JadeWeserPort

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Dez 192006
 

Arbeitplatzprognosen auf Talfahrt

Am 13.12. hielt Heinz Brandt, Leiter des Personalwesens der Firma Eurogate, in der Volkshochschule einen Vortrag mit PowerPoint-Präsentation, in dem er auch auf die zukünftig mit dem JadeWeserPort verbundenen Arbeitsplätze einging. Diese bildeten auch den absoluten Schwerpunkt im anschließenden Frage- und Antwortspiel.

Im Jahre 2010 soll es also mit etwa 420 Beschäftigten losgehen, und nach Vollauslastung, die im Jahre 2015 erreicht werden soll, sollen es dann 1.000 werden. Dies habe man im Ansiedlungsvertrag genauso „quer geschrieben“ wie den Umschlag von 2,9 Mio. Standardcontainern (TEU) im gleichen Jahre.
Man hätte sich für das Van-Carrier-System (VC) entschieden, weil es im Vergleich zum AGV-System (Automatic Guided Vehicles) neben den wirtschaftlichen Vorteilen auch mehr Arbeitsplätze schaffe. Neben dem operativen Bereich an der Kaikante sollen auch Arbeitskräfte für den administrativen, betrieblichen und technischen Bereich ausgebildet werden.
Ob man den Ansiedlungsvertrag mit dem Quergeschriebenen denn mal einsehen könne, wurde gefragt. Nein, hieß es! Das mache keine Firma – der Inhalt sei nur einem kleinen Kreis von unter 20 Personen bekannt.
Wie es denn es denn zu erklären sei, dass für den terminalbezogenen Bereich von den Instituten ein Arbeitskräftebedarf von 1.000 Personen bei einem jährlichen Umschlagvolumen von 1,9 Mio. TEU – statt für 2,9 Mio. – angegeben wurde!?
Man habe gewaltige Produktivitätsfortschritte erzielt seit den neunziger Jahren. Außerdem würde das immer weiter ausfächernde Feedersystem zu einer Konzentrierung wachsender Schiffsgrößen auf wenige Haupthäfen führen. Dadurch könnten die Umschlagmengen pro Schiff gesteigert werden, was sich positiv auf die Umschlagleistung auswirke.
Herr Brand weiter: Abseits der Kaikante sind eine Container-Packstation, ein Container-Depot, Containerwartung und –reparatur, seemäßige Verpackung und ein Aussichtsturm zur Tourismusförderung vorgesehen.
Brand kündigte auch die Ansiedlung von Firmen an: Ocean Gate Distribution, BLG Logistics Interaction, BLG-Cold Store Logistics und Maersk Logistics Deutschland. Auch die Vermarktung des Hafengrodens im Rahmen der Eurogate Marketing und PR-Aktivitäten ließ er nicht aus.
Die Mitarbeiter dieser Firmen seien in der Zahl der 1.000 Beschäftigten des Terminalbetriebs mit enthalten, erklärte er auf Anfrage.
Weiterhin sagte er, dass neben dem Terminalbetrieb konservativ gerechnet 1.000 weitere terminalabhängige Arbeitsplätze entstehen würden; z.B. Festmacher, Zöllner, Wachpersonal, Maler, Kantinenpersonal usw. usf. – Friseure waren allerdings nicht dabei.

 

Kommentar:

Nicht unsympathisch die pastorale Art, wie Heinz Brandt von der Eurogate seine Lichtbild-Präsentation mit Worten unterlegte. Dafür hat er den höflichen Beifall denn auch verdient. Leider ließ es sein Gesundheitszustand zeitlich nicht zu, ihn beim anschließenden Frage- und Antwortspiel ausgiebiger zu löchern. So wurden vom Moderator kurze Fragestellungen angemahnt, damit jeder mal drankommt. Wenig später wurde das Diskussionsspektrum von ihm aus Zeitmangel auf das wichtigste Themenfeld „Arbeitsplätze“ eingegrenzt.
Ein paar inhaltliche Hinterfrager störten wohl ein wenig die Friede-Freude-Eierkuchen-Stimmung der ihm mehrheitlich wohlgesonnenen Gemeinde. Als Unmutsventil bot sich ein Herr P. an, der die kritischen Argumente der Hafengegner „…nicht mehr hören kann.“ Der Hafen müsse gebaut werden, weil Wilhelmshaven sonst in 50 Jahren nicht mehr da sei. Dies erlaubte es den verbal zurückhaltenden Gläubigen endlich, durch demonstrativ lautes Klatschen Dampf abzulassen.

Zur Sache: Wer hören will, der höre!

Nun wäre es ja interessant, zu erfahren, ob es sich wirklich um eine Arbeitsplatzgarantie ohne Hintertürchen handelt, die Eurogate im Ansiedlungsvertrag „quer geschrieben“ hat. Doch selbst wenn in dem Vertrag eine unzweideutige Arbeitsplatzgarantie festgeschrieben sein sollte, hätte das noch keine rechtliche Bedeutung. Verpflichtend wird die Unterschrift erst, wenn die Einhaltung durch eine angemessene Vertragsstrafe abgesichert ist.
Doch selbst für den Fall, die 2,9 Mio. TEU Jahresumschlagleistung würde im Jahre 2015 trotz Vollendung der internationalen Arbeitsteilung, Marktsättigung, wachsender Konkurrenz aus dem Mittelmeerraum und trotz der im Aufbau befindlichen Containerzugverbindung zwischen China und Mitteleuropa erreicht – wirkt sich der gewaltige Produktivitätsfortschritt, von dem Heinz Brandt in Beantwortung einer Frage zu früheren Prognosen berichtete, nicht auch mindernd auf die tausend „quer geschriebenen“ Arbeitsplätze im JWP aus?
Wie gewaltig der Produktivitätsfortschritt sein muss, kann man in einem Vergleich mit der Machbarkeitsstudie vom Dezember 1999 nachprüfen:
Dort wird bei einem Jahresumschlag von nur 1,8 Mio. TEU ein Personalbedarf (eigener und von Vertragspartnern) von 1.145 prognostiziert.
Diese Studie hatten die Institute „IBP Ingenieursgesellschaft mbH“, „ISL Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik“ und „PTC Port and Transport Consulting Bremen GmbH“ seinerzeit für das „Projektkonsortium Jade-Port“ erstellt.
Ende Oktober 2003 prognostizierten Gutachter im Auftrage der JadeWeserPort-Realisierungsgesellschaft dann nur noch 1.032 Arbeitsplätze auf 2,0 Mio. TEU Jahresumschlag. Zudem wollte man vor drei Jahren auch schon wissen, wie viele Arbeitsplätze das bei einem Umschlag von 2,8 Mio. TEU werden könnten. Die Fachleute kamen auf 1.404. Und so steht es ganz genau im noch nicht genehmigten Planfeststellungsantrag zum Bau des JadeWeserPort.
Aktuell sind es lt. Heinz Brandt also nur noch 1.000 Arbeitsplätze auf 2,9 Mio. TEU! Es stellt sich die Frage, was bei einem solch rasantem Produktivitätsfortschritt dann wohl in acht Jahren noch an Arbeitsplätzen im JWP übrig bleiben mag.
Auch Brandts Angabe von 1.000 zusätzlichen terminalabhängigen Arbeitsplätzen müsste eigentlich für die JWP-Glaubensgemeinschaft enttäuschend im Vergleich zu folgender Behauptung im Planfeststellungsantrag sein:
„In einer sehr vorsichtigen Schätzung werden die Gesamteffekte auf knapp 2.500 zusätzliche Arbeitsplätze in der Region beziffert. Darin sind sowohl direkte als auch induzierte Effekte. Eine zweite, optimistischere Schätzung sieht die Chance, dass in der Region durch den Hafen langfristig 6.300 Arbeitsplätze entstehen.“

Jochen Martin

Zahlenspielereien

Wilhelmshaven bereitet sich lt. WZ vom 16.12.06 auf „…die Unterbringung von Arbeiterkolonnen…“ für den Bau des JadeWeserPort sowie die Erweiterung von INEOS und WRG vor. Wie viele das genau sein werden, wissen die Planer noch nicht. Die Industrie gehe aber von 2.000 – 4.000, in der Spitze bis zu 7.000 Arbeitskräften aus.
Ein Blick in u.a. Tabelle aus der „Nutzen-Kostenbetrachtung für eine Hafenerweiterung in Hamburg-Altenwerder“ könnte einige Anhaltspunkte liefern. Das Gutachten zum Bau des Container Terminals Altenwerder (CTA) vom Juli 1994 wurde erstellt von der PLANCO Consulting GmbH im Auftrag der Wirtschaftsbehörde der Stadt Hamburg.
[SCM]actwin,0,0,0,0;Adobe Photoshop Photoshop 07.11.2014 , 16:58:55


 

Klage gegen Sandentnahme eingereicht

Jüngst, im Oktober, wurde das Ausbaggern von 30 Millionen Kubikmetern (cbm) Sand aus der Jade genehmigt. Mit dem Material soll der JadeWeserPort (JWP) aufgespült werden. Die zwei bis zu einer Tiefe von 29 m aus der Gewässersohle ausgehobenen Baggerlöcher, die sich über eine Abbaufläche von insgesamt 277 ha erstrecken, liegen dicht nördlich und südlich des geplanten JWP-Hafenkörpers.
Nördlich des noch in einem anderen Genehmigungsverfahren steckenden JWP soll auf 125,8 Hektar Fläche eine 1500 x 900 Meter große Sandgrube ausgebaggert werden. Der gehobene Sand soll zur Erstellung des JWP-Hafenkörpers in die Heppenser Rinne zwischen Voslapper Seedeich und Geniusbank gepumpt werden.
Südlich des JWP hat die JWP-Realisierungsgesellschaft eine weitere Abbaufläche genehmigt bekommen. Diese umfasst 151,6 Hektar. Das Baggergebiet erstreckt sich über 2100 x 1000 Meter.
Das reicht aber nicht für die Aufspülung des JWP, für den man einen Sandbedarf von 45 Mio. cbm errechnet hat. Die fehlenden 15 Millionen hat man in einem anderen Verfahren beantragt:
Sie sollen durch die JWP-nahe Verlegung des Jade-Fahrwassers inkl. der Ausbaggerung der Zufahrt zum Kai gedeckt werden. Für diesen Bereich wurde die Vertiefung auf 18 Meter beantragt, weil das Wasser zwischen geplantem JWP und dem Jade-Fahrwasser nur zwischen vier und zehn Metern tief ist.
Durch die Aufspülung des JWP und die vier Baggerfelder werden Abermillionen Kubikmeter Schwemmsand und abgelagerte Schadstoffe aufgewirbelt, deren Trübstoffwolken die lichtabhängige Bioproduktivität des Jade-Gewässers mindern. Letztendlich lagern sich die Schwemmmaterialien in den strömungsarmen Wattengebieten ab und verändern dort die Lebensbedingungen der Bodentiere, die ein unverzichtbarer Teil der Nahrungskette sind. Langfristig noch gravierender dürften sich die Folgen der durch alle fünf Baumaßnahmen ausgelösten Strömungsveränderungen auswirken. Erfahrungsgemäß dauert es 10 bis 20 Jahre nach einer Wasserbaumaßnahme, bis der in neue Bahnen gezwungene Tidestrom, weiträumig bis in die Wattenmeere hinein, das Profil des Gewässerbodens ummodelliert hat.
Der Landesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz Niedersachsen (LBU) hat dagegen Klage beim Verwaltungsgereicht Oldenburg eingereicht, die von der Schutzgemeinschaft Jade Region (SJR) finanziell abgesichert ist.
Die Hauptpunkte der Klageschrift werden sich voraussichtlich richten gegen

  • das Aufsplitten in zwei Planfeststellungsverfahren:

So werden die Ausbaggerungen der Zufahrt zum JWP, die Verlegung des Jade-Fahrwassers und die Aufspülung des JWP von der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Nordwest bearbeitet – die beiden Baggergruben dagegen vom Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie in Clausthal-Zellerfeld.

  • die Nichtberücksichtigung von Alternativen, wie die Instandsetzung des Jade-Fahrwassers in den planfestgestellten Ausgangszustand von 1976.(jm)

 

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