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Mrz 011982
 

Leserbriefe

Eigenwerbung
Betr.: Rotdorn Nr. 37 „Die Würde des Menschen.“

Den Jungsozialisten in Wilhelmshaven, die für den Artikel zuständig sind, geht es dabei nicht um Problemlösungen, sondern um Eigenwerbung auf dem Rücken alter Leute und dem Rücken der Mitarbeiter in dem Altenpflegeheim. Ob dies der Würde des Menschen entspricht, mögen die Jungsozialisten selbst beurteilen.
Politisch notwendige Forderungen werden aus den angeblich gewonnenen Kenntnissen nicht abgeleitet.
Die Diskussion über Fragen der Heimkostenfinanzierung, wie unter anderem von der Arbeiterwohlfahrt initiiert, wird von den Jungsozialisten mit keinem Wort erwähnt. Wir meinen, daß das Lebensrisiko Pflegebedürftigkeit zukünftig versicherbar werden muß.
Die Arbeiterwohlfahrt mit anderen, unter anderem der ÖTV, tritt seit Jahren dafür ein, daß in Altenwohnzentren im Interesse der Bewohner und Mitarbeiter vernünftige Personalanhaltszahlen, d.h. Personalschlüssel, entwickelt werden. Der derzeitige Personalschlüssel ist nur halb so gut, wie in einem Akutkrankenhaus und deshalb völlig unzureichend.
Die Diskussion aus dem Vermittlungsausschuß über die Kürzung der Sozialhilfe (u.a. das Taschengeld) war ein Antrag des Bundesrates. Auf die Kürzung der Sozialhilfe hat man sich verständigt, nachdem man die auch geforderten Karenztage der Nichtbezahlung von Lohnfortzahlung, die Streichung des BAFÖG in weiten Bereichen „wegdiskutiert“ hatte .Diese Diskussion sollten die Jungsozialisten in ihrem Gesamtzusammenhang darstellen.
Das grundsätzliche Problem, daß durch hochgradige Arbeits- und Funktionsteilung immer mehr Aufgaben und Funktionen aus privaten Lebensräumen abgegeben werden an Institutionen, wird mit keinem Wort erwähnt.
Die Arbeitnehmer im Pauline-Ahlsdorff-Heim werden pauschal diskreditiert. Dies ist, auch wenn die Jungsozialisten uns einzelne dringend abzustellende Vorkommnisse benennen, in hohem Maße unsolidarisch und uns nicht verständlich. (gekürzt)

Hartmut Haider, Geschäftsführer Arbeiterwohlfahrt Bez. Weser-Ems, Klingenbergstraße 73, 2900 Oldenburg

Betr.: Rotdorn Nr. 37. „Die Würde des Menschen.“

Seit drei Jahren betreue ich als Hausarzt Patienten im Pauline-Ahlsdorff-Heim. Betrachtungen, wie ihr sie schildert, habe ich auch gemacht. Ganz überwiegend jedoch habe ich großes Engagement gerade auch der wenig ausgebildeten Kräfte dort beobachtet . So wie ihr die Enthüllungen gebracht habt, läuft es auf die Forderung nach „besserem“ Personal hinaus. Ihr fragt gar nicht nach den Arbeitsbedingungen der dort Beschäftigten. Z.B.: Wißt ihr, daß eine 24-Betten-Station an Wochenenden nur von vier Schwestern und Pflegerinnen versorgt wird? Daß kein Ersatz da ist, wenn von denen jemand krank wird?
Wenn nachmittags von den 17 Bettlägerigen sieben in die Windeln machen, wisst ihr, wie lange es dauert, bis alle sieben wieder sauber sind?
In der Vergangenheit gab es immer wieder Enthüllungen auch der schlimmsten Sorte über das PAH. Ge ändert hat sich, wohl nur wenig . Mir scheint es notwendig zu sein, nach den Enthüllungen nun zu den eigentlichen Ursachen der Misere vorzustoßen. Ich wäre an einer solchen Arbeit sehr interessiert und möchte meine Mitarbeit hiermit anbieten.

Johann Janssen, Praktischer Arzt, Posener Str. 57

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