Radio Jade

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Nov 101999
 

Aus dem Innenleben der „Dritten Säule“

Radio Jade auf dem Prüfstand: Die niedersächsische Landesmedienanstalt legt Bericht über die Arbeit des nichtkommerziellen Rundfunks vor.

(hk) Radio Jade ist für die meisten Gegenwind-LeserInnen mit Sicherheit zu einer festen Informationsquelle geworden. Die niedersächsische Landesmedienanstalt (NLM) legte im Sommer 1999 ihren Bericht zum „Betriebsversuch von nichtkommerziellem lokalen Hörfunk (NKL) und Offenen Kanälen in Niedersachsen“ vor, der sich auf die Ergebnisse der Begleitforschung durch emnid und mct (media consulting team) stützt.

Der Gesetzgeber hat den spezifischen Programmauftrag der NKLs zusammengefasst:
  1. Das Programm muss sich inhaltlich-thematisch und formal von den Programmen etablierter kommerzieller und öffentlich-rechtlicher Hörfunkanbieter deutlich unterscheiden.
  2. Die lokale Berichterstattung muss ein Programmschwerpunktsein.
  3. Soziale, kulturelle und politische Aktivitäten des Sendegebietes sind in die Programmarbeit zu integrieren.
  4. Gruppen, die ansonsten in medialen Angeboten unterrepräsentiert sind, ist eine publizistische Artikulationsmöglichkeit zu schaffen.

b_radiojade(…) Die lokale Presselandschaft in Niedersachsen ist mit fast 70 Prozent durch eine Monopolsituation in Form von Ein-Zeitungskreisen gekennzeichnet. Vor diesem Hintergrund ist mit der Einführung des nichtkommerziellen lokalen Hörfunks im lokalen Nahraum durchaus eine institutionelle publizistische Ergänzung entstanden, ohne dass hiermit bereits gesagt ist, dass die NKLs auch tatsächlich eine thematisch-inhaltliche Ergänzungsfunktion wahrnehmen. (Alle kursiv gedruckten Passagen: Zitate aus: NLM – Ergebnisse der Begleitforschung – Zusammenfassung)
Die NLM kommt in ihrem Papier letztendlich dann doch zu der Einschätzung, dass die NKLs aufgrund ihrer teilweise exklusiven lokalen Berichterstattung eine Ergänzungsfunktion zu den konkurrierenden Hörfunkanbietern (NDR, Antenne, ffn) erfüllen.
[SCM]actwin,0,0,0,0;gw155.pdf - Adobe Acrobat Acrobat 04.03.2015 , 13:07:47Kritischer sieht die NLM allerdings die geforderte formale Unterscheidbarkeit von den anderen Hörfunkanbietern: Es scheint so, als ob die NKL-Programmproduzenten die radiphonen Möglichkeiten des Hörfunks nicht kennen oder nicht für ihre Programmpraxis nutzbar machen wollen oder können. Insofern wirkt ihr Berichterstattungsrepertoire spärlich, akustische Möglichkeiten – neben Sprache, Musik und Jingles – wie Klänge, Hintergrundgeräusche, 0-Töne, szenische Dokumentationen usw. werden kaum ausgeschöpft. Radiphone Experimente im Sinne einer formalen Weiterentwicklung des Mediums finden überhaupt nicht statt.
Kaum wiederzufinden sind, so die Landesmedienanstalt, in den Programmen die beiden weiteren Punkte des Programmauftrages, nämlich die Integration sozialer, kultureller und politischer Aktivitäten und die Schaffung publizistischer Artikulationsmöglichkeiten für unterrepräsentierte Gruppen. Bei Radio Jade und bei Radio Aktiv sind sie in der Programmpraxis kaum „wiederzufinden „.
Des weiteren stellt die NLM, auf Grundlage der Untersuchungen fest, dass die Sender mit hohen Wort- und Informationsanteilen und lokaler Informationsgebung durch eine große Anzahl von Hörern belohnt werden. Zu diesen Sendern gehört auch Radio Jade!
Bewertend und ausblickend stellt die Landesmedienanstalt fest: Die nichtkommerziellen Radios sind insgesamt als eine Bereicherung der niedersächsischen Hörfunk- und Medienlandschaft anzusehen. Sie erfüllen wesentliche Teile ihres Programmauftrags und ergänzen die lokale Publizistik.

Zitate aus den Untersuchungen in Bezug auf Radio Jade
Das Stichwort vom „kleinen NDR ist schon gefallen. Es umreißt unseres Erachtens auch die Programmphilosophie der hauptamtlichen Redaktion von RADIO JADE. (…) Sie wollen nicht das Radio neu erfinden, sondern eine Informationswelle im Nordwesten etablieren, die den alteingesessenen Printmedien Paroli bieten kann.
Die hauptamtlichem Redakteure haben senderintern einen großen Einfluss: Sie nehmen die Beiträge ab, bevor sie gesendet werden. Der Redaktionsleiter oder ein Vertreter hat das Recht, Beiträge als nicht sendefähig abzulehnen. (…) De facto kann der Programmausschuss Entscheidungen des Redaktionsleiters nur noch im Nachhinein kritisieren oder sanktionieren.

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