Suedbar goes Jadebad

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Apr 222017
 

Foto: Gegenwind

Foto: Gegenwind

(red) Es begann 2014 im ehemaligen Möbelhaus Adena, 2015 dann der alte Schlachthof … seit Wochen waren die Suedbar-Fans neugierig, welche leerstehende Immobilie in diesem Jahr aus dem Dornröschenschlaf erweckt und mit kulturellem Leben erfüllt wird. In einem Pressegespräch vor Ort lüftete das Team des Vereins „Neue Botschaft Sued“ jetzt das Geheimnis: Im August und September wird das ehemalige Jadebad am Kanalweg Bühne und Spielwiese für Lebensfreude, Miteinander, Musik und Tanz, Poesie, Kleinkunst – natürlich wieder dekoriert mit einem Haufen Konfetti.

Monatelange Vorarbeit ist nötig, um geeignete Leerstände ausfindig zu machen, die Eigentümer zu ermitteln und zu kontaktieren, ihnen das Konzept zu erläutern, rechtliche und finanzielle Fragen zu klären. Das Jadebad schrie geradezu nach der Suedbar, wunderbar am Wasser gelegen, reichlich Fläche in- und outdoor, zentral gelegen und doch weit genug von Wohnhäusern entfernt, um ruhebedürftige Anwohner nicht zu belästigen. Zudem passt es wunderbar in das Suedbar-Konzept, einen geschichtsträchtigen Ort zu nutzen, mit dem sich die WilhelmshavenerInnen generationenübergreifend identifizieren.

Bereits 1885 wurde an dieser Stelle die „Werftbadeanstalt“ eingerichtet und das Bad blieb beinahe 100 Jahre in Betrieb! Erst 1980 konnte es neben der Konkurrenz beheizter Bäder nicht mehr bestehen und wurde geschlossen. Schon jetzt freuen sich die „Suedbarianer“ auf nostalgische Geschichten und Bilder der Generation, die dort noch ihren Freischwimmer gemacht hat. „Im Jadebad habe ich meine ersten Schwimmversuche unternommen. Damals erst noch an der Angel, später mit einer Haltestange, die man immer greifen konnte, wenn man nicht mehr konnte“, erinnert sich ein Mitglied des Suedbar-Teams. Für die Jüngeren ist es ein geheimnisvoller Ort, dem man bei einem Ausflug an den Handelshafen begegnet. Durch die Nutzung als Suedbar haben alle die Möglichkeit, (wieder) zu entdecken, was sich hinter der Außenmauer verbirgt.

Früher zierten Fischornamente die Außenmauer. Foto: Gegenwind

Früher zierten Fischornamente die Außenmauer. Foto: Gegenwind

Übrigens: Wer mit offenen Augen an der Mauer entlanggeht, kann noch die Umrisse der Fischlein entdecken, die einst die Klinkerwand verzierten und nach Schließung des Bades auf geheimnisvolle Weise davonschwammen – so mancher Badegast hat sich da wohl eine Erinnerung gesichert. Das Schwimmbecken selbst ist zugeschüttet, doch nicht nur die Fische haben das Suedbar-Team auf einige Ideen gebracht, denn das Motto „Schwimmbad“ bietet viel kreativen Raum für Deko und Aktionen. „Wer uns seinen originalen Freischwimmer-Ausweis mitbringt, bekommt ein Freigetränk“, verriet der Vereinsvorsitzende Jens Bertram.

Das Jadebad befindet sich im Besitz der Stadt und dank Unterstützung der GGS können Gebäude und Gelände des Jadebades kostenlos für die Suedbar genutzt werden. „Wir sind nichtkommerziell und arbeiten ehrenamtlich kostendeckend, es wird kein Eintritt erhoben. Wir bieten regionalen Bands einen Auftrittsort, die Bands treten ohne Gage auf, für sie geht nach dem Auftritt ein Hut rum, Künstler können ihre Kunst zeigen, mitgestalten ist bei uns angesagt“, erklärt Jens Bertram. Sein Dank gilt ebenfalls der Bürgerstiftung der Sparkasse, die auch in diesem Jahr das Projekt Suedbar großzügig finanziell unterstützt.

KünstlerInnen und MitmacherInnen willkommen

Bereits jetzt haben sich zahlreiche KünstlerInnen aus Wilhelmshaven und dem Umland angemeldet, auch aus Oldenburg, Berlin und Hamburg gibt es Angebote. Weitere Anmeldungen werden gern entgegengenommen, denn die Suedbar möchte möglichst vielen Künstlerinnen ein Podium bieten. Das Programm der sechs Suedbar-Abende wird in den kommenden Wochen bekannt gegeben.

Neu in diesem Jahr: „Wir werden einen Poetry-Slam für Wilhelmshaven ausrichten, sozusagen als Vorentscheid für den Poetry-Slam des Kiwanis-Clubs – der/die GewinnerIn kann dann im kommenden Jahr beim Kiwanis-Slam im Pumpwerk antreten“, so Bertram. „Termin dafür ist der 26. August – Slammer, und die die es werden wollen, können sich ab sofort bei uns bewerben.“

Im Verein Neue Botschaft Sued kann übrigens jeder mitmachen. „Wir planen nicht nur die SuedBar, sondern wollen uns auch im ganzen Jahr mit mehreren Aktionen in der Stadt zeigen. Wer dabei sein möchte, ist herzlich willkommen!“

Klauen und kaputt machen ist doof!

Für die Suedbar genutzte Leerstände dürfen in der Regel nach Belieben umgestaltet werden, da die Eigentümer sie ohnehin abreißen oder komplett umbauen wollen. Im Ergebnis werden die Immobilien allerdings in einem besseren Zustand hinterlassen, als sie vor der Suedbar vorgefunden wurden. Der spezifische Charakter der „lost places“ – etwas marode, provisorisch, ein bisschen Baustelle, ein bisschen Werkstatt – prägt den besonderen Charme der Suedbar, aber im Sinne der Gäste ist dem Team daran gelegen, trotzdem einen angemessenen Standard an Sicherheit, Hygiene und Komfort zu gewährleisten. Stolperfallen werden beseitigt, Wände gestrichen, Strom- und Wasserleitungen revitalisiert – alles in ehrenamtlicher Eigenleistung, möglichst mit gespendetem oder günstig erworbenem Material.

Leider wurde, kaum hat der Aufbau begonnen, ins Jadebad eingebrochen, ein Fenster zerstört, ein Tor aufgebrochen. Als erste Deko waren zwei Schränke mit Spinden eingezogen, wie sie früher in Bädern üblich waren – eine Spende eines hiesigen Gastronomiebetriebes. Bei dem Einbruch wurden die Spindtüren gewaltsam geöffnet und verbogen. Natürlich konnten die Diebe darin keine Wertsachen finden. „In der Suedbar ist für Diebe nix zu holen“, erklärte Bertram. Das gesamte Inventar besteht aus recycelten Möbeln und Gebrauchsgegenständen; Wertsachen oder Geld werden dort nicht aufbewahrt; und die Kupferrohre der Heizungsanlage, ein beliebtes Diebesgut, wurden schon vor längerer Zeit demontiert. „Wir veranstalten die Suedbar, um Wilhelmshaven ein Stück lebenswerter zu machen, investieren dafür hunderte Stunden unserer Freizeit. Wir begreifen nicht, warum es Leute gibt, die unsere Arbeit wieder kaputtmachen. Bei der Suedbar stehen allen kostenlos die Türen offen, um das rausgeputzte Jadebad gemeinsam mit netten Leuten in Beschlag zu nehmen.“ Das Suedbar-Team macht es vor: Wer unzufrieden ist mit dem kulturellen und Freizeitangebot seiner Stadt, kann diese Unzufriedenheit besser in positive Energie umwandeln statt in blinde Zerstörungswut. Und wer möchte, ist eingeladen, mitzuhelfen und mitzumachen.

 

Zur Realisierung der diesjährigen SuedBar werden weitere Spenden benötigt: http://neue-botschaft-sued.de/ihre-spende/.
Hier können KünstlerInnen sich um einen Auftritt bewerben: http://neue-botschaft-sued.de/eure-bewerbung/

SUEDBAR|Termine

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