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Aug 102005
 

Besorgt

sind die Ärzte und Ärztinnen in Wilhelmshaven: Müssen sie demnächst Zigtausende von Euro an die Krankenkassen zahlen, weil sie vor vier Jahren „zu viele“ Medikamente verschrieben haben?

Der Artikel „Ärzte sehen 978 Praxen bedroht“ auf der Niedersachsen-Seite der „WZ“ vom 22. Juli veranlasste uns, einen Wilhelmshavener Arzt zu befragen, über den wir in der Ausgabe 158 im Mai 2000 schrieben: „Der Wilhelmshavener Internist, der für das 2. Quartal 1999 einen potentiellen Regress von 125.519,48 DM in Aussicht gestellt bekommen hat, kann noch hoffen, dass viele andere InternistInnen weniger als 53,67 DM pro ‚Fall’ (…) verordnet haben.“ Nun, er und alle anderen praktizierenden MedizinerInnen hofften damals nicht vergebens. Allerdings kamen sie nicht deswegen davon, weil das Gesamtbudget nicht überschritten worden wäre, sondern weil die damalige Gesundheitsministerin ihnen eine „Amnestie“ gewährte.
Und offenbar folgte der Amnestie eine Amnesie. Für das Jahr 2000 gab es keine Mahnschreiben, keine Regressankündigungen, nichts. Niemand dachte mehr daran. Und dann gab es zwischenzeitlich ja andere Attacken auf das Gesundheitswesen: Weitere Streichung vieler Medikamente von den Listen, Erhöhung der Zuzahlung zu Medikamenten, Praxisgebühr usw. Und es gibt eine neue Gesundheitsministerin.
Durch den o.a. Artikel wurde der Gedächtnisverlust jäh beendet. Jetzt, im Sommer 2005, werden Ärzte und Ärztinnen auf einmal damit konfrontiert, dass sie im Jahr 2001 nicht genug mit Medikamenten gegeizt haben. Allerdings müssen die meisten von ihnen im Moment noch schmoren. Noch nicht alle haben eine entsprechende Mitteilung bekommen. „Unser“ Arzt weiß von drei Kollegen, die schon wissen, dass sie zwischen 10.000 und 60.000 Euro an die Krankenkassen abführen sollen wegen Überschreitung des Arzneimittelbudgets. Er selber hat noch keine Forderung bekommen, aber: „Natürlich bin ich besorgt.“ Jetzt in den Sommerferien kann man nicht damit rechnen, die Kollegen und Kolleginnen an einen Tisch zu bekommen, doch nach der Urlaubszeit werden sie sich darüber verständigen, wie sie sich diesmal gegen die Regressforderungen zur Wehr setzen. Der Gegenwind bleibt am Ball und wird weiter berichten. (noa)

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