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Sep 012011
 

Hitachi wird’s schon richten!

GDF SUEZ will Kraftwerk in Wilhelmshaven trotz ungelöster Probleme 2012 in Betrieb nehmen

(jm) „Der Schreck saß tief am 30. März 2010: Während eines Erprobungsbetriebes trat Wasserdampf aus undichten Schweißnähten des Kessels in Block 10, dem neuen Steinkohlekraftwerksblock in Duisburg-Walsum. Die Lecks überraschten Kraftwerksbauer Hitachi Power Europe (HPE), da im Block 10 modernste Materialien eingesetzt werden.“ (VDI-Nachrichten, 13.08.10) Entdeckt hatte man nach der Endmontage des Heizkessels, dass 1.500 Schweißnähte an den insgesamt 450 Kilometer langen Kessel-Rohrleitungen defekt waren. Die Leitungen haben offenbar der für die Erzielung eines 46%igen Wirkungsgrades erforderlichen Temperatur und dem Dampfdruck im Kessel nicht standgehalten. Dabei hatte man dafür extra eine auf solche Extrembelastungen ausgelegte Stahlsorte mit der Bezeichnung T 24 entwickelt. Aufgrund dieser Misere hat der Betreiber Evonic-Steag beschlossen, alle defekten Teile komplett auszutauschen. Durch diese Reparatur würde sich die Inbetriebnahme um sechs Monate verzögern, hieß es. Erst ein Jahr später bestätigte der Bauprojektleiter des GDF-SUEZ-Kraftwerks Frank Albers, „…dass auch der Kessel für das 800-Megawatt-Kraftwerk auf dem Rüstersieler Groden aus dem Hightech-Stahl T 24 besteht. (…) Ob und wie sich die Probleme auf uns auswirken, kann man im Moment noch nicht absehen.“ (WZ, 12.04.11)

Doch inzwischen schienen sich die Spannungs- und Temperaturprobleme des Dampfkessels erledigt zu haben: Der Kraftwerksneubau von GDF SUEZ „auf dem Rüstersieler Groden liegt im Zeitplan. Das Milliardenprojekt mit einer elektrischen Leistung von 800 Megawatt und 46 Prozent Wirkungsgrad wird 2012 den Regelbetrieb aufnehmen“, so die WZ vom 05.08.11. Doch auf Nachfrage des Gegenwind stimmte das nun doch wieder nicht so ganz: Telefonisch erklärte Herr Albers, dass es Sache des Herstellers sei, das Problem zu lösen, und dass man davon ausgehe, dass „…wir in den nächsten Monaten zu konkreten Aussagen kommen können.“ Alles andere sei spekulativ. Doch die Faktenlage lädt zum Spekulieren geradezu ein: Bis Ende 2012 sind es gerade noch 16 Monate. Und die problematischen Kesselkomponenten sind schon auf dem Baugelände. Wie will man die noch termingerecht temperatur- und druckresistent machen? Oder zaubert Hitachi einen noch widerstandsfähigeren Stahl aus dem Hut und liefert ihn als Ersatz rechtzeitig an? Das können nur Optimisten glauben. Realistischer scheint zu sein, dass man die bereits angelieferten Komponenten zusammenbaut und mit dem so gefertigten Dampferzeuger unter Inkaufnahme der Macken den Betrieb aufnimmt. Der Kessel müsste – um Spannungsrisse zu vermeiden – dann allerdings mit weniger Temperatur und Druck gefahren werden. Was im Ergebnis weniger elektrische Leistung und der Abschied von dem propagierten 46%igen Wirkungsgrad zur Folge hätte.

Doch noch ein weiteres Hindernis steht dem für 2012 angekündigten Regelbetrieb des 800 MW-Kohlekraftwerks mit 46 Prozent Wirkungsgrad entgegen: Es gibt noch keinen Anschluss des Kraftwerks an das Stromnetz. Zwar liegt seit dem 02.02.10 die Genehmigung für einen Leitungsanschluss an das Umspannwerk (USW) Maade vor, doch die beantragte 380 kV-Leitung von der Maade nach Conneforde hängt seit dem 27.02.09 im Planfeststellungsverfahren fest. Auch eine Alternativroute über ein zu bauendes Umspannwerk in dem noch in der Planungsphase steckenden Bebauungsplan Nr. 174 für ein Industrie- und Gewerbegebiet bei Antonlust wird im Jahre 2012 kaum mehr zu realisieren sein. Denn erst wenn der B-Plan 174 durch Ratsbeschluss rechtskräftig geworden ist, kann ein Planfeststellungsverfahren zwecks Bau des Umspannwerks eingeleitet werden. Außerdem müssen noch die Leitungstrassen beantragt werden, und die können erst nach Prüfung der Unbedenklichkeit unter öffentlicher Beteiligung genehmigt werden. Und das dauert!

Wenn Herr Albers trotzdem von einer Inbetriebnahme im nächsten Jahr ausgeht, dann lässt sich dies nur damit erklären, dass GDF SUEZ die bestehende 220kV-Freileitung vom USW Maade nach Conneforde neben dem E.ON-Kraftwerk mitnutzen darf. Der jüngst beim USW Maade angelieferte 220 Tonnen schwere Transformator ist ein Indiz dafür, dass das auch so vorgesehen ist. Offen ist dagegen, ob die Leitungskapazität für den Strom aus dem E.ON- und dem GDF-SUEZ-Kraftwerk vollständig ausreicht. Ist dies nicht der Fall, dann kann das GDF-SUEZ-Kraftwerk nur in Teillast gefahren werden. Damit wäre auch diesbezüglich die Aussage von Herrn Albers (dass das Kraftwerk mit einer elektrischen Leistung von 800 Megawatt und 46 Prozent Wirkungsgrad 2012 den Regelbetrieb aufnehmen wird) Makulatur. Diese Überlegungen werden in einem Antwortbrief vom 25.08.11 der Netzbetreiberfirma ‚TenneT TSO GmbH’ an den Vertreter vom ‚Landesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz’ (LBU) in Wilhelmshaven bestätigt. Die Firma ‚TenneT’ schreibt u.a., dass sie „vom Kraftwerksbetreiber aufgefordert (wurde), unverzüglich einen Netzanschluss für das im Bau befindliche Kraftwerk auf der Höchstspannungsebene von 380 kV in der Nähe des bestehenden Umspannwerks Maade bereitzustellen. Der in diesem Sinne geschlossene Netzanschlussvertrag mit der GDF Suez als Kraftwerksbetreiber sieht einen eingeschränkten 380 kV Netzanschluss bis 2011 (Ausbau UW Maade ist erfolgt) und in einer weiteren Ausbaustufe einen uneingeschränkten 380-kV Netzanschluss bis 2019 vor. Als Ergebnis ist festzuhalten, dass ohne ein zusätzliches Umspannwerk auf Höchstspannungsebene mit 380 kV der Betrieb von GdF Suez nur in Teillast möglich ist.“

Ergänzend teilte Stadtbaurat Klaus Dieter Kottek dem Ratsherrn Joachim Tjaden (BASU) dazu folgendes mit: „Als 1.Ausbaustufe ist deshalb ein 380 kV Umspannwerk im Bereich der BAB 29, Ausfahrt 4, Fedderwarden. mit Anschluss an die bestehende 220 kV Leitung Conneforde – Maade geplant. Für die 380 kV Freispannungsleitung ist ein gesondertes Planfeststellungsverfahren durchzuführen.“ Es gibt also zwei Anhaltspunkte dafür, dass das GDF-SUEZ-Kraftwerk den Wirkungsgrad von 46%, der in der Immissionsschutzgenehmigung festgehalten ist, nicht einhalten kann: 1. die ungelösten Spannungsprobleme in den Kesselrohren des Verdampfers 2. die über Jahre nicht zur Verfügung stehenden Leitungskapazitäten zur Stromeinspeisung in das Leitungsnetz.

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