Agnes Miegel

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Apr 012009
 

Peinlich!

Wilhelmshaven wird bald die einzige Stadt mit einer Agnes-Miegel-Schule sein

(noa) Am 19. März feierte die Agnes-Miegel-Schule ihren 50. Geburtstag. Es soll eine schöne Feier gewesen sein, wenn man den Berichten am 20. und am 21. März in der WZ glaubt. Draußen vor der Tür standen Flugblattverteiler der LAW und der LINKEN mit dem Appell, zum 50. Schulgeburtstag auch über den Namen der Schule nachzudenken.


Agnes MiegelIn dem Flugblatt stand u.a.: „Die Agnes-Miegel-Schule in F’groden ist okay, das sagen viele Leute, die sie kennen – und mit Recht! … Auf diese Schule kann F’groden stolz sein – wenn da nicht ein großes ABER wäre: Diese Schule trägt einen falschen Namen. Agnes Miegel war zwar manchmal eine gute Dichterin, ihre Grundeinstellung aber war antidemokratisch. Sie huldigte dem Kaiser, Hindenburg und dem Führer, sie vertrat konsequent das Führerprinzip.
Als 1933 die Bücher der Aufklärung verbrannt wurden, sagte Agnes Miegel dazu kein Wort. Als ihre Kollegin Ricarda Huch deshalb die Preußische Dichterakademie verließ, wurde sie deren Mitglied. Und als so viele Dichter Deutschland verlassen mussten, blieb sie stumm. Sie wurde 1937 Mitglied der NS-Frauenschaft und nahm 1939 das Ehrenzeichen der Hitlerjugend an … Nein, diese Schule hat diesen Namen nicht verdient. Deshalb fordern wir die Lehrerschaft, die Eltern und die Schüler auf, sich zum 50. Geburtstag der Schule mit Agnes Miegel auseinanderzusetzen mit dem Ziel, für die Schule einen neuen Namen zu finden. … Eine gute, der demokratischen Erziehung verpflichtete Schule, der die Entwicklung des Einzelnen am Herzen liegt und die humane und soziale Grundsätze vermitteln will, sollte auch den Namen eines Menschen tragen, der diese Grundsätze in seinem Leben gelebt hat. Agnes Miegel gehörte mit Sicherheit nicht zu diesen Menschen.“
Drinnen sagte Eberhard Menzel – zur Erinnerung: ein Sozialdemokrat!!! – über die da draußen, da stehe die Partei, die schon den Osten heruntergewirtschaftet habe. Und: Man müsse mal überprüfen, ob es irgendwo dort noch Ernst-Thälmann-Schulen gäbe. Was für ein Vergleich! (Thälmann wurde 1933 von der Gestapo verhaftet und nach elf Jahren Isolationshaft, 1944, auf direkten Befehl Adolf Hitlers, im KZ Buchenwald erschossen.)
Am selben 19. März erfreute sich Wilhelmshaven mit der Agnes-Miegel-Schule auch der Aufmerksamkeit eines Organs der überregionalen Presse. Für die „junge Welt“ hatte Hans Daniel recherchiert und herausgefunden, dass in Wilhelmshaven „Ruhe an der Namensfront“ herrscht. „Was bei der auf der Internetseite der Schule (www.ams-whv.de) präsentierten, gelinde gesagt geklitterten Vita der anrüchigen Patronin nicht verwundert. Erwähnt wird noch, daß sie 1924 die Ehrendoktorwürde der Universität Königsberg erhielt. Dann kommt ein großes Loch. 21 Jahre sind dort aus dem Leben der Miegel verschwunden. Sie tritt wieder ins Leben, als 1945 aus unerklärten Gründen plötzlich und unerwartet ‚zum Ende des Krieges russische Truppen vor Königsberg standen’ und sie am 17. Januar 1945 die Heimat verlassen mußte.“
So ganz „Ruhe an der Namensfront“ ist aber doch nicht. Immerhin macht man sich in der Broschüre „50 Jahre Agnes-Miegel-Schule“ (v.i.S.d.P.: Heinz Bültena, Schulleiter) wenigstens Gedanken über das „Für und Wider einer Namensänderung“. Und da steht: „Das literarische Gesamtwerk Agnes Miegels ist nach wie vor angesehen – insbesondere als Lyrikerin findet sie hohe Anerkennung. In diesem lyrischen Werk allerdings finden sich 6 bis 7 Veröffentlichungen, die zum Teil explizit, wenigstens aber tendenziell, Hitler und das NS-Regime überhöhen.“
So schlimm war es also nicht mit Agnes Miegel? Nur 6 bis 7 Ausrutscher, wie z.B. das auf dieser Seite dokumentierte Gedicht? Doch, schon… „In Anbetracht dieser Veröffentlichungen und auch mit Blick auf ihr sonstiges Wirken war Agnes Miegel während der NS-Zeit zweifellos mehr als nur eine ‚Mitläuferin’, ohne erkennbare oder gelebte Distanz zum Regime. (…) Aber so schlimm nun auch wieder nicht: „Von einer aktiven rsp. führenden Rolle – sowohl im privaten, persönlichen Bereich als auch in der NSDAP und anderen NS-Organisationen kann bis zum heutigen Tage nicht die Rede sein. Persönliche Verfehlungen sind Agnes Miegel nicht anzulasten.“ So schlimm war diese Frau nicht, sie war nur eine glühende Anhängerein und Verehrerin Hitlers und bekennende Nationalsozialistin? Oder was?

Daten und Fakten
Während im Mai 1933 die Literatur im Geiste der Aufklärung auf den Bücher-Scheiterhaufen des nationalsozialistischen Ungeistes landete und ihre Literaten, im Besonderen die jüdischen und linken Autoren, aus der Akademie der Künste entfernt, in Lager gesperrt, in die Emigration vertrieben oder ermordet wurden, wird Agnes Miegel im gleichen Jahr als Senatorin in eben jene Akademie berufen.
Für ihr „Schaffen“ wurde sie im Dritten Reich mit zahlreichen Preisen geehrt: So erhielt sie die Wartburg-Rose (1933), den Herder-Preis (1935), den Goethe-Preis (auf besondere Fürsprache von Joseph Goebbels), den Ehrenring des „allgemeinen deutschen Sprachvereins“ (1935) und das Ehrenzeichen der Hitler Jugend (1939). 1936 stiftete die Kulturgemeinde eine Agnes-Miegel-Plakette, von der Agnes Miegel selbst die erste erhielt. 1937 trat sie der NS-Frauenschaft bei, 1940 der NSDAP.
Doch damit nicht genug, Miegel verfasste zahlreiche Werke im nationalsozialistischen Geiste, allein drei ! Gedichte sind Adolf Hitler zugewidmet: Dem Führer! (1936), An den Führer (1938), Dem Schirmer des Volkes (1939).
Weitere Werke Miegels im nationalsozialistischen Geiste sind die chorische Dichtung „Memelland“ (1935), eine Kantate zum Muttertag (1937), das Gedicht „Danzig“, in dem Agnes Miegel die „Heimholung“ ehemals deutscher Gebiete begrüßte (1939), die Hymne „An die Reichsfrauenführerin Scholtz-Klink“ und die Erzählung „Besuch bei Margret“ (1943), die von wissenschaftlicher Seite der Kategorie „Rassezüchtung, Vererbungslehre und Rassismus“ zugeordnet wird.
Niemand dürfte widersprechen, würde man Agnes Miegel eine Nazi-Dichterin und überzeugte Nationalsozialistin nennen. Sie hat ihr eigenes sonstiges, durchaus bemerkenswertes, Werk durch Ihre schamlosen Huldigungen des Bösen entehrt und wertlos gemacht. Auch nach dem Krieg hat Agnes Miegel sich nie von ihrer Vergangenheit distanziert.

Miegel Dem Führer

40 Agnes-Miegel-Schulen gab es in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg – gegenwärtig sind es noch drei. In Osnabrück ist „alles auf dem Weg“ für eine Umbenennung der Agnes-Miegel-Realschule: Die Gesamtkonferenz hat die Namensänderung beschlossen, nur der Schulträger muss noch zustimmen. Auch in Düsseldorf stehen die Zeichen auf Namensänderung: „Gern möchten wir im Jahre 2010 unser 100jähriges Jubiläum mit einem neuen Schulnamen feiern“, sagt die Schulleiterin. In Willich am Niederrhein ist man schon einen Schritt weiter. Die mit diesem Namen seit 1964 belastete Grundschule heißt seit Beginn des laufenden Schuljahrs „Astrid-Lindgren-Schule“. Man wollte „nicht die letzte Schule Deutschlands sein, die den Namen Agnes Miegels trägt“.
Diese Eile wäre nicht nötig gewesen – Wilhelmshavens Agnes-Miegel-Schule wird diesen ehrlosen Namen so schnell nicht loswerden. Weder der Rat der Stadt noch der Schulleiter noch – nach dessen Auskunft – die Elternschaft stören sich daran.

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