JadeWeserPort

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Apr 292011
 

Güterverkehrszentrum: Noch kein ‚Hot Spot’

Logo HafenrundfahrtWenn’s um den JadeWeserPort geht, ist Dampfgeplauder erste Bürgerpflicht.

(jm) Nordfrostchef Horst Bartels war der Star des Abends beim WZ-Stammtisch zum „Tag der Logistik“. Tags zuvor – am 13. April – hatte er einen Pachtvertrag unterzeichnet, der ihm ein 20 ha großes Grundstück im geplanten Güterverkehrszentrum (GVZ) auf dem Hafengroden des JadeWeserPorts (JWP) sichert. Herrn Bartels‘ medial gefeierter Coup ließ wieder Hoffnung aufblitzen, dass aus dem JWP doch mehr werden könnte als eine reine Containerschleuse.

Nicht ganz so glanzvoll konnte Harald Schefft, Geschäftsführer in der Bremer Niederlassung der in dänischer Hand befindlichen ‚DSV Solutions Group GmbH’, auftrumpfen. Dieser globale Logistikdienstleister sucht Ansiedlungsflächen in Deutschland, die lt. Herrn Schefft immer schwieriger zu haben seien. Deshalb interessiere man sich auch für ein bis zu 10 ha großes Betriebsgelände im hiesigen GVZ. Gedacht sei an den Bau einer Halle zwecks Sortierung bzw. Zusammenstellung von Frachtgütern für den Weitertransport zu den jeweiligen Bestimmungsorten resp. Empfängern. Zum erforderlichen Arbeitskräftebedarf für solch einen Distributionsbetrieb ließ Herr Schefft allerdings nichts verlauten. Und obwohl er seine Firma als klassischen LKW-Spediteur vorstellte, will er vor einer Ansiedlungsentscheidung zunächst mal die Bahnentwicklung beobachten.

Dagegen konnte Herr Bartels mit ganz konkreten Vorhaben sowie der damit verbundenen Beschäftigungswirkung aufwarten: Auf den gepachteten 20 ha Betriebsgelände soll im ersten Schritt mit dem Bau eines 20 Meter hohen Abteils für Tiefkühlwaren begonnen werden. Dem soll ein Frischezentrum für Früchte und Gemüse angegliedert werden. Die dafür erforderlichen Investitionskosten bezifferte er auf insgesamt rd. 60 Mio. €. Beide Abteilungen sollen jeweils Raum für 20.000 Paletten-Stellplätze bieten. Mit Inbetriebnahme des JWP würden dort 400 Gehaltsempfänger ihre Arbeit aufnehmen.

JWP – kein Hot Spot

Weniger beeindruckend war der Auftritt des Vertriebsleiters der „JadeWeserPort Logistics Zone GmbH & Co. KG“ Rüdiger Beckmann. Sein zur Schau gestellter Optimismus konnte am Ende kaum über das insgesamt magere Ergebnis seiner bisherigen Bemühungen um Investoren hinwegtäuschen. Da war in seinem Vortrag von Kontakten mit Interessenten, der Bemühung um die Ansiedlung mittelständischer Unternehmen und von der Suche nach passenden Puzzle-Steinen die Rede. Am Ende ließ er noch die Bemerkung fallen, dass der JWP noch kein ‚hot spot’ (will heißen, kein heißer Tipp) in der Logistikbranche sei. Das würde sich aber ändern, wenn der Terminal den Betrieb erst aufgenommen habe.

Unter Berücksichtigung weitgehend ausbleibender Ansiedlungserfolge (von Nordfrost mal abgesehen) hat sich Herr Beckmann immerhin als Dampfplauderer recht wacker geschlagen.

Zu vermelden hatte Herr Beckmann noch, dass man die Suche nach einem ‚Truck-Vorstopp’ an der A29 nicht weiter verfolge. Stattdessen habe man sich jetzt für ein ‚Truck Service Center’ mit Parkgelegenheit für 277 Trucks sowie angegliedertem Tankstellen- und Reparaturbetrieb auf dem GVZ-Gelände entschieden.

Das ist schon erstaunlich, denn der dafür erforderliche Flächenbedarf ist ja nicht ganz unerheblich. Da auf dieser Fläche fast keine Wertschöpfung entstehen und der Beschäftigungsbedarf sich an zwei Händen abzählen lassen dürfte, stellt sich die Frage nach den Gründen:

Hat man die Hoffnung etwa schon aufgegeben, den kompletten Hafengroden arbeitsintensiv vermarkten zu können?

Oder geht man bewusst verschwenderisch mit dem GVZ-Geländepool um, damit baldmöglichst hafengewerblicher Bedarf am ungeliebten Naturschutz-, Flora-Fauna-Habitat- und Natura-2000-Gebiet ‚Voslapper Groden Süd’ angemeldet werden kann?

Stadt verzichtet auf Pachteinnahmen

Doch es gibt da noch mehr an kaum noch nachvollziehbaren Entscheidungen: Im Jahre 2001/02 haben die Stadtwerke von der Mobil Oil das ca. 100 Hektar große – im Voslapper Groden Süd gelegene – Erweiterungsgelände der Raffinerie erworben. Dies geschah auf Pump, wie aus gewöhnlich gut unterrichteter Quelle bestätigt wurde. Haben unsere Stadtoberen seinerzeit in einem Anfall überschäumender Euphorie etwa darauf spekuliert, das Gelände schon bald profitabel an Schlange stehende Investoren weiterveräußern zu können? Schön wär’s ja gewesen für unsere maroden Stadtkassen! Doch statt der erwarteten Einnahmen aus Grundstücksverkäufen wuchsen der Stadt anscheinend die Tilgungs- und Kreditraten über den Kopf. Wohl deshalb hat die Stadt im Jahre 2009 beschlossen, das Gebiet an das Land Niedersachsen zu verkaufen und sich mit dem Erlös von 12 Mio. € an den Herstellungskosten der Infrastruktur des Hafengrodens einschl. des GVZ zu beteiligen.

Wer jedoch davon ausging, dass die Stadt durch ihre finanzielle Beteiligung auch angemessen an den dortigen Pachteinnahmen beteiligt werden würde, dem wird dieser Zahn von unserem Noch-OB Eberhard Menzel gezogen: Herr Menzel, der beim WZ-Stammtisch als Gast anwesend war, stellte klar, dass die Pacht vom Land Niedersachsen kassiert wird.

Die Stadt sieht also keinen ‚focken Cent’ davon! Da fragt man sich, wie groß die akute Not der Stadt sein muss, dass sich unsere kommunalen Entscheidungsträger angesichts des immer wieder von ihr beschworenen hafenaffinen Flächenbedarfs im Voslapper Groden gezwungen sahen, sich auf solch einen grottenschlechten Tausch einzulassen?!

Containerschleuse Eurogate

Von der Eurogate war beim WZ-Stammtisch diesmal niemand vertreten. Doch ihre Road Show durch Asien fand Anerkennung. Ihre Investitionsbereitschaft im GVZ fällt dagegen mehr als ernüchternd aus:

Die Firma Eurogate bzw. deren Teilhaber – die BLG Logistics Group – wird hier keinen ‚Cold Store’ bauen, weil Nordfrost dem zuvorgekommen sei. Wegen der weiteren von der Eurogate angekündigten Logistik-Komplexe (s. Kasten) sei mit Eurogate gesprochen worden. Diese würde Eurogate jedoch zunächst nicht bauen. Dies erwiderte Herr Beckmann auf eine diesbezüglich gestellte Frage aus dem Publikum.

Aus der Pressemitteilung von Eurogate vom 25.04.2006:

EUROGATE-Tochtergesellschaften aus dem cargomodalen Bereich werden zum Containerumschlag ergänzende Dienstleistungen anbieten. So werden EUROCARGO Container Freight Station and Warehouse (Container-Packstation), ReMain Container Depot and Repair (Containerwartung und –reparatur), und SWOP Seaworthy Packing (seemäßige Verpackung) eine Niederlassung in Wilhelmshaven aufbauen.

Aus dem Gegenwind Nr. 223 – Dez. 2006:

Am 13.12. hielt Heinz Brandt, Leiter des Personalwesens der Firma Eurogate, in der Volkshochschule einen Vortrag mit PowerPoint-Präsentation, in dem er auch auf die zukünftig mit dem JadeWeserPort verbundenen Arbeitsplätze einging.

Herr Brandt weiter: Abseits der Kaikante sind eine Container-Packstation, ein Container-Depot, Containerwartung und –reparatur, seemäßige Verpackung und ein Aussichtsturm zur Tourismusförderung vorgesehen. Brandt kündigte auch die Ansiedlung von Firmen an: Ocean Gate Distribution, BLG Logistics Interaction, BLG-Cold Store Logistics und Maersk Logistics Deutschland. Auch die Vermarktung des Hafengrodens im Rahmen der Eurogate Marketing und PR-Aktivitäten ließ er nicht aus. Die Mitarbeiter dieser Firmen seien in der Zahl der 1.000 Beschäftigten des Terminalbetriebs mit enthalten, erklärte er auf Anfrage.

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer

Insgesamt gesehen haben die Ansiedlungsbemühungen der Vermarktungsgesellschaft ‚JWP-Logistics Zone’ also – trotz der frohen Botschaft von Herrn Bartels – einen weiteren Rückschlag erlitten. Dadurch rücken die im Planfeststellungsantrag genannten Arbeitsplatzzahlen sowie Lohnsteuereinnahmen derzeit in immer weitere Ferne. In diesem Antrag wurden allein an der Kaikante 1.404 Arbeitsplätze bei einer Jahresumschlagleistung von 2,8 Mio. Standardcontainern (TEU) angegeben. Zudem steht dort schwarz auf weiß: „In einer sehr vorsichtigen Schätzung werden die Gesamteffekte auf knapp 2.500 zusätzliche Arbeitsplätze in der Region beziffert. Darin enthalten sind sowohl direkte und indirekte als auch induzierte Effekte. Eine zweite, optimistischere Schätzung sieht die Chance, dass in der Region durch den Hafen langfristig rund 6.300 Arbeitsplätze entstehen.“ Dadurch würden den regionalen Gebietskörperschaften jährliche Lohnsteuereinnahmen zwischen 12,7 Mio. und 32,2 Mio. Euro zufließen, heißt es darin weiter.

Um solch hochgesteckte Erwartungen erfüllen zu können, muss das Team rund um Herrn Beckmann aber noch mächtig rackern, damit wir in einigen Jahren nicht wieder lesen müssen: „Neue Arbeitsplätze schaffen, sei schwierig. Auch sehe er im Augenblick keine Chance für die Neuansiedlung eines Betriebes an der Jadeküste.“ (WZ, 10.07.1981)

Dies erklärte Walter Leisler Kiep, der von Februar 1976 bis Juni 1980 in seiner Funktion als Nds. Wirtschafts- bzw. Finanzminister bei den Ansiedlungsbemühungen um das ICI-Chemiewerk (jetzt INEOS) kräftig mit an den Strippen zog. Bei Inbetriebnahme blieben von den hierfür angekündigten neuen 2.000 Arbeitsplätzen nur 380 übrig. Einige Dutzend davon fielen – trotz mehrerer Produktionssteigerungen – späteren Rationalisierungsmaßnahmen zum Opfer. Die Ansiedlung hat den Steuerzahler Hunderte von Millionen gekostet.

Herrn Kiep gereichte sein Engagement allerdings nicht zum Schaden: Er wurde im Jahre 1982 ‚Non-Executive Director’ in der ICI-Muttergesellschaft mit Sitz in London und im Jahre 1987 Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen ICI GmbH mit Sitz in Frankfurt.

Siehe hierzu auch im Bürgerportal: Der JadeWeserPort- und der Hafengroden-Flop

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