Leserbriefe

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Aug 262015
 

Auch die Leserzuschriften im August widmen sich dem Verlust der Südzentrale.

Leserbriefe:

In einem Leserbrief an die Wilhelmshavener Zeitung vom 20. August 2015 hieß es u.a.: Wie lange sollte diese unansehnliche Ruine und der erbarmungswürdige Trümmerhaufen denn noch vor sich hinzerfallen? Nach wie vielen Argumenten sollte noch gesucht werden? … Für mich hat Wilhelmshaven gewonnen. Ein irrelevantes Vorhaben ist jetzt endgültig durchgestanden und erledigt. Hierauf erwidert Edwin Hildebrandt:

Sehr geehrte Damen und Herren, den Leserbrief von Frau Achberger möchte ich nicht unkommentiert im Raume stehen lassen, da sich mir die Situation anders darstellt.

1. Als die Ibbenbürener die Südzentrale vor ca. 20 Jahren erwarben, stand sie schon unter Denkmalschutz und befand sich noch in einem guten Zustand. Die Käufer mussten wissen, dass sie nach § 6 Nieders. Denkmalschutzgesetz (NDSchG) verpflichtet waren, das einzigartige Baudenkmal zu erhalten. Das galt auch, nachdem die Stadt die Nutzungspläne der Ibbenbürener abgelehnt hatte.

2. Die untere Denkmalschutzbehörde in Wilhelmshaven wäre verpflichtet gewesen, die Instandhaltung der Südzentrale von den Eigentümern einzufordern und gegebenenfalls auf Kosten der Eigentümer durchführen zu lassen. Es hätte sogar die Möglichkeit der Enteignung gegeben. Das alles hat die Stadt aus unerklärbaren Gründen unterlassen.

3. Gutachten, die den Eigentümern die Unzumutbarkeit der Erhaltung der Süd- Zentrale bescheinigen, legen den Verdacht nahe, Gefälligkeitsgutachten sein. Schließlich haben die Eigentümer selbst ja gesetzwidrig diesen Zustand herbeigeführt. Das NDSchG führt in § 7 ausdrücklich aus: „Der Verpflichtete kann sich nicht auf die Belastung durch erhöhte Erhaltungskosten berufen, die dadurch verursacht wurden, dass Erhaltungsmaßnahmen diesem Gesetz oder sonstigem öffentlichen Recht zuwider unterblieben sind.“

4. Nachdem der Verein zur Erhaltung der Südzentrale ein – wie ich finde – äußerst entgegenkommendes Kaufangebot in Höhe von 800.000 Euro abgegeben hatte und erhebliche Mittel von Land, Bund, privaten Spendern und aus sonstigen Töpfen der Denkmalpflege in Aussicht standen, gab es nicht den geringsten Anlass, das denkmalgeschützte ehemalige Kraftwerk abzureißen, denn jetzt gab es wieder konkrete Aussicht auf dessen Erhalt.

5. Die Stadt hätte nach meinem Rechtsverständnis rechtlich jederzeit die Möglichkeit gehabt, ihre gegebene Abrissgenehmigung zurückzuziehen; sie war laut Gesetz sogar verpflichtet, alles zu unternehmen, um das Baudenkmal zu erhalten, ohne dass Sie selbst dazu verpflichtet gewesen wäre, die Kosten zu tragen. Deshalb war die Abrissgenehmigung mit Vorliegen des Kaufangebotes nichtig – eine formale verwaltungstechnische Entscheidung über den Abriss damit meines Erachtens sogar gesetzeswidrig.

Es bleibt die Erkenntnis, dass die Eigentümer der Südzentrale bestehende Gesetze von Anfang an ignoriert haben, und dadurch ein Kulturdenkmal zunächst schleichend, dann aber immer rapider, zerstört haben. Die Rolle, die Verantwortliche in Rat und Verwaltung früher und heute dabei gespielt haben, ist dabei aber – nicht nur für mich – der eigentliche Skandal.

Edwin Hildebrandt
Rheinstraße 124
26382 Wilhelmshaven

 

Seit Jahren hat sich der Verein zum Erhalt der Südzentrale mit immensen Kräften darum bemüht, eines der Herzstücke der Gründerzeit Wilhelmshavens vor dem Abriss zu bewahren. Unsere Südzentrale. Und nun ist sie gefallen. Was letztendlich leider abzusehen war, ist auf das groß angelegte Versagen der verantwortlichen Kommunalpolitik in Wilhelmshaven innerhalb der letzten Jahre zurückzuführen. Nicht auf das Versagen des Vereines, wie es einige ganz Schlaue hindrehen möchten. Der Verein hat alles versucht, was ihm möglich war. Dazu kommt das offensichtliche Unverständnis gegenüber Baukulturerbe seitens der Eigentümer aus Ibbenbüren, einer Bergbaustadt mit diversen Industriedenkmälern! Die Eigentümergemeinschaft sollte sich in den Boden schämen.

Unsere Urgroßväter haben die Südzentrale mit Hand erschaffen, sie hat zwei Weltkriege überlebt. Unsere Kinder und Enkel werden sie nicht mehr kennen lernen dürfen. Nur noch aus Büchern und im Internet. Somit hat man den nachfolgenden Generationen einen lebendigen Teil der Wilhelmshavener Gründerzeit genommen und einen wichtigen Aspekt der Marinegeschichte der Stadt. Touristen haben die Südzentrale gemocht, auch in ihrem neuerlichen eher ruinösen Zustand. Sie war ein Hingucker, der zum Diskutieren anregte. Was ist dort nun neben der Kaiser-Wilhelm-Brücke? Leere.

Wenn ein Wille seitens der Stadtoberen da gewesen wäre, das Gebäude ernsthaft zu retten, dann hätte man das schon mitbekommen. Im Gegenteil, man wird den Verdacht nicht los, dass unter der Hand alles ein „Reinemachespiel“ zwischen der Stadt und den hier Verantwortlichen und den Eigentümern ist. Frei nach dem Motto: „Gut geschmiert ist die halbe Miete…“ Tatsache dürfte sein, dass dieser schwarze Punkt der Wilhelmshavener Stadtgeschichte nicht mehr auszuradieren ist und noch in 50 und mehr Jahren zu lesen sein wird im historischen Kalenderblatt.

Was hier geschehen ist, das ist Respektlosigkeit vor den Erbauern der Südzentrale. Vor dem so interessanten Gebäude als Produkt gewaltiger Ingenieurskunst. Vor uns Wilhelmshavenern, die wir handlungsunfähig waren, weil die Ungerechten das Grundstück schon verplant haben und uns unwissend ließen. Unsere Nachkommen werden sich immer fragen, wie das mit dem Herzstück Südzentrale der Stadt Wilhelmshaven gewesen ist, und sie werden dereinst nur eine unwesentliche Lücke erkennen, die mit der Stadtgeschichte nichts mehr zu tun hat. Können wir das verantworten?

Holger Raddatz
Wilhelmshaven

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