gespräch mit der Betreiberin des Seniorenzentrums Neuengroden

(ef/noa) Die Pflegeversicherung kommt – am 1.1.95 beginnt die Beitragszahlung; am l.4.95 beginnen die Leistungen zur häuslichen Pflege; am l.7 .96 schließlich trägt die Versicherung auch die Kosten der stationären Pflege.

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Sep. 271994
 

Landesbühne stellt die Weichen für eine kulturelle Bewußtseinserheiterung

(iz) Samstag, 1. Oktober 1994, 22 Uhr 35. Der Wilhelmshavener Hauptbahnhof liegt in den letzten Zügen. Letzte Fluchtmöglichkeit: fünf nach halb elf. Wer jetzt nur noch die Schlußlichter des letzten Zuges sieht und meint, der Zug sei endgültig abgefahren, hat sich getäuscht: einfach auf dem Absatz kehrtmachen und ab ins „Spectakel“, nur wenige Schritte vom Bahnhof im Jungen Theater in der Rheinstr. 91 gelegen.

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Sep. 271994
 

Arbeitslose gegen Sozialabbau

Die Arbeitsloseninitiative fordert dazu auf, den Parteien auf den Zahn zu fühlen

(noa) Die Zeit vor den Bundestagswahlen wird von den Parteien benutzt um ihre Wahlkampfveranstaltungen durchzuführen. Im allgemeinen sind das Veranstaltungen, wo einer spricht und viele jubeln.

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Sep. 271994
 

Verelendung droht

Mehr und mehr Jugendliche in Problemsituationen

(noa) Die Psychosoziale Arbeitsgemeinschaft (PSAG), die sich zusammensetzt aus VertreterInnen unterschiedlichster Institutionen und Gruppen, wandte sich am 22. September mit einer Stellungnahme an die Öffentlichkeit.

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Sep. 271994
 

Unappetitlich

Neue Horrormeldungen von Jadekost

(iz) Aus verschiedenen, erfahrungsgemäß sicheren Quellen wurden uns wieder einmal Mißstände bei der Firma Jadekost zugetragen. Wir drucken sie hier ab als Aufforderung an die zuständigen Behörden, im Interesse der dort Beschäftigten und der Verbraucherinnen der Sache endlich auf den Grund zu gehen – auch im Interesse der SteuerzahlerInnen, ist doch Jadekost unlängst eine ansehnliche Landesbürgschaft gewährt worden.

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Sep. 271994
 

Immer noch nicht

entschieden hat die Generaldirektion „Fischerei“ der europäischen Union (EU) über die Rechtmäßigkeit der Gewährung einer Landesbürgschaft zur Absicherung eines 35-Millionen-Kredits für die Firma Jadekost. Anfang September fand dann in Brüssel eine Anhörung der Landesregierung und der Firma Jadekost vor der Generaldirektion „Fischerei“ statt.
Die Jadekost-Konkurrenten Pickenpack und Hussmann&Hahn hatten die Klage bei der EU eingereicht, weil ihrer Meinung nach die Landesbürgschaft mit dem EG-Beihilferecht nicht vereinbar ist. Die klagenden niedersächsischen Fischstäbchenproduzenten aus Lüneburg und Cuxhaven sehen in der Landesbürgschaft eine einseitige Unterstützung der Fischbratküche an der Jade. (hk)

Sep. 271994
 

„Aber Liebe, wenn sie wahrhaft ist, bleibt und bleibt und bleibt. „

Sunshine

von William Mastrosimone erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die auf der Flucht vor ihrem prügelnden Ehemann in die Wohnung des Sanitäters Nelson gerät. Sunshine ist ein Künstlername, verliehen von der Chefin des Etablissements, in dem die Frau arbeitet: einer Peepshow. Dort hat sie ihre Erfahrungen gemacht mit Liebesunfähigkeit und Sexualität als Ware, mit Robby zum Beispiel, dem Studenten, der glaubt, daß er in sie verliebt sei – und den sie doch nur als Kunden behandeln kann. Viele Illusionen sind ihr nicht mehr geblieben – und das eint sie mit Nelson, den sein Beruf täglich mit Elend und Unglück konfrontiert. Sunshine und Nelson, beide abgebrüht und beide einsam beginnen ein Gespräch über Liebe. Es ist geprägt von der Sehnsucht nach Liebe wie von der Angst nach Zurückweisung, die eine noch größere Einsamkeit zur Folge hätte. Wird trotz allem, was beide durchgemacht haben, am Ende aus Sunshine und Nelson ein Paar?
William Mastrosimone gehört zu den meistgespielten amerikanischen Gegenwartsautoren. „Was in den fünfziger Jahren Tennessee Williams und schon etwas rüder im Ton – in den siebziger Jahren Sam Shepard war, das ist in den ausgehenden achtziger Jahren der inzwischen 43jährige William Mastrosimone geworden.“ Das schrieb Christoph Müller anläßlich der deutschen Erstaufführung von Sunshine. Sie fand in der Regie von Thomas Bockelmann am Tübinger Zimmertheater statt und erlebte eine große Anzahl erfolgreicher Vorstellungen. Die LANDESBÜHNE NIEDERSACHSEN NORD stellt das Stück- jetzt in einer Neuinszenierung des neuen Intendanten Bockelmann vor.

Premiere am Samstag, den 15. Oktober 1994 im Stadttheater Wilhelmshaven.

Sep. 271994
 

(iz) Seit einem Jahr setzten sich hellwache Wilhelmshavener BürgerInnen – ernsthaft oder satirisch, jedenfalls kritisch – mit dem ollen Wilhelm auseinander. Der Schriftsteller Peter O. Chotjewitz sieht die neuerwachte Liebe zum Bronzekaiser eher als nationales Psychodrama, zu dem er sich in einem gar köstlichen Essay geäußert hat. Es liest sich wie ein Gastbeitrag für die Lokalredaktion. Aus therapeutischer Sicht können wir den Wilhelmshavener Kaisergeschädigten einen auszugsweisen Abdruck nicht vorenthalten.

Die Rückkehr der Bronze- und Steinzeit

Über die Bedeutung von Heldendenkmalen für die Zubereitung von Bratwürsten und patriotischer Gesinnung

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Sep. 271994
 

Zum Interview mit Norbert Schmidt (Gegenwind 123)

Die Frage, wie es sein kann, daß es keine Jusos mehr gibt beantwortet Norbert Schmidt mit: „Man hat in der Vergangenheit die jungen Genossinnen und Genossen nicht ernst genommen“ Dies kann ich als ehemaliger Vorsitzender der Wilhelmshavener JungsozialistInnen nicht unkommentiert stehen lassen. Die Jusos waren 1991 nur noch ein ganz kleiner Haufen, den niemand interessierte. Die Jugend war nicht motiviert und politikverdrossen, was die Arbeit in einer Jugendorganisation einer großen „Volkspartei“ betrifft. Bei den „Kindern“ der SPD wollte keine/r mehr mitarbeiten. So kam es, daß die Wilhelmshavener Jungsozialisten auf ihrer Jahreshauptversammlung 1991 kurz vor der Auflösung standen, wären da nicht einige neue und alte Leute zur Versammlung gekommen. Weiterlesen »

Sep. 271994
 

Goldgrube Wohnraum

Arbeitskreis „Wohnraum für alle“ informiert Politik und Verwaltung über skandalöse Wohnraumsituation in Wilhelmshaven

(ub) Eine nicht alltägliche Stadtrundfahrt veranstaltetet der Arbeitskreis Wohnraum für alle mit Kommunalpolitikern, Bundestagskandidaten und Vertretern der Stadtverwaltung. Ziel dieser Stadtrundfahrt war es, aufzuzeigen, wo in dieser Stadt mit Wohnraum spekuliert wird, Mietwucher betrieben wird, und wohnungslose Menschen unter unwürdigsten Bedingungen leben müssen. In einer anschließenden Podiumsdiskussion sollten Wege und Möglichkeiten diskutiert werden, die kommunale Wohnraumsituation zu verbessern.

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Sep. 271994
 

Opposition gehört in den Bundestag !!

Die Region Wilhelmshaven/Friesland gehört zu den am meisten gebeutelten Gebieten in der alten Bundesrepublik. 17,9 % Arbeitslose in Wilhelmshaven. Hier bezahlen die kleinen Leute die Zeche. 400.- oder 500.- DM Miete für Kellerlöcher, auch wenn diese 60 oder 70 qm groß sind. Eine steigende Zahl von Obdachlosen.
Frauen trifft es auf allen Lebensgebieten noch viel härter: sie sind die wirklichen Verliererinnen, wenn es um Arbeitsplätze geht, ihnen werden die DM 560.- Arbeitsstellen aufgenötigt, wo dann vier oder fünf Frauen ohne Arbeitslosen-, Kranken- und Sozialversicherung auch noch einen Vollzeitarbeitsplatz ersetzen. Wo finden alleinerziehende Frauen mit ein oder mehreren Kindern noch Wohnungen?
Gerade in Wilhelmshaven müssen Tausende von Menschen den Weg zum Sozialamt gehen, die Gesellschaft beginnt immer mehr eine sich drittelnde zu werden: einem Drittel geht es sehr gut, ein Drittel der Menschen hat gerade so ein Auskommen und ein Drittel verarmt zusehends.
Die bürgerlichen Parteien, CDU, SPD, FDP und Grüne lamentieren zwar über diese Entwicklung, Veränderungen sind jedoch von ihnen nicht zu erwarten. Das haben die letzten Jahre mehr als deutlich gemacht: selbst in sozialdemokratisch regierten Städten und Gemeinden wird der Rotstift immer erst bei den sozialen Leistungen angesetzt, die Millionen, die für Wirtschaftsförderung ausgegeben werden, sind praktisch mit keinen Auflagen, wie es das Beispiel Jade-Kost zeigt, was die sozialen Bedingungen der Arbeitnehmerinnen angeht, verbunden. Unsere Republik wird von den Parteien als Selbstbedienungsladen angesehen: es gibt kaum noch Politikerinnen, die nicht diesen oder jenen Aufsichtsratsposten haben.
Milliardensummen werden noch in die Rüstung gesteckt, dabei sind „Feinde“ nicht vorhanden. 330 Millionen hat der Ausflug von einigen tausend Bundesehrsoldaten nach Somalia gekostet, sinnlos ‚rausgeworfenes Geld Obwohl die über vier Millionen registrierte Arbeitslosen und die 4,25 Millionen Menschen, die von der Sozialhilfe leben müssen, es dringender benötigt hätten.
Mietbeihilfen kommen letztendlich nur den Besitzenden zugute. Die geringen Summen für den sozialen Wohnungsbau begrenzen die Mieten auf 8.- bis 9.- DM pro qm, aber nur auf ca. 10-12 Jahre, danach sind die Mieten nicht mehr „sozial“ gebunden.
Tausende von Eigenheimbesitzerinnen haben ihr Haus in den letzten Jahrzehnten verloren. Nutznießer waren hier die Banken und Kapitalhaie.
Hunderttausende von Menschen ziehen jährlich um. Dafür müssen sie – ohne reale Gegenleistung – bis zu zwei Monatsmieten Maklerprovision zahlen.
CDU, SPD, FDP und Grüne haben die meisten politischen Entscheidungen getroffen, oder tragen die Realität stillschweigend mit. Von diesen Parteien sind Änderungen nur zu bekommen, wenn Druck von links kommt. Wilhelmshaven braucht eine von Militärdoktrin und der Großindustrie unabhängige Wirtschaftsförderung für klein- und mittelständische Betriebe, die die sozialen Interessen der dort zu beschäftigenden ArbeitnehmerInnen zu berücksichtigen hat.

Deshalb muß die PDS eine starke politische Kraft werden.
Ich fordere Sie auf, zumindest mit der Zweitstimme die PDS zu wählen.
Opposition in den Bundestag!

Reinhold Kühnrich
Parteiloser Direktkandidat für die PDS

 

Reinhold Kühnrich, Jahrgang 1943, 8 Jahre Volksschule Katharinenfeld, Lehre als Bauzeichner, dann gearbeitet als Bauarbeiter, danach als Verlagskaufmann. Von 1958 bis 1976 Mitglied der SPD, ausgetreten aus Protest gegen ihre Rechtsentwicklung und Berufsverbotepolitik.
Seit der Lehrzeit gewerkschaftliche Jugendbildungsarbeit, aktiv in der Ostermarschbewegung.
1969-1991 Herausgeber von Anzeigenzeitungen. Ratsmitglied in Oldenburg für die Oldenburger Linke Liste, Mitarbeit in der Asylarbeit, Kurdistansolidarität und Radiobasisbewegung.
Sep. 271994
 

Braunes Müsli

Am 22.9.94 fand in Bockhorn eine Veranstaltung der Initiative G.E.L.B. (Gesunde Ernährung und Lebensführung Bockhorn) statt. Referent dieser Veranstaltung war Dr. Max Otto Bruker, der zu Fragen einer gesunden Ernährung sprechen sollte. In der Vergangenheit fiel Bruker durch vielfältige Kontakte und intensive Zusammenarbeit mit Personen und Organisationen des rechtsextremen bis faschistischen Spektrums auf.
Dies veranlaßte den Arbeitskreis „Kein Fußbreit den Faschisten“ die Initiative auf Brukers fragwürdige politische Einstellung aufmerksam zu machen. Schon im Mai auf einer anderen Veranstaltung wurden G.E.L.B. und die BesucherInnen der Veranstaltung auf Bruker hingewiesen. Doch anstatt den Faschisten nicht auftreten zu lassen wurde den Kritikern Hausverbot erteilt.
„Trotz des Wissens um die Vergangenheit Herrn Brokers scheut sich die Initiative G.E.L.B. nicht, ihm die Möglichkeit des öffentlichen Auftritts zu geben. Begründet wird diese Handlungsweise damit, lediglich an der ernährungsfachlichen Seite Herrn Brokers interessiert zu sein. Der Arbeitskreis „Keinen Fußbreit den FaschistInnen“ ist dagegen der Ansicht, daß die Gesamtposition Brukers von Bedeutung ist und ihm daher keine Möglichkeit des öffentlichen Auftritts, gleich welchen Inhalts, gegeben werden sollte.“ (ft)

Sep. 271994
 

Nachhilfestunden

in Geographie gibt die Sparkasse Wilhelmshaven in einer Hochglanzbroschüre zum Stadtjubiläum. „Wilhelmshaven ist am Ende der Welt? Spötter behaupten es, … “ erklärt die Bank, „dabei liegt Wilhelmshaven im Herzen Europas.“ Dazu wird eine vereinfachte Karte Europas inklusive des Ostteils dargestellt. Den Mittelpunkt dieser Landkarte bildet Wilhelmshaven, von dem sieben rote Pfeile in alle möglichen Richtungen zeigen.
„Alle Wege führen nach Wilhelmshaven“, heißt es weiter, „Ob mit dem Auto, der Bahn, dem Flugzeug oder dem Schiff.“ Wäre es da nicht sinnvoller gewesen, die Pfeilspitzen auf Wilhelmshaven zeigend statt davon weg darzustellen? Egal, viel Sinn hat diese pseudo-optimistische Karte eh nicht, dient sie lediglich sog. Spöttern als Anatomieatlas. Sie wissen jetzt, daß Wilhelmshaven am Nabel und nicht am Arsch der Welt liegt. (ft)

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