Gegenwind 1990
Mai 211990
 

10. Internationaler Wattenmeertag

Am 16. September 1990 begehen Natur- und Umweltschutzverbände an der Küste den 10. Internationalen Wattenmeertag. An diesem Tag werben sie durch Aktionen, Diskussionen, Vorträge und größere Veranstaltungen entlang der Küste für Schutz des länderübergreifenden Großlebensraumes Wattenmeer. Seit mehr als zwei Jahrzehnten setzen sich private Organisationen für den Schutz des gesamten Wattenmeerraumes ein. Über zehn Jahre arbeiten hier Umweltverbände staatenübergreifend zusammen.
Nicht nur im Bereich der Deutschen Wattenmeerküste, auch in anderen Küstenbereichen der Erde setzt man in die Ausweisung von Nationalparks oder anderen großräumigen Schutzgebieten starke Hoffnungen. Sind diese berechtigt? Wie können Erfahrungen des ehrenamtlichen und öffentlichen Naturschutzes aus verschiedenen Ländern, z.B. auch bei der Einrichtung von Schutzgebieten an der DDR-Ostseeküste, Berücksichtigung finden?
Die Beantwortung dieser und weiterer Fragen soll Schwerpunkt des diesjährigen Wattenmeertagcs sein. Die Hauptveranstaltung mit einem Vorkolloquium, einer Fachkonferenz und Exkursionen an verschiedene Küstenorte wird in Bremen von der Umweltstiftung WWF Deutschland in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft beruflicher und ehrenamtlicher Naturschutz e.V. (ABN) und der Förderation der Natur- und Nationalparke Europas (FNNPE) durchgeführt.

Termin: 13.-15.9.90
Ort: Konsul-Hackfeld-Haus, Bremen
Auskunft/Programm: WWF-Projekt Wattenmeer & Nordseeschutz c/o Ökologiestation, Am Güthpol 9, D-2820 Bremen 70, Tel. 0421-65846-0.
Mai 211990
 

Als Vertrauensbruch

gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern, die in Sachen Verkehrsberuhigung Freiligrathstraße zu einer Bürgeranhörung eingeladen wurden, muß man den Beschluß des Finanzausschusses vom 7. Mai betrachten. Dort trat die Verwaltung mit einer Vorlage an die Ratsvertreter heran, in der 50.000 DM für die Verkehrsberuhigung der Freiligrathstraße ausgewiesen waren.
Auf Nachfrage teilte Stadtbaurat Prottengeier mit, daß 39.000 DM davon für Verkehrsuntersuchungen und die restlichen 11.000 DM für einen Radweg vorgesehen seien. Ratsherr Eppelmann hielt dies für unnötig, da doch die Aufhebung des Halteverbots schon zu einer Verminderung der Geschwindigkeit geführt habe. Ein durchgezogener Streifen am Rand tue es auch weiterhin, und die 39.000 DM sollten besser für einen Abschnitt der Gökerstraße zwischen Friedenstraße und Mühlenweg ausgegeben werden, in dem es durch die Neueröffnung von Geschäften große Verkehrsprobleme gebe.
Die SPD schloß sich dieser Sparlösung an. Einem Antrag der Gruppe Grüne/Frauenliste, diese Frage doch zunächst einmal zurück in die zuständigen Fachausschüsse zu geben, zumal nichts mit den Verkehrsbetrieben abgesprochen sei, wurde nicht zugestimmt. Bleibt zu fragen, ob die Anwohner der Freiligrathstraße mit dieser Lösung einverstanden sind.

Mai 211990
 

Ehrgeizige Pläne

hat, wie aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen verlautet, Sozialdezernent Milger (CDU): Dem Beispiel prominenter Parteifreunde folgend, will er sich angeblich um den Posten des Oberbürgermeisters in einer DDR-Stadt bemühen.

Mai 211990
 

Verurteilt

wurde der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) vom Landgericht Oldenburg wegen unbefugter Beklebung der Kaufhausfassade von Leffers und der vor dem Kaufhaus stehenden Werbesäule mit Veranstaltungsplakaten zum Antikriegstag 1989.
Die DGB-Erklärung, die Plakatierung des Leffers Eigentums sei nicht durch seine Organe erfolgt, wollte das Landgericht nicht als Entlastung gelten lassen!
Nach dessen Auffassung hat der DGB keine zumutbaren Maßnahmen ergriffen, um die wilde Plakatierung zu verhindern. So hätte dieser die Plakate z.B. nur an in seinem Verband organisierte Betriebsratsmitglieder leiten dürfen, um sicherzustellen, daß „… die im übrigen sensible politische Werbung nicht von Unbekannten durchgeführt wird.“ Deshalb werde dem DGB selbst die Plakatierung zugerechnet. Der DGB will gegen dieses Urteil Einspruch erheben.

Mai 211990
 

Erneut

haben rechtsradikale Skinheads jugendliche Besucher des Musikcafes „Kling Klang“ angegriffen. In der Nacht vom 18. auf den 19. Mai stürmten acht zum Teil vermummte und uniformierte Skinheads unter lautem „Sieg Heil“-Gegröle die Mitscherlichstraße entlang. Einem vor dem Kling Klang sitzenden Besucher hielt einer der zumindest zum Teil bewaffneten Neonazis eine Gaspistole vor die Stirn und drückte aus nur 50 cm Entfernung ab. Der Jugendliche mußte an einer Platzwunde ärztlich behandelt werden.
Die vom Geschäftsführer alarmierte Polizei beschränkte sich darauf, auf einem nahe gelegenen Parkplatz Position zu beziehen. Die Skinheads hielten sich noch eine ganze Weile in einer in der Nähe befindlichen Grünanlage auf, offenbar in der Absicht, den das Kling Klang verlassenden Besuchern aufzulauern.

Mai 211990
 

Glimpflich

davongekommen ist ein ausländischer Mitbürger, der neulich nachts auf dem Nachhauseweg in der Kirchreihe von Skinheads vom Fahrrad gerissen wurde. Er erlitt zum Glück nur eine kleine Verletzung am Arm. Die Glatzköpfe ergriffen die Flucht, als zwei Zeugen hinzukamen.
Im Schutz der Dunkelheit sind die Faschisten immer am mutigsten – da trauen sie sich, Leute anzugreifen oder (wie in der Nacht zum 1. Mai) das Gewerkschaftshaus mit Hakenkreuzen zu beschmieren.

Mai 211990
 

Abgesang

Stadtjugendring pfeift aus dem letzten Loch

(ub) Endgültig abtreten will der alte Vorstand des Stadtjugendringes. D. Thiesfeld als 1. Vorsitzender sowie der 2. Vorsitzende A. Krallmann haben dies in einem Schreiben an die Mitgliedsverbände noch einmal unmißverständlich deutlich gemacht.

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Mai 211990
 

Expertenhilfe

Rettet Kronos den Banter See?

Mitte Mai traf sich ein Mitarbeiter der Firma Kronos Titan, bekannt für gutes Know-how sowohl in Sachen Umweltschutz als auch Verschmutzungstechnik, mit einem engagierten Wilhelmshavener Umweltschützer, um über das Schicksal des Banter Sees zu beraten.

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Mai 211990
 

Endlich richtig abrüsten!

Gegenwind-Interview mit Wolfgang Niemann-Fuhlbohm

(hh/noa) Um die Wilhelmshavener Friedensbewegung, die vor einigen Jahren Hunderte zu Demonstrationen und Kundgebungen mobilisieren konnte und ein fester Bestandteil des politischen Lebens war, ist es ruhig geworden. Der GEGENWIND wollte wissen, ob es die Friedensbewegung so noch gibt und wie sie heute arbeitet. Wir sprachen mit Wolfgang Niemann-Fuhlbohm.

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Mai 211990
 

gw_95_kunsthalle

10.6. – 8.7.90: Ausstellung von:
PAUL BAUDOUIN

Neben farbigen Skizzen und Entwürfen für große Wandmalereien und einigen Portraits soll der Schwerpunkt der Ausstellung des französischen Künstlers auf Landschaften liegen. Dies sind nicht nur Beispiele der hohen Qualität französischer Landschaftsmalerei der Jahrhundertwende; in ihrer spontanen Pinselführung und ihrer delikaten, bis in die Frescotechnik zurückweisenden Farbigkeit zeigen sie Baudouin als einen bedeut enden Vertreter der „Ecole de Rouen“.

Mai 211990
 

Kino

Monty Pythons „Die Ritter der Kokosnuß“

Am Freitag, dem 1.juni, 21.00 Uhr  zeigt der Filmclub des Wilhelmshavener Kulturzentrums Pumpwerk in Zusammenarbeit mit dem Kurhaus Dangast den Spielfilm: „Die Ritter der Kokosnuß“. Dieser Monty Python-Hit erzählt mit dem berüchtigten englischen Humor die Geschichte von König Arthur und seiner Tafelrunde. Diese „größte Klamotte aller Zeiten“ sorgt für witzige Unterhaltung, bei der kein Auge trocken bleibt – nicht nur für eingefleischte Monty Python Fans.
Die Veranstaltung beginnt um 21.00 Uhr.

Mai 211990
 

Vor Ort

„Take off“ – Stadthalle 8./9.Juni, 20 Uhr 30

Spektakuläres und fetziges Musical der IGS-Blues-Brothers-Company nochmals in der Stadthalle: „Take off“ mit viel Rock, Pop, Blues, Tanz, Gesang, Gags und Theater. Da geht die Post ab auch mit Artistik, Einradfahren, Show, exzellentem Chorgesang und einer brandheißen Story. „Take off“ ist nicht nur ein Musical, es ist auch eine gelungene Satire auf die schöne bunte Welt des privaten Fernsehens, eine Show zwischen Tango und Tristesse, Gummi und Leder, Chappi und Happy, Glück und Geschäft, Profis und Profit, Bonzen und Blues, Kerzenschein und Feuerwerk, Design und Schein.

Mai 211990
 

PVC-Treffen der Aktionskonferenz Nordsee

Nachdem das Treffen am 5.Mai kurzfristig abgesagt werden mußte, ist für Samstag, 9.6.um 11.30 Uhr in Bremen, AKN-Büro, ein neuer Termin anberaumt. An diesem Tag sollen Inhalte und Strategien der Kampagne festgelegt werden. Weiterhin wird die Einladung zu dem am 6.10. angesetzten Workshop besprochen.
Mitarbeiter und Interessierte werden deshalb dringend um Teilnahme gebeten (bitte vorher Bescheid sagen!), zumal in der kommenden Ferienzeit die weitere Koordination erschwert ist.
AKN-Büro, Joachim Dullin, Kreuzstr.61, 2800 Bremen1

Mai 211990
 

2940 Wilhelmshaven, Ulmenstraße 1e

Cathrin Ley – Malerei

Arno Falk – Skulpturen

Ausstellung 24.6. – 27.7.1990

Eröffnung: 24.6. um 18.00 Uhr Ulmenstr. 1e, Wilhelmshaven

Cathrin Ley – geb. 1968 in Oldenburg, Abitur 1988. Seit 1984 Erfahrungen mit verschiedenen künstlerischen Medien: Ausdruckstanz, Musik, Zeichnung, Monotypien, Ölmalerei. Herbst 1988 Lautgesang bei „Musik + Malerei“, Kunsthalle Wilhelmshaven. Sommer 1989 Gemeinschaftsausstellung „Galerie M“, Herbst 1989: Schloßmuseum Jever, zusammen mit Arno Falk, Christian Eilers und Olaf Marxfeld-Ley.
Arno Falk: 1959 geb. in Kiel. 1974 – 84 Ausbildung zum Feinmechaniker und Erzieher. Plastisches Gestalten und Zeichnungen seit 1974. Seit 1984 ausschließlich Beschäftigung mit dreidimensionaler Bildnerei.
Gründung der Gruppe „Nein“, Ausstellungen und Aktionen in Kiel, Itzehoe, Geldern, Hamburg, Lübeck, Jever, Schenefeld und Bordesholm.

Mai 211990
 

Ihr EVU informiert
(nicht)

gw106_grüneWährend uns unsere Energieversorgungsunternehmen (EVU) in Hochglanzbroschüren weismachen wollen, Atomstrom sei billig, umweltfreundlich und unverzichtbar, endete die erste unpolitische Preisberechnung der Welt in der nuklearen Pleite. Beim Versuch, die EVUs zu privatisieren, blieb Frau Thatcher auf sämtlichen englischen Atomkraftwerken sitzen.
Bis März 1990 war der Central Electricity Generating Board (CEGB) der einzige Stromerzeuger in England. 12 regionale Gesellschaften besorgten die Verteilung. Die 12 Verteilergesellschaften werden im Herbst 1990, die CEBG im Frühjahr ’91 zum Verkauf angeboten. Die 16 Kernkraftwerke, die knapp 20 Prozent des Stroms auf der Insel erzeugen, haben sich als unverkäuflich erwiesen und verbleiben im Besitz des Staates.gw93_grün
Ursprünglich hatte die Regierung die Absicht, auch das atomare Erbe loszuwerden. Die Kernkraftwerke sollten ebenfalls in den privaten Sektor abgeschoben werden. Aber je länger sich die Geldleute der Londoner City, welche die Aktien unterbringen sollten, in die Kalkulation vertieften und je länger sie rechneten , um so weniger gefiel ihnen , was sie entdeckten . Das Staatsunternehmen konnte zwar optimistische Annahmen machen über die Lebenszeit der Atommeiler, die Kosten für die Wiederaufarbeitung der Brennstäbe, die Entsorgung des atomaren Abfalls und den Abriß der Reaktoren. Aber die Bankiers kalkulierten sehr viel vorsichtiger. Sie fühlten keine Verantwortung für eine übergeordnete öffentliche Atompolitik.
Plötzlich wurden Berechnungen herumgereicht, wonach Atomstrom doppelt, ja dreimal so teuer sei wie elektrische Energie aus Kohlekraftwerken. Das hörte sich ganz anders an als frühere unbelegte Versicherungen, Atomstrom sei „wettbewerbsfähig“. Auch von gewaltigen Summen für den Abriß der Reaktoren ist nun die Rede.
Die in die Enge getriebene Regierung machte nach und nach immer mehr Konzessionen. Schließlich war der gesamte nukleare Komplex aus dem Verkaufsangebot entfernt und zwar einschließlich eines Kraftwerks (Sizewell B), das sich im Bau befindet und zum ersten Mal einen Druckwasserreaktor als Energiequelle hat. Das Argument, Atomstrom sei wettbewerbsfähig, ist begraben und damit höchstwahrscheinlich auch das britische Atomenergieprogramm. (nach: Die Zeit 18/90)

Grüner VW-Boß?

Daniel Goeudevert ist Mitglied des VW-Vorstandes. Während aber der Autoindustrie sonst wenig einfällt als mehr PS , neue Metalliclackierungen, mehr Straßen, äußert er öffentlich grünes Gedankengut. Wir zitieren wörtlich aus einem Vortrag in Wolfsburg:
„Unser Straßenverkehrssystem weist Schäden auf wie ein kranker Mensch. Gefäßverengungen verursachen Kreislaufstörungen . Das Versagen des Kreislaufsystems bedeutet den Tod für den menschlichen Organismus. Versagt der Verkehr, kollabiert die Industriegesellschaft.
… Verkehrsplaner, aber auch die Autoindustrie , unterliegen linearem Wachstumsdenken. Die Bahn, so scheint es, ist Opfer dieses linearen Wachstumsdenkens. Heute ist das Straßennetz in der BRD 17mal so lang wie das Streckennetz der Bahn , 80 Prozent der Menschen, die sich von einem Ort zum anderen begeben, benutzen das Auto. Die öffentlichen Verkehrsmittel im Nahverkehrsbereich werden von 12 Prozent in Anspruch genommen . Der Transport von Gütern findet zu 52 Prozent auf der Straße, zu 23 Prozent auf der Schiene statt. …
Frédéric Vester sagt, wir stünden vor der Tatsache, daß viele der auf Kurzzeitprofit angelegten technischen Entwicklungen und die damit verbundenen Eingriffe in die Umwelt zunächst für diese Umwelt, dann für die Lebensqualität ihrer Bewohner und im Endeffekt zunehmend auch wirtschaftlich höchst problematisch wurden, sei es der bewußte Kahlschlag lebenswichtiger Ökosysteme zur noch rascheren Rohstoffausbeutung oder der unbewußte Kahlschlag durch Abgase, Wildverbiß und Bachbegradigungsprogramme. Diesen Beispielen ist auch unser Straßenverkehrssystem zu zuordnen. …
Die dringende Notwendigkeit, unser jetziges Verkehrssystem in ein ökologisches umzuwandeln, erfordert wesentlich mehr Öffentlichkeit. Das Umweltbewußtsein in der Bevölkerung ist in den letzten Jahren erheblich gewachsen. …
Was fehlt, sind gezielte Informationen über Möglichkeiten und die Vorteile neuer umweltschonender Verkehrsmittel. … Das ökologische Verkehrssystem benötigt in unserer Gesellschaft einen Interessenvertreter, einen Anwalt, der glaubhaft die Notwendigkeit einer Restrukturierung vertritt.“

viSdP: B. Richter, WHV

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