Sezession Nordwest

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Mrz 302018
 

Pressemitteilung vom 29. März 2018 * „Licht und Schatten“ lautet der Titel der Ausstellung von Herbert Blazejewicz in der Sezession Nordwest vom 5. April bis zum 22. Mai. Ein Titel, der die Frage aufwirft, in welcher Kunst es nicht um eine Auseinandersetzung mit Licht und Schatten geht. Denn ohne Licht keine Malerei, keine Farbe, keine Fotografie, kein Film, keine Grafik oder Zeichnung. Allenfalls die Skulptur käme ohne aus. Auf dass ein Sehender in die Rolle des Blinden träte, um die Formen zu ertasten. Dennoch spielen Licht und Schatten für die Arbeiten von Herbert Blazejewicz eine unmittelbarere Rolle: Hier sind sie keine hintergründigen Basisphänomene, hier sind sie Hauptprotagonisten.

Herbert Blazejewicz wurde 1940 in Wilhelmshaven geboren, nahm bereits 1962/63 an Gemeinschaftsausstellungen etwa im Kunstverein teil und studierte von 1965 bis 1968 Didaktik der Bildenden Kunst in Oldenburg. In der Folge arbeitete er als Lehrer und ließ sich 1992 vom Schuldienst beurlauben, um wiederum intensiv künstlerisch arbeiten zu können. Seit 2004 ist der in Hude Lebende Mitglied im BBK Oldenburg.

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Foto: Sezession Nordwest

Seit gut 10 Jahren baut er aus Acrylglas Objekte – zunächst geschlossene Gebilde, deren Oberflächen mit Seidenpapier beklebt oder angeraut wurden. In jüngerer Zeit entstehen offene Formen, anschaulich frei schwebende, optisch aufgelöst leichte Objekte. Sie erscheinen neben Licht- und Spiegelreflexionen vor allem durch Schatten, wobei das Tageslicht naturgegeben entschieden lebendigere Auswirkungen als Kunstlicht hervorruft.

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Foto: Sezession Nordwest

Eine besondere Spezies der offenen Formen stellen Stelen dar, die auf kleiner Grundfläche an die zwei Meter Höhe erreichen. Da sie in ihrer Gesamtheit nur aus einigem Abstand zu erfassen sind, lösen sie sich – von Reflexionen abgesehen – bis auf ihre Kanten, die als dunkle Linien sichtbar erscheinen, weitgehend auf. In Konsequenz der materiellen Auflösung stehen die Stelen nicht auf Sockeln oder Postamenten, vielmehr wachsen sie aus dem Boden – aus Rasen- oder Kiesflächen.

An die Seite der aus massiven, starren Platten bestehenden Acrylglasobjekte treten oberflächenbewegte Objekte aus dünner, mehrschichtiger aufgespannter Alufolie. Auch diese Oberflächen werden teils bis zur Rissbildung aufgeraut; die dortigen Stellen durch Auf- und Abtragen von Acrylfarbe als Spuren betont.

Herbert Blazejewicz sieht sich als Materialist. Bereits zur Schulzeit erkannte er in manch alten Fundstücken eine reizvolle Sinnlichkeit. So wurden etwa verwitterte Banderolen alter Konservendosen als konkrete Bilder gerahmt. Zeitgleich zeichnete er reale Objekte wie etwa Schiffe.

Die aktuellen konkreten Arbeiten benötigen keine Titel; sie haben keine realen Bezüge, sondern entstehen vielmehr aus sich selbst heraus. Asketisch, ruhig, klar und zurückgenommen sollen sie in ihrer Einfachheit eine in den Bann ziehende Wirkung durch Licht-(Einwirkung) erzielen. Dafür bedarf es einer weniger rationalen Erkenntnissuche als vielmehr eines meditativen Sich-Einlassens. Dann mag sich ereignen, was ein Junge vor einer Stele formulierte: „Es zaubert.“

 

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