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Dez 152009
 

Schilda lässt grüßen

Südstadt-Sanierung nimmt groteske Züge an

(iz) Im Rahmen des “Stadtumbaus” wurde in den letzten Jahren in der westlichen Südstadt so manches niedergerissen, neu gebaut und geplant. Bei der letzten Sitzung des Stadtteilbeirats verdichtete sich der Eindruck, dass eine Hand nicht weiß, was die andere tut.

Um die Weserstraße zu entlasten, ist eine Straße direkt nördlich des Handelshafens geplant. Dafür soll die Havermonikenstraße in östlicher Richtung verlängert werden und schließlich, in Höhe Deichstraße, nach Nordosten verschwenken, um in Höhe Jadestraße an die Weserstraße angebunden zu werden.

Offen ist, was mit dem vorhandenen Bahngleis passieren wird. Wird es aufgehoben oder vielleicht doch mal wieder für Gütertransporte gebraucht? In diesem Jahr wurde es zum Wochenende an der Jade für einen historischen Schienenbus reaktiviert. Der Verein zum Erhalt historischer Fahrzeuge hat nun vorgeschlagen, hieraus eine touristische Attraktion zu entwickeln, mit einem Oldtimermuseum beim Schlachthofgelände. Durch die geplante Entlastungsstraße würde allerdings die touristische Attraktivität des Hafenufers flöten gehen. Der Fuß- und Radweg wird vor allem im Sommer viel genutzt, obwohl der morbide Charme der alten Gleisanlagen und Gebäude nicht dem Geschmack der Planer entspricht.

Noch ist die Entlastungsstraße reine Theorie. Bislang wurde nur die Rüderstraße von Norden her bis zum Bahngleis durchgebaut. Damit man auch gut sieht, dass sich dort bis heute kein zusätzliches Gewerbe angesiedelt hat, wurde dort der Gehölzstreifen entlang des Gleises schon mal plattgemacht. Das wäre erst nötig gewesen, wenn die neue Straße gebaut und die Rüderstraße dort angeschlossen wird. Aber so können sich die Vögel schon mal frühzeitig aus dem Kopf schlagen, dort zu brüten. Nun schlug die Stadtverwaltung vor, den mittleren Teil der geplanten Entlastungsstraße schon mal in Angriff zu nehmen. Zwar ist noch unklar, was rechts und links davon passiert, aber man möchte die Fördermittel nicht verfallen lassen, die nur bis 2012 abrufbar sind, und es wäre auch im Interesse der Bauwirtschaft … Für Helmut Möhle, Vertreter der CDU-Ratsfraktion im Beirat, ist schon der Umbau der Rüderstraße ein „Schildbürgerstreich“ – „da parkt keiner“, und zur ausbleibenden Nachfrage nach Gewerbegrundstücken bemerkte er zynisch: „Da stehen alle Schlange.“

Zunächst wären mit dieser doppelseitigen Sackgasse vor allem alternative Entwicklungsmöglichkeiten verbaut, die Weserstraße allerdings immer noch nicht entlastet. Aber gut, irgendwann wird sich die Sache mit dem Gleis klären und es kann weitergehen. Und dann? Soll die neue Straße an ihrem östlichen Ende an die Weserstraße angebunden werden, über einen Kreisverkehr an der Einmündung Jadestraße.

Planung WiesbadenbrückeGleichzeitig will man aber die Jadestraße zu einer Prachtallee umbauen. Über Valois- und Gotthilf-Hagen-Platz soll der verkehrsberuhigte Boulevard Richtung Süden an Hafen und Columbia-Hotel vorbei bis zum Jadebusen führen. Wie soll das aussehen? Die Touristenmassen strömen also aus Richtung Nordseepassage über die aufwendig gepflasterten Plätze zum Wasser – und treffen dann an der Weserstraße nicht auf einen verkehrsberuhigten Übergang, sondern einen Kreisverkehr, in den sich LKW einfädeln?

Ein Stück weiter südlich soll ein zweiter Kreisverkehr entstehen, wo die Emsstraße in die Jadestraße mündet. Dort sollen LKW in Richtung Südstrand weitergeleitet werden. Das freut natürlich Betreiber bzw. Gäste des Columbia- Hotels, so ein Kreisel direkt vor dem Eingang. In diesem Zusammenhang eröffneten die Vertreter des Stadtplanungsamtes auch die bittere Wahrheit, dass der südliche Teil der „Jadeallee“ nun doch gar nicht so ein Prachtboulevard werden soll wie mal angedacht: „Die Jadeallee südlich des Kreisels an der Emsstraße wird definitiv keine Prachtallee, keine Flaniermeile”, räumte Herr Winde ein. Die Schlendermeile beschränkt sich also auf den Bereich zwischen Weser- und Emsstraße. Was dann noch alles passiert, wenn die Wiesbadenbrücke mit zeitlicher Verzögerung bebaut wird, lässt sich nur erahnen. Beiratsvorsitzende Ilka Nordbrock, Architektin: „Die Jadestraße bringt alles in Bewegung, wir brauchen eine Generalplanung.“ Auch SPD-Vertreterin Ursula Aljets wünscht sich einen Gesamtverkehrsplan. Wie so oft in Wilhelmshaven, wird mal wieder die eierlegende Wollmilchsau durchs Dorf getrieben – Tourismus, Erholung, Gewerbe, Verkehr, alles dicht beieinander. Die Ratsvertreter, die im Stadtteilbeirat sitzen, waren einigermaßen entsetzt, was sie da mal in Einzelentscheidungen mitgetragen hatten – das Ergebnis trat nun in dieser Gesamtschau zutage. Wirtschaftsvertreter Curt Leffers: „Wir wollen gerne gutgläubig sein, aber wir hatten in der Stadt schon andere Erlebnisse.”

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