Hühnerhaltung

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Jul 022012
 

Offener Brief

b_bifwarden

An den Rat der Stadt Wilhelmshaven

26388 Wilhelmshaven, den 2. Juli 2012

Offener Brief

Sehr geehrte Damen und Herren des Ortsrats,

Bürgerinitiativen sind immer auch ein basisdemokratischer Ausdruck des Bürgerzorns, um in konkreten Fällen gegen Verhalten oder Entscheidungen von Politik und Verwaltung zu protestieren. Empörung über das Verhalten des Ortsrats Sengwarden/Fedderwarden war u.a. auch der Grund, warum sich Bürgerinnen und Bürger zur Bürgerinitiative-Fedderwarden zusammengeschlossen haben.

Der konkrete Anlass war die Genehmigung und der Bau der Intensivtierhaltungsanlage für 14.994 Legehennen direkt am Ortseingang von Fedderwarden und damit in unmittelbarer Nähe zur dichten Wohnbebauung. Die Vorstellung des Bauvorhabens im Ortsrat erfolgte im Rahmen einer nicht öffentlichen Sitzung. Obwohl sich bereits zu diesem Zeitpunkt landesweite Bürgerproteste gegen Massentierställe erhoben hatten und bereits zu diesem Zeitpunkt auch die damit verbundenen Risiken für Mensch und Umwelt erkennbar waren, hatten Sie dennoch die Öffentlichkeit bewusst ausgeschlossen und das Vorhaben kritiklos zur Kenntnis genommen. Über dieses Verhalten des Ortsrats sind nicht nur wir empört! Auch die Niedersächsische Kommunalaufsicht hat dieses Verhalten als Fehlverhalten angesehen.  

In umfangreichen Studien, Fachartikeln und Medienberichten sind Hühnerställe und Hühnerkot als  Emissionsquellen für gesundheitsschädliche Stäube, Bakterien und multiresistente Keime identifiziert, die nach neueren Erkenntnissen – wie in unserem Fall bei Ostwindlagen – durchaus 500m bis 1.000m weit in den Ort hinein getragen werden können. Dadurch liegen nicht nur die benachbarten Grundstücke im gefährdeten Bereich, sondern auch der Spielplatz und der Kindergarten.

Der Legehennenstall durfte daher wegen seiner schädlichen Auswirkungen auf die benachbarten Anwohner und die Umwelt nicht, wie Sie meinten, wie eine „schützenswerte private Grundstücksangelegenheit“ hinter verschlossenen Türen verhandelt werden. Durch den Ausschluss der Öffentlichkeit haben Sie ferner leichtfertig die Chance vergeben, noch im Vorfeld der Planungsphase mit allen Beteiligten einvernehmlich nach einem geeigneteren Standort zu suchen. Wir sind überzeugt, dass sich dieses Versäumnis negativ auf die Weiterentwicklung des Ortsteils Fedderwarden auswirken wird. Spätestens jedoch dann, wenn  in den Herbst- und Wintermonaten die umgebenden Bäume und Büsche unbelaubt sind,  die Grasnarbe auf der Freifläche von einer Kotschicht verdrängt worden ist und somit das wahre Ausmaß der Anlage sichtbar wird.

Als unverantwortliches Verhalten müssen Sie sich außerdem vorwerfen lassen, dass Sie die Fedderwarder nicht über das Bauvorhaben informiert haben, wie es Ihre Aufgabe als „Anwalt der Bürger“ gewesen wäre. Trotz der zunehmenden Proteste haben Sie auch in der Folgezeit nie das Gespräch mit den Betroffenen gesucht, um sich deren Sorgen und Ängste anzuhören, geschweige denn mit ihnen nach einer Problemlösung zu suchen. Erst auf Druck haben Sie der Bürgerinitiative die Gelegenheit zu einem 15-minütigem Kurzvortrag während einer Ortsratssitzung gewährt, den Sie u.E. uninteressiert wie eine Pflichtübung über sich ergehen ließen. Dies empfinden wir als eine Missachtung gegenüber engagierten Bürgern. Unter diesen Umständen bleibt der Bürgerinitiative nur der Schritt in die Öffentlichkeit, um der wachsenden Empörung Luft zu verschaffen.

Wir, die BürgerinitiativeFedderwarden, hoffen, dass Sie, sehr geehrte Damen und Herren des Ortsrats, sich nun Ihrer Verantwortung bewusst werden und gemeinsam mit uns nach Wegen suchen, um

  •       die Risiken für die Gesundheit der Bürger und die Umwelt zu beseitigen, zumindest sie zu minimieren,
  •       dem Werteverfall der Immobilien durch geeignete Zukunftsplanung entgegenzuwirken und sich darüber hinaus

      für Lenkungsmöglichkeiten im Rahmen eines Flächennutzungsplans einzusetzen, um eine Zunahme von Massentierställen im privilegierten Außenbereich der Ortsteile Fedderwarden und Sengwarden zu verhindern bzw. besser steuern zu können.

Im Namen der Bürgerinitiative

gezeichnet

Hans-Jürgen Heise Christian B. Ott Karin Patent

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