OberschülerInnen schlagen Alarm

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Okt 152015
 

Eins auf die Ohren

OB startet Frontalangriff gegen kritische SchülerInnen

Aus der SchuleÜber 400 SchülerInnen, Lehrkräfte und Eltern der Oberschule Nord demonstrierten gestern erst vor und dann im Rathaus gegen Pläne der Mehrheitsgruppe (CDU und SPD), durch die sie sich und ihre Schule gegenüber dem Gymnasium am Mühlenweg und den Berufsbildenden Schule benachteiligt sehen. Die Standorte Marion Dönhoff-Schule (Warthe- und Salzastraße) und Nogatschule sollen erst 2019 zusammengelegt werden. Insbesondere die Gebäude an der Salzastraße haben nach Aussage der Betroffenen einen großen Sanierungsbedarf, das Lernen sei dort kaum noch möglich. Mit Blick auf den Um- und Neubau des neuen Gymnasiums und den Beschluss, zunächst den Ausbau der BBS in Angriff zu nehmen, fühlen sich die Oberschülerinnen wie „Müll“ oder „Zweite Klasse“.
Ihrer Demo folgte eine PR-Aktion des OB, die sie in diesem Empfinden noch bestärken könnte.

Die anlässlich der Ratssitzung vorm Rathaus angemeldete Demonstration ließ die verantwortlichen Politiker kalt, auf dem Weg in den Ratssaal ließen sie die SchülerInnen und Elternratsvertreter links liegen. So stürmten die Demonstrierenden das Rathaus und versuchten mit einem ohrenbetäubenden Pfeifkonzert auf sich aufmerksam zu machen. Als die Ratssitzung bereits lief, suchte Oberbürgermeister Wagner das Gespräch und bot an, bei einem Besuch in der Schule die (bereits gefallene) Entscheidung zu erläutern. Nach Aussage des Elternratsvorsitzenden Michael Au war dies das erste Gesprächsangebot der Stadt überhaupt.

Heute kam von der Stadt folgende Pressemitteilung als Replik:

Gesundheitsgefährdender Lärm im Rathaus
Gestern war auf dem Rathausplatz für 15:15 Uhr eine angemeldete Demonstration im Vorfeld der Ratssitzung genehmigt worden. Kurz nach Beginn der Kundgebung, die mit einem Trommelkonzert begann, begaben sich die Teilnehmer ins Rathaus und erzeugten im gekachelten Treppenhaus und angrenzenden Fluren mit Trillerpfeifen und Tröten massiv gesundheitsgefährdenden Lärm. Den mehrfachen Aufforderungen der städtischen Mitarbeiter, die Lärmbelästigung zu unterlassen, wurde nicht nachgekommen. Vielmehr wurde das Vorgehen von mindestens einem anwesenden Lehrer deutlich befürwortet und kommentiert mit „das ist ziviler Ungehorsam“. Die Lärmemission dauerte in etwa von 15:40 bis 16:25 Uhr.
Einige vor Ort tätige Mitarbeiter des Rathauses haben sich heute in ärztliche Behandlung begeben müssen. Die Stadt weist daher vorsorglich die Eltern der Schülerinnen und Schüler, die ihre Kinder zur Demonstration nicht begleitet haben, darauf hin, Hinweisen zu Ohrenproblemen (Ohrgeräusche und Verschlechterung des Hörvermögens) ihrer Kinder ernst zu nehmen und vorsorglich ärztlichen Rat einzuholen.“

Kommentar:

Merken die nix??

Gerade läuft in der Stadt auf Hochtouren die Diskussion, welchen Image-Schaden die am Freitag ausgestrahlte NDR-Reportage über Wilhelmshaven anrichten könnte. Die Wilhelmshavener Bürgerinnen und Bürger, die lokale Wirtschaft, die Vertreter von politischen Parteien und Verbänden sahen ihre Stadt in ein falsches Licht gesetzt, schreibt der OB an den NDR-Intendanten. „Ich würde Ihnen gerne in lockerer Atmosphäre Wilhelmshaven vorstellen, so wie es die Wilhelmshavener Bürgerinnen und Bürger kennen und lieben.“ Gestern vorm Rathaus, das waren realistische Bilder aus Wilhelmshaven, Bilder von jungen BürgerInnen, die ganz konkret äußerten, was sie von ihrer Stadt erwarten. Weil keiner ihnen zuhörte, wurden sie noch lauter. Zur Strafe werden sie jetzt per Presseerklärung öffentlich vorgeführt als Lärmemittenten und Gesundheitsgefährder. Ziviler Ungehorsam – wo kämen wir denn da hin! Es soll doch politisch in Wilhelmshaven alles so laufen wie bisher, nur ja keine Unruhe stiften.

Wer jungen – und auch älteren – BürgerInnen, die auf ihre Art etwas bewegen wollen, mit derartiger Ignoranz und Arroganz entgegentritt, der sollte lieber den Ball flach halten, wenn es um „Imagefragen“ geht. Die Medien halten ihm allenfalls einen Spiegel vor.

Imke Zwoch

 

 

 

 

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