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Feb 252013
 

Zurück in die Steinzeit

gw20130225_1b1(hk) Die Krankenhauslandschaft in Wilhelmshaven soll verändert werden. Dabei geht es um Kostenersparnis und um die Anpassung der Versorgung der Bevölkerung an den Stand der Technik und auch an den demografischen Wandel. Das alles ist unstrittig. Aber wie setzt man ein solches Ziel in Wilhelmshaven um? Und da wird’s richtig übel.

In der Wilhelmshavener Zeitung erschien am 22. Februar 2013 unter der Überschrift „Fahrplan für neues Krankenhaus“ die folgende Meldung:

Wilhelmshavens Oberbürgermeister Andreas Wagner sieht in dem „Zukunftspakt“ einen Meilenstein auf dem Weg, die Krankenhausversorgung in Wilhelmshaven dauerhaft zu sichern – „quantitativ und qualitativ“.
Ziel sei es, ein hochmodernes Klinikum mit 500 Betten auf dem RNK-Gelände an der Friedrich-Paffrath-Straße zu errichten, in dem – mit Ausnahme von Psychiatrie und Kinder-Psychiatrie – alle medizinischen Abteilungen abgebildet werden, die in RNK und St.-Willehad angeboten werden. „Möglichst auch noch weitere“, sagte Thomas Gomille, kaufmännischer Direktor des St.Willehad-Hospitals. Das Land Niedersachsen hat nach den Worten der RNK-Geschäftsführerin Andrea Aulkemeyer Fördermittel zugesagt. Die Stadt soll 70 bis 80 Prozent, der Trägerverein des St.Willehad-Hospitals 20 bis 30 Prozent der Anteile der neuen Klinik halten. Wie St.-Willehad-Geschäftsführer Heinz Hoffstedde betonte, würden aber dennoch katholische Aspekte in den Betrieb des Krankenhauses einfließen. Es soll eine Kapelle geben sowie einen katholischen Seelsorger. Bei Schwangerschaftsabbrüchen werde sich das Klinikum an den ethischen Grundsätzen der katholischen Kirche orientieren. In Notfällen – bei medizinischen Problemen oder nach Vergewaltigungen – werde geholfen. „Aber wir werden kein schon entstandenes Leben zerstören“, so Hoffstedde. Schwangerschaftsabbrüche, deren einziger Grund der Wunsch der Mutter sei, müssten andernorts vorgenommen werden.
Der Rat der Stadt und die Gesellschafterversammlung des St.Willehad müssen dem Pakt noch zustimmen.

In der Wilhelmshavener Zeitung vom 23. Februar 2013 stellte Chefredakteur Gerd Abeldt klar, wo die Frauen zukünftig Hilfe erfahren können:

Ein Knackpunkt ist die Konvention zu Schwangerschaftsabbrüchen, auf die sich die Verantwortlichen für das städtische RNK und das katholische St.Willehad-Hospital für das gemeinsame Klinikum verständigt haben. „Nothilfe ja, aber keine Tötung schon entstandenen Lebens im Mutterleib“ – so die verkürzte Formel, die die „Pille danach“ zulässt, eine Abtreibung eines Embryos auf alleinigen Wunsch der Mutter aber ausschließt.
Kann ein kommunaler Krankenhausträger in einer überwiegend mit Nicht-Katholiken bewohnten Stadt mit einer solchen Regelung leben? – Er muss, wenn er den Partner katholische Kirche akzeptiert und das gemeinsame Klinikum will!
Und er kann. Denn auch das ist klar: Die Formel schließt legale Abtreibungen im Stadtgebiet nicht aus. Denkbar wäre ein Hilfe-Angebot in einer privaten Frauenarztklinik, um den Frauen den Weg in andere Krankenhäuser zu ersparen. Die Politik sollte das Thema Abtreibung nicht emotionalisieren. Ihre Hauptaufgabe ist es, eine Zukunft für die Krankenhausversorgung in der Stadt zu sichern.
Schwangerschaftsabbrüche sind dabei ein wichtiges, aber nicht das wichtigste Thema.

Das hierzu eine empörte Diskussion starten wird, steht außer Frage, daran wird auch der Kommentar des WZ-Chefredakteurs nichts ändern. Am Montag (25.02.2013) gab es bereits die ersten Leserbriefe. Die BASU schickte uns dazu die folgende Pressemitteilung:

Kein Krankenhaus katholischer Prägung

Pressemitteilung der BASU (Freie Liste für Bildung/Arbeit/Soziales/Umwelt) vom 24.02.2013  Ein Krankenhaus gehört zur Daseinsfürsorge einer Kommune. Die BASU (Freie Liste für Bildung/Arbeit/Soziales/Umwelt) möchte es in kommunaler Trägerschaft behalten. Darüber waren sich auch alle anderen Ratsmitglieder, außer Dr. von Teichmann (FDP), einig. Was jetzt aber aus dieser Willensbekundung gemacht wird, macht uns als Opposition hilflos und wütend.
Für alle Kosten dieses neuen Hauses werden die Steuerzahler aufkommen. Kein Cent wird von der Katholischen Kirche kommen, aber das Krankenhaus soll katholisch geprägt sein. Was werden wir haben? Ein katholisches Krankenhaus, das aus Steuermitteln finanziert wird, die alle Steuerzahler, egal welcher Religion aufbringen.
Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch nach den gesetzlichen Vorgaben durchführen lassen wollen, dürfen dies nicht im kommunalen Krankenhaus tun. Sie müssen sich an katholische Regeln halten. Regeln, die den Schutz des ungeborenen Lebens weit höher stellen, als den Schutz des geborenen.
Auch Frauen aus Wilhelmshaven haben für die Abschaffung des § 218 gekämpft. Jetzt haben wir einen CDU – Oberbürgermeister und werden als Frauen um Jahrzehnte in unserem Kampf um Entscheidungsfreiheit und Gleichberechtigung zurückgeworfen.
Andere Aspekte spielen bei der katholischen Prägung eines Krankenhauses aber auch noch eine Rolle. Müssen in Zukunft alle Mitarbeiter Angst haben sich scheiden zu lassen? Vielleicht darf es ja noch eine(n) evangelische(n) Chefarzt oder Chefärztin geben, aber eine(n) Atheisten oder Atheistin oder gar Homosexuelle wird es wohl an unserem kommunalen Krankenhaus nicht geben dürfen. Da wird auch die Kompetenz keine Rolle spielen.
Wir fordern die Stadtverwaltung auf, der Politik noch andere Vorschläge vorzulegen! Ein kommunales Krankenhaus katholischer Prägung lehnt die BASU (Freie Liste für Bildung/Arbeit/Soziales/ Umwelt) ab.

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