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Feb 272002
 

Geschlechterkampf III

Die Kämpfe der WahlkämferInnen in der SPD – Dritter Teil

(red) Nun scheint bei der SPD der Kampf der Geschlechter um das Bundestagsmandat für unsere Region doch noch ein gutes Ende zu nehmen. Falls nicht noch etwas Entscheidendes dazwischenkommt, wird die Genossin Karin Evers-Meyer aus Zetel nach der Bundestagswahl im September 2002 als Gabriele Iwersens Nachfolgerin in den Bundestag einziehen.

Reichlich spät hat sich Iwersen entschieden, nicht mehr für den Bundestag zu kandidieren. Gab es Gründe dafür? Wollte sie erst abwarten, ob Karl-Heinz Funke kandidiert? Einiges spricht dafür, denn man weiß, dass sie nicht unbedingt eine Freundin des geschassten Landwirtschaftsministers ist. Den hätten aber die Funktionäre der drei SPD-Unterbezirke viel zu gern als Bundestagsabgeordneten nach Berlin geschickt. Oder wollte sie abwarten, bis der tatkräftige Unterstützer ihrer Wahlkämpfe, Arend Roland Rath, bereit war, seinen Hut in den Ring zu werfen? Doch der Reihe nach.
Mit Funke soll Iwersen „ein klärendes Gespräch“ geführt haben. In diesem Gespräch soll er ihr gegenüber erklärt haben, kein Interesse mehr an einem Bundestagsjob zu haben. Damit wäre an sich der Weg frei für Evers-Meyer gewesen. Doch Pustekuchen.
Noch immer hofften die Wilhelmshavener Sozialdemokraten darauf, dass ihr Unterbezirksvorsitzender Norbert Schmidt einen zweiten Anlauf aufs Mandat nehmen würde. Aber der mochte wohl nicht mehr, obwohl ihn sein WZ-Namensvetter immer wieder ins Spiel brachte. Ein Grund für Schmidt, nicht ein zweites Mal zu kandidieren, könnte gewesen sein, dass ihm klar geworden ist, dass ein einmal – wenn auch knapp – Gescheiter es bei einem erneuten Versuch sehr schwer haben würde. So mussten die Vorständler des Unterbezirks Wilhelmshaven bei ihrer Sitzung am Jahresende beschließen, die Friesländerin zu favorisieren, obwohl sie – laut Protokoll – noch immer Norbert Schmidt lieber als Kandidaten gesehen hätten.
Aber dann gab es denn doch noch einen Mann als Gegenkandidaten. Den (jetzt ehemaligen) Vorsitzenden des Ortsvereins Mitte hatten seine Parteifreunde aufgefordert zu kandidieren. Sein Name: Arend Roland Rath, studierter Sozialpädagoge und Betriebswirt und derzeit Hotelier.
Und dieser Mann mit dem Zottelbart hat für Wilhelmshaven schon einiges bewegt. Er hat – und das muss man ihm zugute halten – Mut bewiesen, als er 1988 das ziemlich heruntergekommene Schniedersche Hotel „Seenelke“ („das Haus des verwöhnten Reisenden“) am Südstrand übernahm und zu einem „Seeräuber“-Jugendhotel mit daran vertäutem Beiboot „Cafe Seewärts“ umfunktionierte. Seither übernachten in der Herberge viele Jugendgruppen. Dort verkauft das Cleverle auch „Kuchen mit geklauten Äpfeln“ und auch – mitunter nicht immer ganz magenfreundliche – Pfannkuchen.
Eine „Sternstunde“ der Herberge ist das bei ihm jährlich stattfindende Labskausessen, wo sich die lokale Prominenz gegen Entgelt dieses Gemisch aus Kartoffeln, Corned Beef, Rote Beete, Gurke, Hering und Spiegelei in sich hineinstopfen darf.
Sein privater Wunschtraum: Einmal Pirat zu sein mit allem Drum und Dran. Und für Piraten, Likedeeler und sonstige Seeräuber warb er selbst bei politischen Veranstaltungen. So forderte er vor SPD-Senioren: „Wir benötigen mal wieder richtige Seeräuber“. (Ob sich nach seinem Referat einer von den Altgenossen hat anheuern lassen, ist nicht bekannt).
Politisch mischt er seit einigen Jahren als SPD-Ratsherr im Rat der Stadt mit. Als „Berufsjugendlicher“ macht er sich immer wieder – mitunter gute – Gedanken um die Kids in der Jadestadt.
Positiv muss man ihm noch anrechnen, dass er mit seiner „Südstrand–Kampa“ die letzten beiden Wahlkämpfe von Gabriele Iwersen hervorragend organisierte. Denn auf tatkräftige Unterstützung durch die SPD-Promis wartete die Bundestagsabgeordnete vor jeder Wahl vergebens. Hat Iwersen den Seeräuber, aus Dankbarkeit für seine Wahlhilfe, ermuntert zu kandidieren? Auszuschließen wäre es nicht.
Jedenfalls stellte er sich ziemlich unerwartet der Öffentlichkeit als Gegenkandidat von Evers-Meyer vor. Und er erdreistete sich, diesen Schritt ohne Absprache mit dem herrschenden Klüngel seiner Partei zu tun. Der reagierte dann auch ziemlich sauer darauf, ja, man warf ihm gar „parteischädigendes Verhalten“ vor.
Ungeachtet dessen stellte er sich – verwegen wie einst Störtebeker – am 7. Dezember letzten Jahres im Bürgerhaus Schortens den Delegierten der Wahlkreiskonferenz. Doch da unterlag er bei der Abstimmung ziemlich klar der Favoritin Evers-Meyer.
Die ist in Wilhelmshaven noch eher unbekannt. Die Parteifreunde in den wenigen SPD-Ortsvereinen, bei den sie sich bisher vorgestellt hat, sind von ihrer Kompetenz noch nicht so recht überzeugt.
Bekannter ist sie im Friesischen. Dort hat sie 1949 in Neuenburg das Licht der Welt erblickt. Ihr Vater ist SPD-Bürgermeister von Zetel. Nach der Schule eine kaufmännische Lehre, danach ein Jahrzehnt in Berlin an der „Akademie der Künste“ tätig. Mit 29 Jahren holte sie ihr Abitur nach und arbeitete danach als freie Mitarbeiterin für Hörfunk und Fernsehen. Dann Rückkehr ins Friesische samt Mann und Kindern. Zwei Jahre später tritt sie in die SPD ein.
Und von da an ging´s (politisch) bergauf.
Sie wird 1986 Mitglied des Kreistages, 1991 stellvertretende Fraktionsvorsitzende. 1994 wird sie Landrätin für den zum Regierungspräsidenten avancierten Bernd Theilen. Bei der nächsten Landtagswahl zieht sie zudem noch in den Niedersächsischen Landtag ein. Als sie ihren 50. Geburtstag feiert, verleiht ihr die WZ in einem Artikel das Prädikat „Lichtgestalt der friesischen Politik“.
Doch wo viel Licht ist, ist bekanntlich auch viel Schatten.
So bekommt sie bei Wahrnehmung ihrer beiden Hauptfunktionen (Landrätin und MdL) bald Schwierigkeiten. Da saust sie schon mal mit ihrem Landrätin-Dienstwagen über die Kreisgrenzen hinaus nach Hannover zu Landtagssitzungen. Als ihr dies der Kreistagsabgeordnete Janto Just angekreidet, verklagt sie ihn vor dem Verwaltungsgericht. Doch kurz vor dem ersten Verhandlungstermin zieht sie plötzlich die Klage zurück. Ihr Rückzugsargument: „…Ich möchte lieber über kommunalpolitisch wichtige Dinge diskutieren, meine Arbeit im Landtag machen und meine Zeit nicht vor Gericht verbringen“.
Ärger bekommt sie auch im Kreistag wegen ihrer vielen Posten und Pöstchen. Zwar hat sie davon noch nicht so viele wie ihr MdL-Nachbar Wilfrid Adam aus dem Wahlbereich 100, aber sie ist da auf einem guten Wege. So würde sie u.a. auch gern – selbst wenn sie Bundestagsabgeordnete würde – weiterhin noch bis 2003 Landrätin bleiben wollen.
Wird die Kandidatin bei ihrem Start als „Neue“ ein ähnlich gutes Wahlergebnis wie ihre Vorgängerin Gabriele Iwersen erzielen können? Die hatte bei der Bundestagswahl 1998 stolze 53,3 % für die SPD geholt. Ob auch Karin Evers-Meyer den Einzug in den Bundestag per Direktmandat schafft, wird wesentlich von der Großwetterlage in den letzten Wochen bis zum Wahltag abhängen. Doch auch über die Landesliste wird sie ziemlich sicher in den Bundestag gelangen, denn sie steht recht gut abgesichert auf Platz 7 – weit besser als Iwersen bei den beiden letzten Bundestagswahlen. Es sieht ganz so aus, als könne die Übergabe des Stabes von Genossin zu Genossin reibungslos erfolgen.

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