Kohle aus Kolumbien

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Nov 092012
 

…doch die im Dunkeln - sieht man nicht!!

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(Wilhelmshaven 09.11.2012 – jm) Am Sonntag, d. 04.11. hat der Massengutfrachter NAVIOS POLLUX mit rd. 170.000 Tonnen Steinkohle aus Kolumbien im Bauch an der Niedersachsenbrücke festgemacht.
„Rhenus Midgard löscht größte je in Deutschland angelandete Schüttgutmenge“ heißt es hierzu im Aufmacher der WZ vom 06.11.12. Scheinbar genau das richtige Placebo, mit dem man mal wieder Wohlgefühl unter seinen durch Pleiten, Pech und Pannen verunsicherten Lesern verbreiten kann…

Man könnte darüber glatt vergessen, dass die Kohleverstromung umwelt- und klimabelastend ist. Sie passt zudem nicht zu ‚Ökostrom’. Kohlekraftwerke müssen deshalb möglichst schnell durch Gas- und Dampfkraftwerke und Energiespeicher abgelöst werden. Doch durch den Kohleimport aus Kolumbien gehört noch ein weiteres Übel ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt:

„Kolumbien Blut für Kohle“

Nach Medienberichten und laut kolumbianischen und internationalen Menschenrechtsorganisationen kommt es beim Steinkohleabbau in Kolumbien regelmäßig zu schweren Menschenrechtsverletzungen und gravierender Umweltzerstörung.  Die Frankfurter Rundschau fasste die dort herrschenden Zustände in der Schlagzeile „Kolumbien Blut für Kohle“ zusammen (12.10.11).

Schon 2007 berichtete das Medium www.labourNet.de (Auszug):  Armee und Paramiltärs „säubern“ das Land, wenn Bergbau-Unternehmen auf neu ausgewiesene Abbaugebiete zugreifen wollen. Die Guerilla schöpft in den Bergbaugebieten Revolutionssteuern ab. Die lokale Bevölkerung gerät zwischen die Fronten der bewaffneten Gruppen. Es kommt zu massenhaften Vertreibungen und Gewaltakten gegen die Zivilbevölkerung. MenschenrechtsverteidigerInnen, die in Kolumbien über die Problematik in den Kohleabbaugebieten berichten, werden massiv bedroht und verfolgt. Es werden weiter Enteignungen ohne Entschädigungszahlungen durchgeführt, gesetzliche vorgeschriebene Verfahren zur Konsultation der indigenen und afro-kolumbianischen Bevölkerung werden nicht oder nur mangelhaft durchgeführt. Die Bauern und Bäuerinnen sowie Angehörige Indigener Völker verlieren ihr Land und ihre Lebensgrundlage. In den Minen werden Arbeitsschutzrichtlinien nicht eingehalten, mit der Folge schwerer Erkrankungen für die MinenarbeiterInnen und AnwohnerInnen. Darüber hinaus wird nach Medienberichten die Gründung von Gewerkschaften von den Konzernen vor Ort aktiv behindert und sogar Morde an führenden Gewerkschaftsmitgliedern werden mit der Unterdrückung gewerkschaftlicher Arbeit in Verbindung gebracht.“

Berichten von Oliver Krischer (MdB, Grüne) zu Folge, der sich 2011 in den kolumbianischen Kohle-Exportprovinzen La Guajira und Cesar im Norden des Landes umgesehen hat, geht es Mensch und Umwelt dort weiterhin sehr schlecht.

Auszug: „Die Region gehört zu den ärmsten Kolumbiens. Vom geförderten Reichtum profitieren die Betroffenen überhaupt nicht – im Gegenteil – sie tragen ausschließlich die Lasten in Form von Umsiedlung und Vertreibung, Zerstörung ihrer wirtschaftlichen Existenz und kulturellen Bindung, Zerstörung der Natur (Wälder, Weiden, Flüsse etc.) und einer erheblichen Umweltbelastung durch Staubemissionen durch den Abbau und Transport der Kohle. Auf politischer Ebene verfolgt die kolumbianische Regierung das Ziel zu einem großen und zuverlässigen globalen Akteur bei der Steinkohleförderung zu werden. Auch innerhalb der Regierung gibt es zwar immer wieder Kritik an der rigorosen Bergbauvorrangpolitik, mit der das Land „entwickelt“ werden soll, dafür aber einen hohen Preis bezahlt. Präsident Santos hat aber bisher keine Schritte unternommen, um diese Situation zu verändern. Nach Gesprächen mit betroffenen Menschen in den Bergbauregionen, Nicht-Regierungsorganisationen, staatlichen Stellen und den Bergbauunternehmen ist festzustellen, dass die offensichtlichen und tiefgreifenden Probleme nicht in Abrede gestellt, aber die Verantwortung oft von der einen Seite auf die andere Seite verschoben wird. Die Folge ist eine zum Teil absurde Blockade bei der Lösung von Problemen allein auf Kosten der betroffenen Menschen.

Zwei Beispiele
In Gemeinden, die den Tagebauen weichen müssen ist oft nicht geklärt, wer die Umsiedlung organisiert und wie der Prozess ablaufen soll. Zum Teil funktioniert nicht einmal die Erfassung der in einer Gemeinde lebenden Menschen und ihrer wirtschaftlichen Situation. So herrscht dort zum Teil eine jahrelange Verunsicherung über die Zukunft während die Tagebaue oft von mehreren Seiten an die Ortschaft rücken, während gleichzeitig gemeinschaftlich genutzte Weiden und Äcker im Eigentum des Staates und damit die Existenzgrundlage vieler Menschen bereits zerstört werden. Wegen der absehbaren Umsiedlung wird nicht mehr in die kommunale Infrastruktur investiert, mit katastrophalen Folgen für die Lebensbedingungen. So ist in einer Ortschaft die Müllabfuhr eingestellt worden mit der Folge, dass sich der Müll am Dorfrand meterhoch stapelt. Die Auswirkungen im tropischen Klima sind vorstellbar.“

„Better Coal-Inititive“
Die Kohleimporteure müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, dass ihnen Geschäfte wichtiger sind als Menschenrechte und Umweltzerstörung. Offensichtlich sahen sich einige von ihnen – darunter E.ON, RWE und Vattenfall – deswegen genötigt, eine ‚Better Coal’ Initiative (www.bettercoal.org) zu gründen. Die soll sich fortan durch Konsultationen für Verbesserungen von Geschäftspraktiken, des Arbeits- und Umweltschutzes sowie für den Schutz der vom Kohlebergbau betroffenen Gemeinden einsetzen.

Das soll wohl für die Betroffenen heißen: Beten und abwarten. Wer diesbezüglich nicht an Wunder glaubt, muss weiter Druck mit aufbauen und darf hierbei nicht nachlassen!

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