Der OB

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Mrz 222013
 

Uraufführung des Theaterstücks von Peter Schanz

(Veröffentlicht am 22.03.2013 –hk-) Mit Beifall und Bravo wurde der Oberbürgermeister nach 75 Minuten absoluter Bühnenpräsenz vom Publikum verabschiedet. Holger Spengler hat das von Peter Schanz geschriebene Stück in seiner Uraufführung mit einer großartigen Leistung serviert.

Der_OB_01Spengler spielte die Rolle so intensiv, dass in keiner Sekunde des Stückes auch nur ein winziger Funken Sympathie für den dargestellten Oberbürgermeister aufkam. Selbst seine anbändelnden Trinksprüche (Ick seh di …) verpufften wirkungslos im Publikum.

Um es vorweg zu sagen: Das Stück mag in vielen Städten der Bundesrepublik (und wohl auch darüber hinaus) durchaus für Furore sorgen, vielleicht ja sogar in Oldenburg; dessen Oberbürgermeister Schwandner stand nämlich Pate für das Monodrama, doch für uns WilhelmshavenerInnen waren das doch olle Kamellen, wir sind hier von Politik und Verwaltung ganz andere Sachen gewohnt.

Der Oldenburger Oberbürgermeister Gerd Schwandner sorgte in den letzten Jahren in Oldenburg für einige Aufreger. Damit Sie sich ein Bild von dem Herren machen können, zitieren wir aus einem Artikel, der in der Taz am 22. Februar 2009 unter der Überschrift: „Die Karriere eines Blenders“ erschien (http://www.taz.de/!30841/).

(…) Sie hofften auf ihn, aber er enttäuschte sie. Jetzt wollen sie ihn loswerden, auch wenn sie ahnen, dass sie es nicht schaffen werden. Schwandner (trat) als parteiloser Ex-Grüner für die CDU als Oberbürgermeisterkandidat an. (…)
In Oldenburg wusste man zunächst nichts über den Mann, es war eher Geraune: Schwandner ist eigentlich Mediziner, saß für die Grünen im Landtag. Hat Geld mit Internetfirmen verdient. War auch mal in Bremen tätig. Hat in Karlsruhe eine Professur inne, irgendwas mit Marketing. Das klang okay – und genauer wollte es auch gar niemand wissen.

Die CDU war froh über einen herzeigbaren Kandidaten, die Grünen und viele andere betörten sich am einzigem Wahlversprechen: Schwandner wollte ein Einkaufscenter in der Innenstadt noch verhindern, das der amtierende SPD-Oberbürgermeister zusammen mit dem Shopping-Mall-Riesen ECE fast durchgeboxt hatte. Die Stichwahl zwischen beiden wurde zum Plebiszit über das Shoppingcenter. Schwandner gewann knapp. Einen „Koloss am Schloss“ werde er verhindern, hatte er gesagt – fünf Wochen nach der Wahl genehmigte er ihn.

Für die Grünen war die Zusammenarbeit beendet, Schwandner gilt seitdem als Wahlbetrüger und macht es Kritikern nicht leicht, dieses Bild zu korrigieren. Er macht sein Ding, verfolgt Ziele, die nur er kennt, denkt in weltpolitischen Kategorien und vergisst mitunter, dass es einen Stadtrat gibt. Zum Beispiel seine China-Initiative: Er wolle „Oldenburg auf die mentale Karte Chinas“ setzen, sagt er ständig, fliegt mit Delegationen mehrfach hin, ohne dass ihn der Rat geschickt hätte. Einziges in Erinnerung gebliebenes Resultat bislang: Vielleicht gibt es bald chinesische Masseure in einem Oldenburger Spaßbad. Der_OB_05

Oder das Vertriebenendenkmal: Der Rat lehnt es ab, trotzdem stellt Schwandner 109.000 Euro dafür in den Haushalt ein. Neulich in Berlin begrüßte er die Gäste des traditionellen Oldenburger Grünkohlessens mit „Guten Übermorgen“, weil er und seine Leute den Titel „Stadt der Wissenschaft“ nach Oldenburg geholt haben und die Stadt schon jetzt im Übermorgen sei. Klingt gut. (…)

Zwar presche Schwandner auch einigen Christdemokraten manchmal gar zu schnell vor, sagt der langjährige Vize-Kreisvorsitzende Heinz Harzmann, er sei aber unumstritten: ein Professor für Marketingstrategien, ein Mann von Welt, der auf Englisch parliert und in China zu Hause ist. Einmal hat Harzmann sogar gesagt, Schwandner sei „unser neuer Messias“. Er glaubt bis heute an ihn. Dann fabuliert er: Vielleicht seien die Oldenburger noch nicht bereit für all die Ideen und Visionen. Dass Schwandner die richtige Wahl gewesen sei, sagt Harzmann, „wird sich noch zeigen“. (…)

Eine Spurensuche im Vorleben des Mannes im Oldenburger Rathaus. Sie beginnt bei den Grünen in Stuttgart. Dort fing seine Karriere als Politiker an – sieht man mal ab von seiner Zeit bei der FDP in den 70er Jahren. 1984 wurde er für die Grünen in den baden-württembergischen Landtag gewählt. Hedi Christian war damals Fraktionsgeschäftsführerin und ist es heute noch. Sie sagt: Schwandner sei nie wirklich ein Grüner gewesen, habe sich nie mit Inhalten identifiziert. Sie beschreibt ihn als „ehrgeizig, leicht verletzlich und sehr eitel“. Trotzdem holte ihn die damalige Bremer Kultursenatorin Helga Trüpel 1992 als Staatsrat nach Bremen. Es schien zu passen: Trüpel gehörte den Grünen an, Schwandner hatte sich in Stuttgart um Kultur gekümmert.

(…). Er selbst habe aber nur verbrannte Erde hinterlassen und stets davon geredet, Bremen müsse so werden wie New York. So wie er Oldenburg zu einer der coolsten Städten Europas machen will. Nach seinem Abschied aus Bremen wurde Schwandner Geschäftsführer des Zentrums für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe. Ein ZKM-Kenner sagt, Schwandner habe sich damals „große internationale Reisen gegönnt, um Netzwerke zu knüpfen“, Aufwand und Ergebnis standen aber „nicht unbedingt in glücklicher Relation zueinander. Der hat da viel Geld verbrannt. (…)
Schwandners Weg war aber deshalb nicht zu Ende, denn er hatte Fürsprecher. Er wurde Professor für Internationale Management- und Marketing-Strategien an der Fachhochschule Karlsruhe. In Oldenburg verweist er oft auf diese Tätigkeit, ist auch stets der „Herr Professor“, was vielen Respekt abnötigt. (…)

Ansonsten das gleiche Muster wie heute in Oldenburg: Schwandner reiste, wie ein damaliger Kollege sagt, „völlig unmotiviert durch die Welt“ – vor allem nach Fernost und in die USA -, „zeichnete sich nicht durch Kärrnerarbeit aus“, machte sein Ding, isolierte sich und hatte „von nichts eine Ahnung“. In Karlsruhe und Baden-Baden waren viele froh, als er die OB-Wahl in Oldenburg gewann.

Und genau diese Geschichte wird in dem „Monodrama für einen Komödianten wider Willen“ erzählt.


Aus dem Innern des OB: Zitate

Der OBWelch eine Zu Zumutung!
Es war einmal ein Mann, der ging in eine Stadt und wollte dort der Meister werden. So sprach er zum Stadtvolk: „He ihr, wenn ihr mich zu eurem Meister erwählt, dann verspreche ich euch die Erfüllung eurer Wünsche!“ Kaum war er Meister geworden, wollte er davon nichts mehr wissen und tat flugs das Gegenteil dessen, was er versprochen hatte. Da waren die Untertanen böse und wollten ihren Meister wieder loswerden. Der aber lachte sich eins und sprach bei sich: „Was kann ich denn dafür, dass diese Kohlköpfe mich erwählten? Ich aber bin gekommen, um zu bleiben.“ Und so blieb er bis zum heutigen Tage.
Wenn real regierende Politiker-Darsteller in einer Art und Weise als Schmierenkomödianten agieren, die jeden echten Schauspieler vor Scham erröten ließen, muss das Theater sich wehren: Mit der Geschichte vom Kohlkopf-König, der so gerne Kaiser von China wäre, wird die Lokal-Posse zurückgespielt. Dabei ist jede Ähnlichkeit mit lebenden Personen naturgemäß so frei erfunden wie unvermeidlich.
Ich frage Sie:
Will man als amtierender Oberbürgermeisterdarsteller einer in nordwestdeutschen ländlichen Räumen liegenden real existierenden kreisfreien kleinen Großstadt auf der Straße erkannt werden?
Also notieren Sie bitte zur Wahrheitsfindung:
Jede Ähnlichkeit mit lebenden Personen ist so zufällig wie unvermeidlich. (Quelle: Programmheft)


Gespannt waren wir auf die Kritik der Oldenburger Nordwest-Zeitung – schließlich war man hier dichter an Schwandner dran als wir Wilhelmshavener.

Was will der Verfasser dem Betrachter einer „in nordnordwestdeutschen ländlichen Räumen liegenden real existierenden kreisfreien kleinen Großstadt“ sagen? Diese Wendung, die sich wie ein roter Faden durch den „OB“ zieht, macht das Grundproblem deutlich: Bombastisch klingende Formulierungen stehen in keinem Verhältnis zum Inhalt.
Theater könnte neue, weiterführende Perspektiven geben. Autor Schanz beschränkt sich darauf zu verulken, was zum Thema Schwandner und Oldenburg eigentlich schon durch ist. Nicht Schwandner wird der Lächerlichkeit preisgegeben. Eher der „OB“. (NWZ 12. März 2013)


Regie: Wolfgang Hofmann
Bühne & Kostüme: Esther Bätschmann
Dramaturgie: Annabelle Schäll
Regieassistenz: Yannick Pohle
mit: Holger Spengler (OB)

Weitere Termine in der Rheinstr. 91 Wilhelmshaven:
Sa., 06.04.2013 / 20.00 Uhr
Sa., 13.04.2013 / 20.00 Uhr
Sa., 20.04.2013 / 20.00 Uhr
Sa., 27.04.2013 / 20.00 Uhr

Alle Fotos: Landesbühne Wilhelmshaven

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