Banter See

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Sep 012011
 

Die Öffnung des Grodendamms bedeutet, dass neben der Pest auch noch die Cholera den See befällt

(hk) Seit Jahrzehnten ist das Thema Banter See in der Diskussion; seit Jahrzehnten wird nur rumgeblubbert. In diesem (Kommunal-) Wahljahr ist die Diskussion etwas intensiver und durchaus z.T. auch ergebnisorientierter. Nur an eine wirkliche Lösung traut sich niemand ran.

Logo Hände weg vom Grodendamm

Der Banter See war ja schon des Öfteren Thema im Gegenwind, und so können wir aus einem älteren Artikel zitieren, um einen kurzen Überblick über die Situation des Sees zu geben. Wir beziehen uns u.a. auf einen Bericht über eine Veranstaltung des „Club zu Wilhelmshaven“ im Jahre 2007 mit dem Oldenburger Professor Schuller, der bis zu seiner Pensionierung an der Universität Oldenburg im Fachgebiet Umweltanalytik und Ökochemie tätig war. Den gesamten Artikel können Sie im Internet unter http://www.gegenwind-whv.de/a22602.htm nachlesen. Prof. Schuller befasst sich seit 1987 mit der Problematik des Banter Sees – „ein schwieriger See“, wie Schuller gleich einleitend klarmachte. Schwierig ist der Banter See, weil er eigentlich kein richtiger See ist. Entstanden ist er bekanntlich als zum Kriegshafen gehörendes Hafen- und Werftbecken. Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Hafenbecken vom Großen Hafen und damit vom Austausch mit über die Schleusen in den Hafen gelangendes Salzwasser abgetrennt. Es entstand ein See, der mit einem natürlichen See nichts gemein hat.

„Der Banter See ist ein künstlicher See, missbraucht und geschunden“, so Prof. Schuller. An Stelle der schilfbestandenen Uferbereiche (Litoralzone) wird der Banter See von Kaianlagen begrenzt, die eine ‚normale’ Entwicklung des Sees behindern. Während der jahrzehntelangen Nutzung als Hafenbecken wurden die Fäkalabfälle der Betriebe und Schiffe in den See geleitet. Die technischen Prozesse in dem Militärhafen, die Korrosionsschutzanstriche der Schiffe – alles Quellen des hohen Phosphorvorkommens. Bis in die 90er Jahre des letzten Jahrhunderts gab es auch noch keine Kläranlagenpflicht für die am See angesiedelten Klein- und Freizeitgärtner. So hat sich nach Meinung von Prof. Schuller eine ordentliche Sedimentschicht mit dem entsprechenden Phosphatgehalt bilden können – eine mögliche Ursache für die Blaualgenblüte, die beinahe in jedem Jahr zu Badeverboten im See führt.

Doch das allein kann nicht die Ursache für das massenhafte Auftreten der Blau- oder Cyanobakterien sein. Prof. Schuller schilderte den Vorgang, wie es zur Entstehung der sogenannten Sprungschicht kommt und was diese mit der Entstehung der Cyanobakterien zu tun hat. Es findet keine Durchmischung der unteren Wassermassen mit dem sauerstoffreichen Oberflächenwasser statt. Eine Zirkulation findet nur noch in der oberen, über der Sprungschicht liegenden Deckschicht statt. Und die Konsequenz daraus? Ins Tiefenwasser sinken alle ‚Leichen’ – von Phytoplankton bis zum Fisch – herab und werden bakteriell abgebaut. Dazu ist Sauerstoff nötig, der aber wegen der Sprungschicht nicht so schnell von oben nachgeliefert wird. Dadurch werden das Tiefenwasser und das Sediment sauerstoffarm bis -frei. In Folge löst sich das bisher als Eisenphosphat gebundene Phosphat im Wasser und ‚befeuert’ so die nächste Blüte. Da dazu aber Nitrat und Phosphat in bestimmten Verhältnissen benötigt werden, aber im Sommer kaum noch freies Nitrat verfügbar ist, können in dieser Situation nur Blaualgen florieren, da sie den nötigen Stickstoff nicht aus dem Nitrat holen (es gibt ja kaum welches), sondern aus aus der Luft gelöstem Stickstoff. Ein Alleinstellungsmerkmal, das eine konkurrenzlose Stellung ermöglicht. Deshalb baut man als Kleingärtner Gründüngung wie Senf etc. an, da diese in Symbiose mit Knöllchenbakterien leben, die dieses ebenfalls können – eine Düngung des Gartens ist die Folge. Soweit der Gegenwind im April 2007.

Wofür brauchen wir den Banter See?

Klarstellen müssen wir, wie wir den Banter See nutzen wollen. Er soll nutzbar sein für Schwimmer und Taucher, in bestimmten Bereichen auch für Windsurfer, Segler und andere motorunabhängige Wassersportarten. Die Uferbereiche sollen in erster Linie der Erholung und der Strandnutzung dienen, vorhandene Nutzungen (Freizeitgärten) müssen weiterhin möglich sein. Alle Planungen in und um den Banter See müssen sich der Freizeitnutzung unterordnen. Man kann den Wilhelmshavener BürgerInnen nicht den Sandstrand im Norden nehmen und dann auch noch den Banter See mit allen möglichen Nutzungen zupflastern. Es muss verhindert werden, dass zusätzliche Nutzungsarten (z.B. motorgetriebene Donuts u.ä.) die problematische Situation des Banter Sees noch verschärfen.

Qualität sinkt

Die Situation des Sees hat sich in den letzten Jahren extrem verschlechtert. Taucher erzählen, dass man im See eigentlich nichts mehr sehen kann. In einer solchen Situation die Beseitigung des Grodendammes zu fordern, würde bedeuten, dass das stark belastete Kanalwasser noch zu einer Verschärfung der Lage führen würde, denn der Phosphatgehalt des Kanalwassers ist noch höher als der des Banter See-Wassers. Die Ursache hierfür liegt in den Dünger-Einträgen (vom Kuhfladen bis zum Kunstdünger), die über die Felder Ostfrieslands und Frieslands in den Kanal eingetragen werden. Zudem ist das Kanalwasser durch die Moorgebiete extrem getrübt (dadurch wird hier auch die Blaualgenentstehung verhindert). Im Kanal ist die Sicht bis ca. 1,5 Meter Wassertiefe gut – in tieferen Bereichen ist nichts mehr zu sehen. Eine Öffnung des Grodendamms würde nun dazu führen, dass vielleicht die Blaualgenblüte gestoppt werden könnte, eine Nutzung als Tauchgewässer wäre aber für alle Zeiten unmöglich.

Salzwasser rein – Phosphate raus

Um die Situation grundlegend zu verändern, muss nicht nur dafür gesorgt werden, dass keine neuen Nährstoffe eingetragen werden – die Umleitung des Rhynschlotes ist hier schon ein wichtiger Schritt gewesen – es muss auch dafür gesorgt werden, dass Phosphate entfernt werden. Ein Weg dazu ist sicherlich ein Schilfgürtel (der aber auch bewirtschaftet, also gemäht und entsorgt werden muss), aber auch Fische und Muscheln können Teil der Problemlösung sein. Aus einem Brief der Bürgerinitiative Umweltschutz Wilhelmshaven (BUW) vom Juni 1990: „Im Banter See spielen Fische keine entscheidende Rolle, dagegen aber Mies-, Sandklaff- und Herzmuscheln als Großfiltrierer von Phytoplankton. Eine Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse durch z.B. vermehrte feste Besiedlungsflächen für Miesmuscheln (Pfähle etc.) und ihr regelmäßiges Abernten würde zur Reduzierung der Nährstoffmengen führen.“ (Offener Brief an den Rat und die Verwaltung der Stadt Wilhelmshaven – Überlegungen zur Eutrophierung des Banter Sees und Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung)

Salzgehalt

Die Erhöhung des Salzgehaltes des Sees würde diese Entwicklung unterstützen. Der Salzgehalt des Banter See-Wassers ist von 1,4% im Jahre 1977 auf 0,6 % im Jahre 2011 gesunken. Durch den Bau einer Zuleitung vom Jadebusen könnte salzhaltiges Nordseewasser in den Banter See eingebracht werden. Die Reduzierung von Schwebstoffen aus dem Nordseewasser dürfte heute technisch kein großes Problem sein. Hier ist natürlich darauf zu achten, dass der Salzgehalt im Banter See nicht so hoch wird, dass das Schilf nicht mehr existieren kann. Gleichzeitig muss belastetes Banter See-Wasser aus dem See entfernt werden. Das kann durch eine Leitung geschehen, die z.B. durch den Grodendamm getrieben wird. Während das zulaufende Nordseewasser fast an der Wasseroberfläche in den See gelangt, kann das belastete Banter See-Wasser aus mindestens 8 Meter Tiefe durch den Grodendamm den See verlassen. Hier gibt es mit Sicherheit auch die Möglichkeit, die Entnahmebereiche variabel einzurichten, also aus bekanntermaßen hochbelasteten Gebieten die Phosphate abzupumpen. Das ist sicher eine kleine Herausforderung, aber mit dem in Wilhelmshaven vorhandenen Know-how dürfte das zu schultern sein.

Beidseitige Öffnung des Banter Sees. Quelle: Manzenrieder

Es geht beim Banter See nicht um eine Re-Naturierung, wie sie in so vielen Leserbriefen und Äußerungen gefordert wird, es geht darum, aus einem ehemaligen Hafenbecken einen möglichst naturnahen (d.h. sich selbst im Gleichgewicht haltenden) See für die oben beschriebenen Nutzungen zu machen. Mit allen anderen Spielereien, z.B. dem Einsatz von Bentophos oder der Entfernung des Grodendamms, lassen sich vielleicht kurzfristige Erfolge erzielen, nur eine dauerhafte Lösung bieten all diese Maßnahmen nicht. Natürlich wissen wir alle nicht, was uns der Banter See noch an Überraschungen bietet – liegen da unten vielleicht Phosphorbomben oder andere ‚Erinnerungen’ an die ehemalige Nutzung? Ist das vielleicht der Grund dafür, dass man sich nicht so richtig an das Problem herantraut? Kann es sein, dass der belastete Dreck aus dem Banter See letztendlich als Sondermüll entsorgt werden muss? Wenn der Banter See wieder als Freizeit- und Badegebiet nutzbar werden soll, kann es nur die beschriebene Lösung geben: Der Banter See muss mit Salzwasser durchströmt werden der Zufluss von Schadstoffen und der Phosphatgehalt müssen drastisch reduziert werden! Das geht natürlich nur mit ständiger wissenschaftlicher Begleitung – aber auch dafür haben wir in Wilhelmshaven die richtigen Leute und Institute.

 

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