Gegenwind 1990
Mai 211990
 

Ausweg

Begleiter aus der Drogenabhängigkeit gesucht

(ub/noa) Sie sind beide heroinsüchtig. Früher ist er fast jeden Tag morgens mit dem Taxi nach Bremen gefahren, um Stoff zu besorgen. Über den eigenen Bedarf hinaus, vielleicht zehn oder zwanzig Schuß, denn um die eigene Dosis und die für die Freundin zu verdienen, mußte er in Wilhelmshaven Heroin verkaufen.

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Mai 211990
 

Handlanger

der Neonazis spielte die Polizei als Faschistenführer Schönhuber am 25.4.90 im Vareler Alleehotel zu einer Veranstaltung auftauchte.
Ohne daß ein zentraler Aufruf erfolgt wäre, waren mehrere Hundert Antifaschisten aus der Region sowie aus Bremen, Hamburg und Göttingen angereist, um gegen Schönhubers Auftritt zu demonstrieren.
So mußte der BMW mit Bonner Kennzeichen zunächst vor dem Hotel wieder abdrehen. Statt pflichtgemäß für einen friedlichen Ablauf zu sorgen, der bis dahin auch gegeben war, schürten die (wessen?) Freunde und Helfer die Aggression, bis sie schließlich den Nazi-Guru in einem Dienstfahrzeug der Polizei durch die Turbulenzen zum Veranstaltungssaal mogelten.
Dies schürte die Empörung der Schönhuber-Gegner, darunter auch der Stadtdirektor und Ratsherren aus Varel, Gewerkschafter und Betriebsräte, sodaß es schließlich zu einigen vorläufigen Festnahmen kam.
Über die Fortsetzung im Saal, die offensichtlich den rechten Claqueuren (15-30 an der Zahl) vorbehalten sein sollte, berichtete später das Magazin „Buten und Binnen“ in Wort und Bild: als ein wohl versehentlich nach drinnen gelangter Gegner Schönhubers eine kritische Frage stellte, wurde er auf dessen Fingerzeig („den da!“) von den polizeilichen Ordnungskräften unsanft nach draußen befördert.

Mai 211990
 

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Nu is mein Urlaub vorbei und bin ich wieder da. Vielen Dank auch für die schöne Karte zu’n Muttertag. Hier habense sich ja zum Muttertag kräftig ins Zeug gelegt, vor allem die Geschäfte. Was gab’s nich alles für feine Geschenke! Aber am besten fand ich Aldi, weil die sich was Schönes und Nützliches ausgedacht haben. Da war nämlich ne ganze Seite von Aldi zum Muttertag im Blatt, Fertiggerichte, damit Mutti an ihrem Ehrentag nich so lange in der Küche stehen muß, und Liköre, damit sie schön lustig dabei bleibt. Aber nun das Schönste, woran du siehst, daß die Brüder Albrecht doch immer wieder ihr Ohr am Herzschlag der Mutterseele haben: Rechts unten auf der Seite, sogar mit einem schönen großen Bild, wurde ein vierteiliges „Kehrset “ angeboten, so was, wo wir früher Handfeger und Schaufel zu gesagt haben, zu und zu schön. Nee, mein Kuddel, kannst sagen, was du willst, auf Aldi ist doch immer wieder mehr Verlaß, als auf die ganzen Politiker, die uns Frauen mit Gewalt aus der Küche holen wollen, damit wir uns vor allen Leuten genauso blamieren wie sie.

Aber es sind ja auch wieder nich alle Politiker so. Hier gib’s zum Beispiel in der SPD einen, der schreibt jedes Jahr ein Theaterstück (beinahe wie der Konsalik, der schreibt ja wohl auch immer so viel), was er denn immer im Stadttheater aufführen darf. Und an dem seinen neuen Stück kann man nun doch sehen, daß es auch Sozis gibt, die noch wissen, was gut und anständig und sauber ist.
Weißt du, da geht so’n armer amerikanischer Junge vom Land nach Hollywood, um Karjehre zu machen, aber die sind da alle ganz schlecht, genau wie man das aus’m Fernsehn ja schon kennt. Und wie er nun ganz fertig gemacht ist von den Fiesen da, kommt er wieder nach Hause in sein Dorf zurück, und da merkt er erst, wie lieb die doch alle sind, und dann kriecht er auch von seinem Vater den Hof und noch ne Frau dazu, ne, mein Kuddel, war das rührend, auch wie die Kühe ihn immer so nett getröstet haben. Was ich ja nich so gut fand, ist, daß er immer schwarz mit’m Zug gefahren ist und daß er mal die Kühe einfach aus’m Zug rausgelassen hat. Da merkt man dann doch, daß das so’n Linker geschrieben hat. Aber sonst ist das echt überhaupt nicht aufgefallen, sondern es kam gut raus, daß man was Anständiges arbeiten und keinen unanständigen Secks machen und immer zur Familie halten soll, weil die ist ja doch das Höchste, ganz wie unser Kanzler das ja auch immer sagt.
Das hat dieser Sozi, König oder Graf oder so heißt der, irgendwas Adliges jedenfalls, richtig schön gemacht. Auch die Musik war ganz fein, obwohl so’n bißchen Heino hätte da noch rein gepaßt.
Jedenfalls war das nicht so’n Theater, wo man Kopfschmerzen bei kriecht, wie bei diesem „JUNGEN THEATER“, immer nur Probleme, Kuddel, und wie die s ich immer ausdrücken, wird einem richtig schlecht von. Na, Gott sei Dank werden die wohl bald keinen Raum mehr haben, wo sie üben können, da sorgt unsere Verwaltung schon für, und dann können wir vielleicht noch viel mehr so schöne Stücke von diesem Graf oder so sehen – dann lad ich dich auch mal ein!

Bis dann, mein Kuddel, dicken Knutsch von dein 

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Mai 211990
 

Oder: Watt jeht mich mein dummet Jeschwätz von jestern an?

(aj) Wer kennt sie nicht, die Geschichte von Dr. Jekyll, dem angesehenen Arzt, der des Nachts zum gefürchteten Mr. Hyde wird und aus den medizinischen Erfahrungen seines ersten Ichs mörderischen Nutzen zieht? Besonders faszinierend ist dabei doch immer wieder, daß der gute Dr. Jekyll lange Zeit das böse Treiben seiner Nachtperson ignoriert. . .

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Apr. 161990
 

Zweckentfremdet

Fragwürdige Arbeitsbedingungen und schlechte Entlohnung beim Deutschen Roten Kreuz

(ub) ABM (Arbeitsbeschaffungsmaßnahme) heißt das Zauberwort für private Firmen und gemeinnützige Organisationen. Ein vom Arbeitsamt vermittelter und finanzierter Langzeitarbeitsloser ist billig und anscheinend beliebig einsetzbar.

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Apr. 161990
 

Sanieren

will sich die „Erste City-Parkhausgesellschaft Wilhelmshaven-Mitte mbH“ aus den für die Stadtsanierung fließenden Steuergroschen: Sie läßt das von ihr betriebene Parkhaus im Zentrum (PIZ) im Zuge der Maßnahmen in der Innenstadt einfach mit umbauen.
Schon jetzt muß die Stadt täglich 1.500 Mark zum Ausgleich des Defizites an die Gesellschaft zahlen.
Nachdem die Stadt den Eingangsbereich für 380.000 DM attraktiver gestaltet hatte, die erhoffte Wirkung (mehr Autos ins Parkhaus) aber wegen der inzwischen dazugekommenen ebenerdigen Parkplätze an der Bahnhofstraße ausblieb, soll jetzt richtig zugeschlagen werden. 3,8 Millionen DM sind vorgesehen, um z.B. die Auffahrten zu verbessern. Die Stadt Wilhelmshaven muß davon knapp 1,3 Millionen berappen.
450 Stellplätze hat das Parkhaus. Umgerechnet bedeutet das, daß jeder einzelne Stellplatz mit 4.500 Mark saniert wird.
Warum nach der Sanierung dann plötzlich die Autofahrer das Parkhaus nutzen sollen, weiß wohl nur die Parkhausgesellschaft. SPD-Ratsherr Hans Hartmann dazu „Parkhäuser werden nur dann genutzt, wenn kein anderer ebenerdiger Parkraum vorhanden ist.“ Und davon gibt es im Bereich der City mehr als genug.

Apr. 161990
 

Mit einem blauen Auge

davon, kam die hochgelobte German Yachts-Werft. Hieß es vor einigen Wochen noch, daß der Konkurs unabwendbar sei, wenn sich nicht ein neuer Geldgeber findet, gab es in der letzten Woche ein Aufatmen: Die niedersächsische Landesregierung übernimmt eine Landesbürgschaft in Höhe von 900.000 Mark.
Dabei mangelte es der Werft nie an Arbeit. Nur war die Finanzdecke so dünn, daß die Werft zahlungsunfähig wurde. So war es denn auch nicht verwunderlich, daß man einige Mitarbeiter schon mal beim Innenausbau einer Kneipe beobachten konnte – da wird schneller bezahlt.

Apr. 161990
 

Ein Aushängeschild der Stadt Wilhelmshaven, das Feuerschiff "Weser" gammelt im Großen Hafen vor sich hin. Ein Tourist: "Da kannste ja kein Foto von schießen, überall die in großen Placken abblätternde Farbe. Sieht ja aus wie auf’m Schrott!"

Ein Aushängeschild der Stadt Wilhelmshaven, das Feuerschiff „Weser“ gammelt im Großen Hafen vor sich hin. Ein Tourist: „Da kannste ja kein Foto von schießen, überall die in großen Placken abblätternde Farbe. Sieht ja aus wie auf’m Schrott!“

Apr. 161990
 

Überfordert

Untragbare Arbeitsbedingungen im kirchlichen Seniorenzentrum

(red) Die Aktion „Neu anfangen“ der Wilhelmshavener Kirchen hat Unsummen verschlungen. Weniger großzügig gehen die Kirchen mit dem Geld um, wenn es um Lohnkosten in ihren Einrichtungen geht, wie der folgende Bericht zeigt.

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Apr. 161990
 

brot für die welt, erwin Fiege

Zeichnung: Erwin Fiege

Nur Positives gibt es, so jedenfalls die Sprecherin der Kirchengemeinden, über die Aktion „neu anfangen“ zu berichten.
15.000 Bücher wurden verschenkt, 2.000 Leute erklärten sich bereit, an „Gesprächskreisen“ teilzunehmen. Man habe durch die Telefonaktion viele einsame, zumeist ältere, Menschen erreicht, die sich freuten, daß jemand mit ihnen sprach. Innerhalb der Telefongruppen, die 30.000 Anrufe tätigten (da freut sich die Post), bauten sich neue Kontakte auf.
Die Frage, ob das was erreicht wurde, nicht eh Aufgabe der seelsorgerischen Gemeindearbeit sei, sollte zumindest gestellt werden. Ebenso wie die Frage, ob das, was durch diese geldintensive Aktion an neuen Kontakten geknüpft wurde, nicht auch mit „normalen“ Mitteln hätte erreicht werden können.
Die Aktion dieser modernen Missionare verschlang die Summe von 150.000 DM. Zu fragen bleibt auch, ob die Kirchen nach solchen Aktionen noch guten Gewissens ihre Spendenaufrufe wie „Brot für die Welt“ oder „Misereor“ vertreten können. (hk)

Apr. 161990
 

Ausgesponnen!?

Konkurs der KSW: Nun soll die DDR helfen

(hk) Seit Jahren ist der Name KSW mit Begriffen wie „Arbeitsplatzabbau“, „Massenentlassungen“ und „Pleite droht“ auf’s Engste verbunden. Bestanden vor einem viertel Jahr noch geringe Hoffnungen, so sind diese nach dem Konkursantrag vom 30.3. auf den Nullpunkt abgesunken.

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Apr. 161990
 

Für Aufregung

im Wahlkampf sorgte in der letzten Woche die Nachricht, daß offensichtlich an fast alle Aussiedler eine Wahlbenachrichtigung ausgegeben wurde, obwohl viele von ihnen noch nicht einmal einen Flüchtlingsausweis besaßen, geschweige denn die deutsche Staatsangehörigkeit.

Apr. 161990
 

Frust

sowohl für arbeitslose Lehrer als auch für im Dienst stehende überlastete Kollegen bietet das Verzeichnis der Stellen, die im Schuldienst des Regierungsbezirkes Weser-Ems zum August zu besetzen sind: Es gibt nicht eine Stelle für Wilhelmshaven – der Lehrermangel wird weiterhin möglichst gleichmäßig verteilt werden müssen.
Auch im Kreis Friesland, wo Elternvertretungen aktiver als in Wilhelmshaven den Anspruch ihrer Kinder auf sinnvolle pädagogische Betreuung und vollständige Unterrichtsversorgung in der Öffentlichkeit vertreten, wird lediglich eine Stelle, nämlich auf Wangerooge, vergeben.

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