Aus der Schule geplaudert

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Dez 012011
 

Abstimmung mit den Füßen

Gegen Ende der vorigen Ratsperiode schien zu gelten, dass man in Wilhelmshavens Schullandschaft erst mal gar nichts ändert. Von der Oberschule hat man hier zunächst die Finger gelassen. Während zahlreiche Städte in Niedersachsen vor Beginn des laufenden Schuljahrs schon Vollzug meldeten, also Haupt- und Realschulen schon zusammengelegt hatten, wurde dieses Thema hier verschoben. Mittlerweile hat die CDU auf Bundesebene sich in ihrem Festhalten an der Dreigliedrigkeit des Schulwesens selbst für überholt erklärt. Nein, keine Bange! Frau Merkel hat zwar in so manch einer Frage ihre Partei grün/links unterwandert (Atomausstieg, Mindestlohn) – die gemeinsame Schule für alle hat sie jedoch noch nicht durchgesetzt. Aber doch jedenfalls die gemeinsame Schule für alle, die nicht zum Gymnasium gehen. Die Oberschule ist seit dem CDU-Bundesparteitag Regierungswunsch, und so hat sich auch Wilhelmshavens Schulausschuss notgedrungen mit dem Thema beschäftigt. „Und obgleich Wilhelmshavens Schulpolitiker das Thema Oberschule als Zusammenführung von Haupt- und Realschulen bislang noch nicht angefasst haben, sieht die Landesschulbehörde Diskussionsbedarf“, berichtet die WZ am 9.12.2011. Und weiter: „Auch an Wilhelmshaven geht die Tendenz zum Niedergang der Hauptschule nicht vorbei.“ Auf dem CDU-Parteitag in Leipzig hatte Bildungsministerin Annette Schavan auf Umfragen verwiesen, nach denen nur noch zwei Prozent der Eltern ihr Kind freiwillig zu einer Hauptschule schicken wollten.

All inclusive

Unser Schulausschuss hat sich auch mit der Inklusion beschäftigt. Dieses Thema schiebt auch die Landesregierung vor sich her. Wenn man am gegliederten Schulsystem festhalten will, passt es natürlich überhaupt nicht, dass mal wieder die internationale Staatengemeinschaft sich einmischt und per Konvention „Chancengleichheit für Schüler mit Handicaps“ fordert. Niedersachsen wird daher erst 2013 statt schon 2012 die gemeinsame Beschulung von Kindern in einer inklusiven Grundschule einführen. Die LehrerInnenverbände sind da schon viel weiter – und erfreulicherweise einig! Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, der eher konservative Verband Bildung und Erziehung und der Grundschulverband e.V. haben schon im September einen gemeinsamen Vorschlag für die Reform der Grundschule vorgestellt. Nach den Vorstellungen der drei Verbände soll das „Stempeln“ (die Etikettierung als „behindert“) aufhören, es soll kein Sitzenbleiben geben, und die Grundschulen sollen ganztags betrieben werden. Das klingt gut. Noch besser wäre es, wenn dies auch für alle Schülerinnen und Schüler nach dem Grundschulalter gelten würde.

Der billige Jakob

Die drei Verbände konnten die Kosten der von ihnen geforderten Reform nicht beziffern. Egal wie günstig sie käme, selbst wenn sie kostenneutral wäre – sie wäre wohl auf jeden Fall zu teuer. In kaum einem Land wird so wenig Geld (gemessen am Bruttosozialprodukt) in die Bildung gesteckt wie in Deutschland, und so müssen immer wieder Lehrkräfte kleinere Klassen fordern wie zuletzt z.B. der Philologenverband auf seiner Tagung im November, so müssen immer wieder SchülerInnen für eine bessere Bildung demonstrieren wie – ebenfalls im November – in Hannover. Die Gehälter der Lehrkräfte in Deutschland liegen angeblich europaweit im oberen Mittelfeld. Angesichts der Zahlen, die die EU-Kommission im Oktober nannte, scheint man aber nur die regulär beschäftigten LehrerInnen berücksichtigt zu haben und diejenigen, die nur für die Unterrichtszeit eingestellt und für die Ferien jeweils „freigesetzt“ werden, ausgelassen zu haben. Und im Vergleich zum Nachbarland Luxemburg gönnt Deutschland seinen Pädagogen nur die Hälfte. (WZ, 05.10.2011)

Zweitletzter Platz

Was das Angebot an Kleinkinderbetreuungsplätzen angeht, liegt Niedersachsen ganz hinten. Im Vergleich der Bundesländer belegt es den zweitletzten Platz bei den Krippenplätzen, will nun aber 40 Mio. Euro bereitstellen und hofft, bis 2013 von gegenwärtig 19,1 auf die gesetzlich geforderte Quote von 35 % zu kommen. (WZ, 23.11.2011) Na, viel Glück!

10 Jahre PISA

So schön wie auf der „Kommentar und Hintergrund“-Seite am 3. Dezember hat die WZ noch niemals vorher den desolaten Zustand des deutschen Bildungswesens beschrieben. „Vom Schock zur Dauerreform“ ist der Beitrag von Karl-Heinz Reith überschrieben, und hier kann man nachlesen, wie hektisch und wie wenig erfolgreich die „Reformen“ in Reaktion auf die verheerenden Ergebnisse des internationalen Schulerfolg-Vergleichs waren. Da heißt es am Ende: „Dass die von den Kultusministern beauftragten Pisa-Forscher in den vergangenen zehn Jahren jede kleinste Veränderung gleich als Wende zum Guten darstellten, …“ und angesichts eines tatsächlichen Teilerfolgs (Deutschland erzielte 2009 in Mathe und den Naturwissenschaften erstmals einen Platz oberhalb des Durchschnitts): „Einige Interpreten sahen die deutschen Schulen dabei gar schon euphorisch ‚auf dem Weg zur Weltspitze’.“ Köstlich!

Knapp davongekommen

Anfang Dezember erfuhr die Welt, dass Bernd Althusmann seinen Doktor behalten darf. Die WZ meldete am 2.12.2011: „Kultusminister dachte nie an Rücktritt“. Das NDR-Fernsehen war am Vortag weniger rücksichtsvoll gewesen und hatte nicht ohne Häme berichtet, dass Niedersachsens Kumi „knapp davongekommen“ ist: Zwar würde seine Dissertation, würde er sie jetzt vorlegen, nicht mehr zur Verleihung der Doktorwürde reichen (er hat damals dafür eine Gnaden-Vier bekommen), aber so schlimm wie Guttenbergs, Koch-Mehrins und Chatzimarkakis’ Arbeiten war seine denn doch nicht. Wie schon an dieser Stelle vor einigen Monaten gesagt: „Nach meinem Dafürhalten ist es nach dem Maßstab, der an Aufsätze von Hauptschülern angelegt wird, eine sehr gute Inhaltsangabe.“ (GW 260) Und so kann Althusmann „weiterhin mit ‚gutem Gewissen’ vor eine Klasse treten und über Bildungspolitik sprechen.“ Na denn. Anette Nowak

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