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Nov 191990
 

Auf der Flucht

Vorläufige Endstation: Banter Deich

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(hh/noa) Im letzten GEGENWIND berichteten wir über die Einrichtung eines Asylantenwohnheims am Banter Deich. Inzwischen leben dort etwa 40 Personen, davon 25 Kinder! Die Besetzung ist international. Kaum zwei Familien kommen aus demselben Land.

Trotzdem komme man im allgemeinen ganz gut miteinander zurecht, berichtet die rumänische Familie Cîrpaci. Die aus Arad kommende siebenköpfige Familie ist über viele Stationen nach Wilhelmshaven gekommen: Von Arad über die Grenze nach Ungarn, von dort aus weiter nach Berlin, dann mit dem Bus nach Harnburg, wo sie ihren Asylantrag stellte; nach einem Zwischenaufenthalt im Übergangslager Braunschweig wurden sie nach Wilhelmshaven geschickt.

gw097_asylHier sei es auf jeden Fall besser als in Hamburg, wo sie auf ein Wohnschiff verfrachtet worden seien und nur „zu fressen“ bekommen hätten. Obwohl die Bedingungen im Banter Deich alles andere als berauschend sind, wollen die Cîrpacis gerne bleiben, denn sie befürchten, in ein Hochhaus gesteckt zu werden.
Unter dem Ceauşescu-Regime seien sie aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu den Roma schikaniert worden. Auch nach der „Revolution“ habe sich ihre Situation nicht verbessert.
„Ceauşescu und Iliescu haben früher zusammen Karten gespielt – was soll sich da wohl ändern?“ lautet ihre Einschätzung.
Auf dem gleichen Flur lebt eine vierköpfige libanesiche Familie (der fünfte Kopf ist unterwegs). Sie müssen sich mit einem halben Raum begnügen. Der ehemals größere Raum wurde durch eine schnell hochgezogene Mauer geteilt; auf das Verputzen hat die Stadt verzichtet. Wo die Neonleuchten des früheren Unterrichtsraumes angebracht sind, hat man einfach zwei Steine weggelassen, so daß die Mauer zwei Löcher hat.
Überhaupt sind die Bauarbeiten noch immer in vollem Gang. Während unseres Besuchs an einem Samstag konnten wir den Bauarbeitern bei der Arbeit zusehen. Positiv zu vermerken ist nur, daß inzwischen im unteren Stockwerk eine Dusche eingebaut wurde.

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