Suedbar 2015

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Jul 102015
 

Konfetti statt Labskaus, die Zweite

Die Suedbar im Alten Schlachthof wird den Wilhelmshavener Sommer verzaubern

Suedbarslogan1

(iz) Nach dem wundervollen Auftakt im letzten Sommer im ehemaligen Möbelhaus Adena geht die Suedbar jetzt im Alten Schlachthof an der Luisenstraße an den Start. Vom 18. Juli bis zum 22. August gibt es an jedem Wochenende ein ungewöhnliches, handgemachtes Kulturprogramm.

Veranstalter ist der Verein „Neue Botschaft Sued“. Ein Dutzend kreativer Köpfe suchte eine kulturökologische Nische für sich und andere, die sich zu alt für das „Holi-Festival“ und zu jung für „Das größte Labskausessen der Welt“ fühlen. Dabei wollen die „Suedbarista“ solchen Veranstaltungen nicht die Existenzberechtigung absprechen, auch diese haben ihre Zielgruppen, doch wer was anderes sucht, soll auch in Wilhelmshaven fündig werden.

Das Motto „Du musst Dir schon selbst Konfetti ins Leben pusten“ beschreibt recht gut, welche Botschaft die Suedbar vermitteln soll: Nicht immer nur warten, was „von oben“ organisiert wird und dann meckern „hier ist ja nichts los“, sondern selbst die Initiative ergreifen und ein Veranstaltungsformat schaffen, das dem eigenen Wohlfühlbedürfnis entspricht. „Wenn Du nix tust, tut sich auch nix“ ist ein weiterer Suedbar-Slogan, der auch in diesem Jahr den Besuchern entgegenspringt.

Anfang des Jahres hatte der Verein einige interessante Leerstände auf dem Zettel. In Gesprächen mit Andreas Leonhardt (WFG – Wirtschaftsförderung in Wilhelmshaven GmbH) und dem Bauamt wurde ermittelt, wer die Eigentümer sind und inwiefern sich die Immobilien für die Suedbar eignen. Am einfachsten wäre es gewesen, wieder ins Adena-Gebäude zu ziehen, sogar die Konfetti-Beklebung der Schaufenster ist bis heute vorhanden. Aber das Prinzip ist, immer wieder andere Leerstände zum Leben zu erwecken, und bei der Besichtigung war der Schlachthof „Liebe auf den ersten Blick“, sagt Rabea Determann vom Suedbar-Team.

Vom ehemaligen Schlachthof ist nur noch das ehemalige Gaststätten- und Verwaltungsgebäude übrig sowie ein äußerlich zwar genauso hübsches Nebengebäude, das aber wegen Feuchtigkeit nicht mehr nutzbar ist.

Wochenlang wurde gewerkelt, zunächst tonnenweise Schutt zusammengekehrt (von Hand, weil noch kein Stromanschluss vorhanden war), kaputte Scheiben und Stolperfallen gesichert und dann mit Farbe, viel Recyclingmaterial und noch mehr Fantasie eine wohlige Atmosphäre geschaffen.

Mittelpunkt ist die ehemalige Gaststätte des Schlachthofes, dort ist die Bar und die Bühne. Weitere Räume sind als Themenräume gestaltet (z. B. gibt es einen „Knutschraum“) und stehen für Workshops und Ausstellungen zur Verfügung. Hinzu kommt das attraktive Außengelände, wo bei gutem Wetter am 1.8. das Open Air Kino und am 9.8. das public Picknick stattfinden sollen.

Das Konzept einer zeitlich begrenzten Nutzung leerstehender Immobilien für soziokulturelle oder auch gewerbliche Zwecke ist nicht neu. Gemeint ist damit nicht die Besetzung, sondern die Nutzung mit Einverständnis der Eigentümer, zu vergünstigten Mieten oder, wie im Falle der Suedbar, kostenlos. Bekannte Projekte gibt es in Berlin und vielen weiteren Städten, in Bremen bringt die „Zwischenzeitzentrale“ systematisch Leerstände mit Interessenten zusammen.

Von der Zwischenraum/zeitnutzung profitieren alle Beteiligten:

– Menschen mit Ideen, aber ohne großes finanzielles Polster finden Räume, um diese Ideen umzusetzen

– Leerstände können provisorisch kreativ gestaltet werden, ohne so in die Substanz einzugreifen, dass für die Zwischennutzer oder einen späteren Nutzer erhebliche Aufwändungen entstehen

– die Zwischennutzung wertet das Gebäude auf, weil ein Mindestmaß an Aufräum- und Sicherungsarbeiten passiert und die Zwischennutzer ein Auge auf das Gebäude haben

– die Zwischennutzung lenkt öffentliches und privates Interesse auf (oftmals denkmalgeschützte) Immobilien und zeigt deren Potenzial auf; in der öffentlichen Wahrnehmung wird ein „Schandfleck“ zum „Schatz“

– somit dient die Zwischennutzung einer städtebaulichen Entwicklung, die sich der Realität des demoskopischen Wandels stellt und der Verödung der Innenstädte entgegenwirkt.

Noch ist der Umbruch zum „gesund Schrumpfen“ nicht erreicht, noch wuchern die Städte trotz stagnierender bis sinkender Bevölkerung allerorten ins Umland hinein, ohne sich zu fragen, wer diese zerfledderte Infrastruktur langfristig am Leben erhalten und finanzieren soll.

Gerade Wilhelmshaven hat ein Umdenken bitter nötig, hier müssen noch dicke Bretter gebohrt werden. Das Konzept „Suedbar“ als kreative, zukunftsweisende Zwischenraumnutzung ist aber schon nach dem ersten Jahr bei Politik und Verwaltung der Stadt und weiteren Fachleuten angekommen. Die Suche nach einer passenden Suedbar-Location wurde von der Wirtschaftsförderung engagiert unterstützt. Die Bürgerstiftung der Sparkasse bedachte das Projekt mit 2000 Euro. Bernd Frerichs als Eigentümer stellte den Schlachthof gern zur Verfügung. Die Architekten Hannes und Oda Griesemann halfen bei den förmlichen Anträgen für die Zwischennutzung, die seitens der Bauverwaltung zügig bearbeitet wurden. Das Suedbar-Team bedankt sich bei allen genannten und weiteren Unterstützern und freut sich auf ein sechswöchiges kulturelles Schlachtfest mit vielen netten Gästen.

Weitere Infos und Programm der Suedbar 2015

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